Starbucks-"Karen": Sie beschimpfte den Barista, jetzt will sie sein Geld

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.
Starbucks-Filialen in den ganzen USA haben wieder geöffnet, allerdings gilt in den meisten Staaten die Maskenpflicht in den Cafés. (Bild: Noam Galai/Getty Images)
Starbucks-Filialen in den ganzen USA haben wieder geöffnet, allerdings gilt in den meisten Staaten die Maskenpflicht in den Cafés. (Bild: Noam Galai/Getty Images)

Weil ein Barista sie ohne Maske nicht bediente, schwärzte eine Kundin ihn an. Jetzt will sie auch noch die Hälfte der Solidaritäts-Spenden, die danach für ihn zusammen kamen.

Dreister geht es eigentlich nicht mehr. Vor ein paar Wochen beschwerte sich Amber Lynn Gilles über einen Barista, der ihr in einer Starbucks Filiale in Sand Diego die Bedienung verweigert hatte. Der Grund war, dass sie sich standhaft weigerte, die vorgeschriebene Maskenpflicht einzuhalten. Sie fotografierte den jungen Barista und schwärzte ihm auf Facebook an. “Darf ich vorstellen, Lenen (sic) von Starbucks, der mir die Bedienung verweigerte, weil ich keine Maske trage”, schrieb sie zu dem Post und drohte damit, beim nächsten Mal die Polizei mitzubringen. Die anderen Kunden beschimpfte sie als Schafe.

“Masken-Akne” und Atemprobleme

Doch die Solidarität der Online-Community zeigte, dass die Öffentlichkeit auf der Seite von Lenin Gutierrez stand. Eine schnell eingerichtete GoFundMe-Kampagne sammelte über 105.000 US-Dollar für den Barista. Und von diesem Geld hätte Amber Lynn Gilles nun gerne die Hälfte. Das zumindest erzählte sie einem Lokalableger des US-TV-Senders Fox. Sie überlege, eine Klage anzustrengen, schließlich sei sie es, die diskriminiert worden sei. Ihre Begründung ist eher abenteuerlich. Sie erzählte dem Sender, warum das Maskentragen für sie unmöglich sei: “Ich leide unter Kurzatmigkeit Schwindel und es stört den Herzrhythmus.” Dazu habe sie Asthma und bekomme “Masken-Akne”. “Da gibt es also mehrere Dinge und nicht nur das, es funktioniert ja nicht mal,” findet Gilles.

Einen “Beweis” für ihren Anspruch auf medizinische Masken-Abstinenz hatte sie auch parat. Die mitgebrachten Dokumente waren der Befund einer gynäkologischen Untersuchung von 2015 und eine handgeschriebene Notiz eines örtlichen Chiropraktikers, der die angeblichen Atemprobleme bestätigte: “Sie verhindern, dass Amber eine Maske oder Gesichtsbedeckung jedweder Art tragen kann.” Namentlich erwähnt werden wollte der Chiropraktiker allerdings lieber nicht in dem Fox-Bericht. Gilles fügte zur Bekräftigung an: “Das sind richtige Ärzte.”

“Ich verdiene eine Entschuldigung”

Über ihren eigenen Facebook-Post, der die Geschichte angestoßen hatte, spüre sie keine Reue. Im Gegenteil, sie habe nun ihre eigene GoFundMe-Kampagne gestartet, um die Rechtskosten zu decken, damit sie das Geld einklagen könne. “Ich finde, ich verdiene eine Entschuldigung,” sagte sie in dem Interview. “Ich wurde diskriminiert, ich bin diejenige, die krank ist.”

Corona-Regeln: Bin ich die einzige, die noch Maske trägt?

Die Geschichte von den großzügigen Online-Trinkgeldern für den Barista hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Die Crowdfunding-Kampagne hatte Matt Cowan gestartet. Mit so viel Unterstützung hatte er allerdings selbst nicht gerechnet. Das Ziel hatte er zunächst bei 1000 US-Dollar gesetzt, sagte Cowan dem Lokalsender KGTV. “Ich wäre schon glücklich gewesen, wenn wir 250 Dollar erreicht hätten.” Aber hier kämen nun Leute zusammen, um jemanden zu unterstützen, der einfach tut, was er tun sollte und versucht, alle anderen zu schützen, erklärte Cowan die überwältigende Unterstützung. “Es zeigt einfach, dass es viele gute Menschen da draußen gibt, die gegen das Schlechte überwiegen.”

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