Stadt in Nordmexiko nach Festnahme von "El Chapos" Sohn von Gewalt erschüttert

Wenige Tage vor dem geplanten Besuch von US-Präsident Joe Biden in Mexiko haben mexikanische Sicherheitskräfte einen Sohn des inhaftierten Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán festgenommen. Nach der Verhaftung von Ovidio Guzmán in Culiacán, der Hauptstadt des Bundesstaates Sinaloa, lieferten sich mutmaßliche Mitglieder des Sinaloa-Drogenkartells am Donnerstag heftige Gefechte mit den Sicherheitskräften. Ein Mitglied der Nationalgarde wurde getötet, 28 weitere Menschen wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Ovidio Guzmán soll nach "El Chapos" Auslieferung an die USA im Jahr 2017 dabei geholfen haben, die Drogengeschäfte seines Vaters weiterzuführen. Laut Verteidigungsminister Luis Cresencio Sandoval leitet der 32-Jährige die "Los Menores-Fraktion" des Sinaloa-Kartells.

Nach seiner Festnahme wurde er mit einer Maschine der Luftwaffe nach Mexiko-Stadt gebracht und dort von der Staatsanwaltschaft vernommen. Später wurde er ins Gefängnis von Altiplano gebracht, aus dem sein Vater im Jahr 2015 geflüchtet war. Medienberichten zufolge wurde neben Guzmán auch ein Chef von Auftragskillern des Sinaloa-Kartells festgenommen.

Mitglieder des Kartells reagierten mit Gewalt auf die Festnahme von Ovidio Guzmán. Sie setzten in Culiacán zahlreiche Fahrzeuge in Brand, errichteten Straßensperren und lieferten sich heftige Schusswechsel mit den Sicherheitskräften.

Die Schusswechsel erstreckten sich bis zum Flughafen. Eine Passagiermaschine und ein Militärflugzeug wurden von Kugeln getroffen, wie die Fluggesellschaft Aeromexico und die Regierung mitteilten. Verletzt wurde niemand, doch musste der Flugverkehr eingestellt werden. In der Stadt wurden der Schulunterricht eingestellt und Sportveranstaltungen abgesagt.

Ovidio Guzmán war schon einmal im Oktober 2019 in Culiacán festgenommen worden, wurde auf Anweisung von Präsident Andrés Manuel López Obrador damals aber nach heftigen Straßenkämpfen mit einer Übermacht bewaffneter Angreifer wieder freigelassen. Mehrere Menschen wurden damals getötet, das öffentliche Leben kam völlig zum Erliegen.

Das vor vier Jahrzehnten von "El Chapo" gegründete Sinaloa-Kartell zählt weiterhin zu den mächtigsten Drogenkartellen Mexikos. Es wird von Washington unter anderem beschuldigt, den US-Markt mit Fentanyl zu überschwemmen, einer synthetischen Droge, die etwa 50 Mal stärker ist als Heroin.

Ovidio Guzman alias "El Raton" (Die Maus) ist das bekannteste Mitglied der "Los Chapitos", zu denen auch seine drei Brüder Joaquín, Iván Archivaldo und Jésus Alfredo gehören, die nach Angaben der mexikanischen Behörden ebenfalls in den Drogenhandel verwickelt sind.

Auf der US-Fahndungsliste steht der 32-Jährige wegen des Handels mit Kokain, Methamphetamin und Marihuana. Zudem soll er nach Erkenntnissen der US-Ermittler die Ermordung von Informanten, eines Drogenhändlers und eines Sängers angeordnet haben, weil dieser sich geweigert hatte, auf seiner Hochzeit zu singen.

Die US-Behörden hatten eine Belohnung von fünf Millionen Dollar für Informationen ausgesetzt, die zur Ergreifung des 32-Jährigen führen. Einen Zusammenhang zwischen Bidens bevorstehendem Mexiko-Besuch und Guzmáns Festnahme schloss der Sicherheitsexperte David Saucedo aus. Allerdings gehe diese auf den "Druck der Amerikaner auf die mexikanische Regierung" seit Guzmáns gescheiterter Festnahme im Jahr 2019 zurück.

ans/ju