Steinmeier: Deutschland trägt Mitverantwortung für Tragödie in Afghanistan

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußert sich im Schloss Bellevue bei einer Veranstaltung zur Erinnerung an die Ermordung von Matthias Erzberger vor 100 Jahren zur Situation in Afghanistan (Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußert sich im Schloss Bellevue bei einer Veranstaltung zur Erinnerung an die Ermordung von Matthias Erzberger vor 100 Jahren zur Situation in Afghanistan (Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Deutschland Mitverantwortung für die dramatische Lage in Afghanistan unterstrichen. "Wir erleben in diesen Tagen eine menschliche Tragödie, für die wir Mitverantwortung tragen, und eine politische Zäsur, die uns erschüttert und die Welt verändern wird", sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin. "Die Bilder der Verzweiflung am Flughafen Kabul sind beschämend für den politischen Westen."

Am Flughafen der afghanischen Hauptstadt halten sich zahlreiche Menschen auf, die aus Angst vor den seit dem Wochenende herrschenden radikalislamischen Taliban dringend das Land verlassen wollen. Immer wieder gibt es Bilder von Menschen, die sich an Fluggastbrücken oder sogar an die Militärmaschinen klammern in der Hoffnung, irgendwie mitfliegen zu können.

"Die dramatischen Bilder aus Kabul und die Ereignisse in Afghanistan lassen niemanden unberührt", sagte Steinmeier. "Ich bin mir sicher: Bürgerinnen und Bürger im ganzen Land denken in diesen Stunden an Afghanistan und an das afghanische Volk."

Besonders bedrückend seien die Nachrichten aus Afghanistan für alle, "die sich in den vergangenen 20 Jahren für ein besseres Leben der Menschen dort engagiert und dafür vielfach die eigene Gesundheit, ja das eigene Leben eingesetzt haben", nämlich die deutschen Soldatinnen und Soldaten, die dort im Einsatz waren, und ebenso auch für die Angehörigen der Gefallenen.

Menschen retten - dann Grundsatzdebatte

Deutschland müsse nun "alles daran setzen, unsere Landsleute und alle Afghaninnen und Afghanen, die ihnen jahrelang zur Seite standen, in Sicherheit zu bringen", forderte Steinmeier. Darüber hinaus müsse gemeinsam mit Deutschlands Verbündeten nach Möglichkeiten gesucht werden, denen zu helfen, "die in Afghanistan jetzt von Gewalt oder Tod bedroht sind, darunter viele mutige Frauen".

Der Bundespräsident sprach sich auch für eine grundlegende Diskussion über Deutschlands internationale Politik aus. "Das Scheitern unserer jahrelangen Anstrengungen, in Afghanistan ein stabiles, tragfähiges Gemeinwesen aufzubauen, wirft grundlegende Fragen für Vergangenheit und Zukunft unseres außenpolitischen und militärischen Engagements auf - bittere Fragen, die wir nicht in erster Linie schnell, sondern ehrlich und gründlich beantworten müssen."

Steinmeier lenkte den Blick außerdem auf die zahlreichen Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten, die derzeit im Rahmen der Evakuierungsaktion aus Afghanistan im Einsatz sind. Er hoffe, dass "alle diese tapferen Frauen und Männer" sicher nach Deutschland zurückkehren.

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