Steinmeier schlägt EU-Ebola-Mission für Westafrika vor

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat eine bessere internationale Zusammenarbeit bei der Eindämmung der Ebola-Epidemie angemahnt. "Wenn wir nicht handeln, werden die Folgen - auch für uns in Deutschland - unkalkulierbar", sagte Steinmeier am Abend bei der Eröffnung des Weltgesundheitsgipfels in Berlin. Er regte eine zivile EU-Mission für Westafrika an. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kündigte die Anschaffung eines Spezialflugzeugs für den Transport von Ebola-Patienten an.

"Im gemeinsamen Kampf gegen das unsichtbare Virus kann kein Land alleine erfolgreich sein, hier muss ein internationales Bündnis zusammenstehen", sagte der Außenminister. Auch die EU müsse "schneller und schlagkräftiger" werden. Steinmeier will am Montag bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen das gemeinsame Vorgehen im Kampf gegen Ebola abstimmen.

Die EU müsse ihre Kräfte bündeln, forderte Steinmeier. "Wir sollten daher mindestens erwägen, auch eine eigene zivile EU-Mission zu entsenden. Dies würde auch Mitgliedstaaten ohne eigene nationale Strukturen vor Ort in Westafrika eine Plattform bieten, medizinisches Personal zu entsenden."

Auch an der Ausbildung freiwilliger Helfer könnten sich mehrere EU-Staaten gemeinsam beteiligten, sagte Steinmeier. Außerdem könne die EU einen "Pool für medizinische und logistische Experten aufbauen", um diese bei akuten Krisen schnell und zielsicher aktivieren zu können.

Die internationale Gemeinschaft habe "die Dynamik der Epidemie unterschätzt" und sei daher nicht ausreichend vorbereitet" gewesen. "Unter der Last der Epidemie drohen die ohnehin schwachen öffentlichen Gesundheitssysteme dieser Staaten zu zerfallen." Neben dieser humanitären Katastrophe drohe auch eine politische und soziale Krise. Solche gefährlichen Entwicklungen in Krisenregionen könnten schlimmstenfalls auch zum Krieg führen, warnte Steinmeier.

Die derzeitige Ebola-Epidemie stelle "eine Bedrohung ungeahnten Ausmaßes gerade für die drei hauptbetroffenen Länder Westafrikas dar", sagte Bundesgesundheitsminister Gröhe. "Wir sind mitten in einer humanitären Katastrophe in Guinea, Sierra Leone und Liberia."

Der Minister dankte den zahlreichen Freiwilligen, die sich für einen Einsatz in den Ebola-Gebieten gemeldet hätten: "Das zivilgesellschaftliche Engagement ist beeindruckend." Die Helfer müssten im Falle einer Erkrankung aber auch bestmöglich versorgt und notfalls nach Deutschland ausgeflogen werden. Daher beschaffe die Bundesregierung derzeit ein speziell ausgerüstetes Flugzeug, "um symptomatische Ebola-Patienten nach Hause zu transportieren".

Gröhe bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Bislang verfügen nur die USA über zwei Maschinen für den Transport schwer erkrankter Ebola-Patienten. Andere europäische Staaten oder die EU als ganzes sollten ebenfalls über die Anschaffung eines solchen Flugzeugs nachdenken, sagte Gröhe.

Beim World Health Summit in Berlin diskutieren bis zum Mittwoch mehr als tausend Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft über aktuelle Entwicklungen in der Medizin und im Gesundheitswesen. Die Ebola-Epidemie ist in diesem Jahr ein Schwerpunktthema der Konferenz. Für Montag ist ein Sonder-Symposium zur Strategie der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen die Epidemie geplant, an dem auch der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, teilnimmt.

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