Steinmeier bittet 50 Jahre nach Olympia-Attentat von München um Vergebung

In einer historischen Rede hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 50 Jahre nach dem Olympia-Attentat von München die Angehörigen der getöteten israelischen Sportler um Entschuldigung gebeten. Er bitte als deutsches Staatsoberhaupt um Vergebung, sagte Steinmeier am Montag bei einer Gedenkveranstaltung am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) baten um Entschuldigung für Fehler in ihren heutigen Verantwortungsbereichen.

Bei dem Attentat während der Olympischen Spiele waren 1972 elf israelische Sportler getötet worden. Eine Vielzahl an Versäumnissen der deutschen Organisatoren der Spiele beim Schutz der Sportler und die Fehler der deutschen Polizei beim Versuch der Befreiung der Geiseln gilt als Ursache, weshalb das Olympia-Attentat so viele Tote forderte. Neben den elf Sportlern starb auch ein bayerischer Polizist.

Steinmeier wandte sich in seiner Rede direkt an die Angehörigen der Getöteten, die als Gäste zu dem Gedenken nach Bayern gekommen waren. Der Bundespräsident sagte: "Ich bitte Sie als Staatsoberhaupt dieses Landes und im Namen der Bundesrepublik Deutschland um Vergebung für den mangelnden Schutz der israelischen Athleten damals bei den Olympischen Spielen in München und für die mangelnde Aufklärung danach - dafür, dass geschehen konnte, was geschehen ist."

An dem öffentlichen Gedenken nahm neben Angehörigen der getöteten Sportler auch Israels Präsident Isaac Herzog teil. Herzog dankte Steinmeier "aus ganzem Herzen" für seine "mutige, historische Rede". Dabei hob er auch die Rolle Steinmeiers bei den erst in der vergangenen Woche erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen über Entschädigungszahlungen hervor. Die Familien erhalten 28 Millionen Euro, außerdem werden weitere Schritte zur Aufarbeitung des Attentats unternommen.

Der israelische Präsident forderte, die Erinnerung an das Olympia-Attentat dauerhaft zu bewahren. "Die Welt darf nicht vergessen, was bei den Olympischen Spielen in München geschah." Die Welt dürfe auch nicht vergessen, dass der Kampf gegen den Terror gemeinsam geführt werden müsse.

Ankie Spitzer, die Sprecherin der Opferfamilien, sagte, nach 50 Jahren hätten die Angehörigen mit der Vereinbarung mit der Bundesregierung ihr Ziel erreicht. Ihr Mann könne nun in Frieden ruhen. Allerdings werde sie nun auch immer wieder gefragt, ob sie jetzt persönlich einen Abschluss finden könne. Dies könne sie aber nicht. "Das Loch in meinem Herzen wird nicht heilen."

Neben Steinmeier richteten auch Bayerns Ministerpräsident Söder und Münchens Oberbürgermeister Reiter Worte der Entschuldigung an die Angehörigen. Söder sagte: "Ich entschuldige mich ausdrücklich im Namen des Freistaats Bayern für die Fehler und die Versäumnisse, die damals gemacht wurden." Auch Reiter entschuldigte sich für Versagen auf der kommunalen Ebene in München.

Der Umgang der deutschen Seite mit dem Olympia-Attentat in den Jahren und Jahrzehnten war von den Angehörigen immer wieder scharf kritisiert worden. Sie bemängelten neben einer ausgebliebenen Entschädigungslösung auch eine ausgebliebene Entschuldigung.

Ein palästinensisches Kommando war am 5. September 1972 in das Münchner Olympiagelände eingedrungen und hatte Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln genommen, zu der eskalierten Befreiungsaktion kam es Stunden später am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Steinmeier sagte, die Tatverantwortung für das Attentat liege bei den palästinensischen Tätern und deren libyschen Helfern. "Es ist sehr bitter, dass von heutigen politischen Vertretern dieser Länder kein Wort der Anteilnahme, kein Wort des Bedauerns kommt."

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, dankte insbesondere den Vertretern der deutschen Politik, dass nun der Streit um die Aufarbeitung des Attentats beendet sei. "Sie haben ohne jede Einflussmöglichkeit auf die Ereignisse von damals heute Verantwortung übernommen - für die Heilung der alten Wunden."

Knobloch regte an, neben der Gedenkstätte im Münchner Olympiapark auch am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck einen dauerhaften Gedenkort zu schaffen. Außerdem formulierte sie den Wunsch, dass nach den Olympischen Spielen in München das Sportereignis wieder nach Deutschland zurückkehrt. "Ich wünsche mir das, am liebsten in München", sagte Knobloch.

ran/cfm