Stadtwerke erhöhen Preise - Verbraucherschützer warnen, dass sie vom Preisdeckel profitieren wollen

Viele Menschen heizen weniger aus Angst vor hohen Preisen. - Copyright: picture alliance / pressefoto_korb | Micha Korb
Viele Menschen heizen weniger aus Angst vor hohen Preisen. - Copyright: picture alliance / pressefoto_korb | Micha Korb

Der Anstieg der Energiekosten in Deutschland ist seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine enorm. Der durchschnittliche Gaspreis in Deutschland ist seit Oktober 2021 von 7,01 Cent je Kilowattstunde auf 20,54 Cent/kWh gestiegen und hat sich somit fast verdreifacht. Im selben Zeitraum ist der durchschnittliche Strompreis ebenfalls von 31,38 Cent/kWh um 72 Prozent auf 53,83 Cent/kWh gestiegen. Nun haben auch noch viele Stadtwerke pünktlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Frist von sechs Wochen angekündigt, ihre Strom- und Gaspreise ab Januar zu erhöhen, berichtet das "Handelsblatt".

Der Preisvergleich im "Handelsblatt" zeigt die Preisunterschiede zwischen den unterschiedlichen Energieanbietern. Die Stadtwerke-Wuppertal erhöhen ihre Strompreise nur um zwölf Prozent auf 42,02 Cent/kWh. In Leipzig und München verdoppelt sich der Preis und erreicht jeweils 52,12 und 61,89 Cent/kWh.

Verbraucherschutzverbände sehen den Preisunterschied kritisch. Die Stadtwerke könnten durch unberechtigte Preiserhöhungen aus den gesetzlichen Preisdeckeln Profit schlagen wollen, so der Vorwurf. Die Strom- und Gaspreisdeckel, die rückwirkend ab Januar 2023 gelten, deckeln 80 Prozent des privaten Haushaltsverbrauchs bei jeweils 40 und 12 Cent/kWh und erstatten den Anbietern die Preisdifferenz.

Die Stadtwerke wiederum argumentieren, dass sie mit den Preiserhöhungen nur den Anstieg der Energiebeschaffungskosten weitergäben, um künftige Versorgungen zu sichern. Ein anderes Argument der Stadtwerke: man habe kurzfristig Strom und Gas einkaufen müssen.

Verbraucherschützer sehen das skeptisch. „Der ein oder andere Anbieter sieht jetzt eine gute Möglichkeit, die Preise zu erhöhen, ohne dass ihm die Kunden weglaufen, weil er den vollen Preis ja ohnehin für 80 Prozent erstattet bekommt“, warnt Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale NRW. Allerdings ließe sich dieses Vorgehen nur nachweisen, in dem Kartellämter Preise langfristig beobachten. Und ob das bei der schieren Anzahl an Preiserhöhungen und Anbietern überhaupt möglich sei, sei fraglich.

aa