Steigende Corona-Zahlen in Österreich: Neuer Bundeskanzler erwägt Ausgangssperre für Ungeimpfte

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Österreichs Bundeskanzler Alexander Schallenberg.
Österreichs Bundeskanzler Alexander Schallenberg.

In Österreich hat die Regierung in puncto Impfen einen Kurswechsel vollzogen. Bundeskanzler Alexander Schallenberg setzt offenbar nicht länger darauf, ungeimpfte Menschen diplomatisch davon zu überzeugen, sich eine Impfung geben zu lassen – stattdessen baut er eine Drohkulisse auf. Wenn sich die Lage auf den Intensivstationen des Landes dramatisch verschärfe, müssten Ungeimpfte in Zukunft mit Ausgangsbeschränkungen rechnen. Das sagte Schallenberg am Freitagabend, 22. Oktober, nachdem er mit dem Ministerpräsidenten getagt hatte.

„Wir sind drauf und dran, in eine Pandemie der ungeschützten Ungeimpften hineinzustolpern“, sagte der Regierungschef. Einen Lockdown für Geimpfte oder Genesene schloss Schallenberg aus. Er hoffe auf eine Signalwirkung dieser Pläne. Es gebe noch zu viele „Zögerer und Zauderer“, sagte Schallenberg und nahm damit Bezug auf Impfskeptiker.

„Wir schauen damit sehr weit in die Zukunft“

Noch ist die Lage auf den Intensivstationen Österreichs trotz des jüngsten deutlichen Anstiegs bei der Zahl der Neuinfektionen weitgehend stabil. Aktuell sind rund 220 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt. Sollte diese Zahl auf 600 steigen, dann wäre die fünfte und letzte Stufe des Stufenplans mit den massiven Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte erreicht. „Wir sind derzeit bei Stufe eins, wir schauen damit sehr weit in die Zukunft“, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein.

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Österreich derzeit (Stand 23. Oktober) bei knapp 230 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche. In Deutschland beträgt jene Inzidenz aktuell etwa 100. Die Quote der vollständig geimpften Menschen liegt bei 62 Prozent – und damit leicht unter dem deutschen Wert.

FPÖ schürt Impfskepsis

Jüngst hatte die Regierung beschlossen, dass viele Beschäftigte vom 1. November an am Arbeitsplatz nachweisen müssen, ob sie geimpft, regelmäßig getestet oder von Covid-19 genesen sind. Im neuen Stufenplan ist nun vorgesehen, dass ab einer Belegung von 400 Intensivbetten nur noch PCR-Tests als Nachweise gelten.

Die im Frühsommer noch große Dynamik bei den Impfungen hatte sich in den letzten Wochen extrem abgeschwächt. An einzelnen Tagen wurden nur noch ein paar Tausend Dosen an Corona-Impfstoffen gespritzt. Die rechte Partei FPÖ schürt die Impfskepsis erheblich. Bei der jüngsten Landtagswahl in Oberösterreich erreichte die neu angetretene Impfkritikerpartei MFG (Menschen, Freiheit, Grundrechte) auf Anhieb sechs Prozent und zog in den Landtag ein.

dpa/ jb

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