Das steckt hinter Vettels Stichelei gegen Verstappen

Stefan Schnürle

Für seine entscheidende Message an Pole-Setter Max Verstappen nach dem Qualifying in Brasilien drehte sich Sebastian Vettel extra nach links.

Der Ferrari-Pilot wollte Verstappen direkt ins Gesicht schauen, als er seine Erklärung über die "überraschende Stärke von Red Bull auf der Geraden" mit einem "ein bisschen verdächtig" beendete.

Für einen Moment war der Niederländer sprachlos, zuckte mit den Schultern und blickte nach unten. Der ebenfalls anwesende Lewis Hamilton nutzte die Gunst der Stunde, hob den Arm und fügte ein "sehr" (verdächtig, Anm. d. Red.) an.


Verstappen teilt gegen Ferrari aus

Verstappen hatte sich diese wohl nur halb aus Spaß getätigten Vorwürfe selbst eingebrockt. Dieser hatte sich öffentlich gewundert, warum der Power-Vorsprung von Ferrari in Austin plötzlich weg war, nachdem die FIA nach Anfrage von Red Bull eine technische Richtlinie veröffentlicht hatte.

Die einzig logische Erklärung lautete für ihn, dass die Scuderia jetzt nicht mehr tricksen konnte. "Das passiert halt, wenn du aufhörst zu betrügen", sagte er dem niederländischen Fernsehsender Ziggo Sport.

Eine Aussage, die sowohl Ferrari-Teamchef Mattia Binotto als auch Vettel auf die Palme brachten. "Ich glaube nicht, dass gewisse Aussagen gut sind für den Sport", sagte Binotto vielsagend, während der viermalige Weltmeister sogar noch weiter ging: "Die Äußerungen waren sehr unreif."

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Nach dem Qualifying sah Vettel auf der Pressekonferenz schließlich die Stunde gekommen, um es Verstappen heimzuzahlen. Doch war es wirklich nur eine Retourkutsche für den unliebsamen Verstappen oder steckte mehr dahinter?

Vettel sieht sich Red Bull genau an

Sebastian Vettel sah sich nach der Zeitenjagd zumindest auffallend genau den Red Bull an, was er sonst meist mit dem Silberpfeil macht. Auch in Interviews ging Vettel nur zu gerne auf die Fragen zur neuen Power von Red Bull ein.

"Ich war überrascht über die Geschwindigkeit, die Honda auf der Geraden hatte. Keine Ahnung, wo die herkam. Es ist schon lustig. Wir waren die ganze Saison über schnell. Sie waren es nicht - und nun sind sie es", sagte Vettel verwundert.


Und obwohl ein Journalist bereits dazwischenredete, wollte der Ferrari-Pilot noch folgende Worte loswerden: "Vielleicht müssen die sich mal erklären."

Verstappen so schnell wie Vettel

Verstappens erste Erklärung auf der Pressekonferenz lautete, dass es nicht so ungewöhnlich war und er im motorlastigen ersten Sektor gar nicht der Schnellste war. (SERVICE: Fahrerwertung)

Tatsächlich hatte Leclerc in diesem mit frischem Motor in Sachen Topspeed die Nase vorn - doch Verstappen war mit 328 km/h genauso schnell wie Vettel und im zweiten Sektor sogar schneller.

Dies wäre vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen, da Honda eher mit Renault als mit Ferrari oder Mercedes bei den Topspeed-Werten konkurrierte.


Auch Hamilton wundert sich

Umso erstaunter zeigte sich die Konkurrenz über die erste Pole mit einem Honda-Motor in Interlagos seit 1991. "Sie sind zwar die Schnellsten im Mittelsektor, haben also immer noch gleich viel Abtrieb, aber dennoch mehr Power", sagte Hamilton.

Die Aussagen von Verstappen am Rande des Austin-GP dürfte auf alle Fälle dafür gesorgt haben, dass Red Bull speziell von Ferrari und Vettel kritischer denn je beäugt werden und der kleinste Verdacht bei der FIA hinterfragt wird.

Das Duell zwischen Verstappen und Vettel sowie Red Bull und Ferrari wird also ziemlich sicher auch in Zukunft weitergehen.