Steinmeier kommt nach NRW - Merkel sichert Hilfe zu

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will sich heute ein Bild von der Lage in NRW machen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will sich heute ein Bild von der Lage in NRW machen.

Bundespräsident Steinmeier macht sich im schwer getroffenen Erftstadt ein Bild der Lage. Die Kanzlerin wird am Sonntag in der Katastrophenregion in Rheinland-Pfalz erwartet.

(dpa) - Trost vom Staatsoberhaupt, Hilfszusagen von der Kanzlerin: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht heute den von der Flutkatastrophe besonders hart getroffenen Rhein-Erft-Kreis. Angela Merkel plant nach Angaben der Staatskanzlei in Mainz am Sonntag einen Besuch in der schwer verwüsteten Region in Rheinland-Pfalz.

Bei einer Videokonferenz mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte die Kanzlerin kurz- und langfristige Unterstützung durch den Bund für die betroffenen Menschen zugesichert.

Nach Angaben des Bundespräsidialamtes ist Steinmeier am Mittag zusammen mit Laschet in Erftstadt, wo in den vergangenen Tagen zahlreiche Häuser und Autos weggespült worden waren. Er will sich in der Feuerwehrleitzentrale ein Bild von der aktuellen Lage machen und mit Rettungskräften sprechen.

Aufräumarbeiten: Lage unübersichtlich

Unterdessen gehen die Aufräumungs- und Rettungsarbeiten in den Katastrophengebieten weiter. Offen ist, ob es in Erftstadt Todesopfer zu beklagen gibt. «Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht», sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU). Bislang gibt es nach Angaben des NRW-Innenministeriums landesweit mindestens 43 Todesopfer und viele Verletzte. «Die Lage ist sehr unübersichtlich», sagte Reul.

Auch in Rheinland-Pfalz gehen die Such- und Rettungsarbeiten weiter. Noch immer sind Tausende Rettungskräfte in der Eifel, wo in der Nacht zum Donnerstag die Wassermassen ganze Orte verwüstet hatten. Auch mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden noch Menschen vermisst.

Laut Frühwarnprognose des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz verringerte sich die Hochwassergefahr zuletzt. Nur für das Einzugsgebiet des Flusses Ahr und der Zuflüsse der Unteren Sauer bestanden noch Warnungen. Die Pegelständen sanken, zum Beispiel bei dem hart von Unwetter getroffenen Kordel im Landkreis Trier-Saarburg.

Laschet: «Flut-Katastrophe von historischem Ausmaß»

Durch das Abfließen der Wassermassen werden die von den Fluten angerichteten Schäden an Ahr und Mosel sichtbar. Auch die Infrastruktur hat schweren Schaden genommen: In dem besonders stark betroffenen Landkreis Ahrweiler sind Straßen gesperrt und Brücken zerstört, der Zugverkehr ist in Rheinland-Pfalz wegen der Überflutungen weiterhin massiv beeinträchtigt.

Nach jüngsten Angaben starben in beiden Bundesländern mehr als 130 Menschen infolge des Hochwassers - Behörden befürchten, dass diese Zahl weiter steigen wird. NRW-Ministerpräsident Laschet sprach von einer «Flut-Katastrophe von historischem Ausmaß». Seine Amtskollegin aus Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), nannte die Lage «weiterhin extrem angespannt in unserem Bundesland». Sie fügte in Trier hinzu: «Das Leid nimmt auch gar kein Ende.»

Baerbock reist in betroffene Gebiete - ohne Presse

Auch Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist nach dem Abbruch ihres Urlaubs in die Krisengebiete gereist. Wie eine Sprecherin mitteilte, will sich die Parteichefin vor Ort über die Lage der Menschen informieren. Dabei verzichte sie bewusst auf Pressebegleitung oder öffentliche Auftritte. 

Den Angaben zufolge traf Baerbock bereits am Freitag in Mainz ein. Auf Twitter schrieb sie dazu: «Die Gespräche gehen unter die Haut. Nach wie vor sind nicht alle Orte erreicht, Menschen weiter abgeschnitten. Zugleich gibt es eine unglaubliche Solidarität zu helfen, Betroffene zu Hause aufzunehmen und zu unterstützen.» Für Samstag sind weitere Termine Baerbocks in Nordrhein-Westfalen angesetzt.

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Vorschläge für Hochwasser- und Klimaschutz

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung»: «Wir wissen, dass solche Extremwetterereignisse zunehmen werden. Daher brauchen wir entsprechende Anstrengungen beim Klimaschutz - in Deutschland, aber auch weltweit.» Die Akteure in Bund, Land, Städten und Kreisen sowie Hilfsorganisationen seien «leistungsfähig, aber für bundesweite Krisenszenarien brauchen wir einen verlässlichen Rahmen». Es dürfe nicht so weit kommen, dass das Leben an Flüssen und Küsten in Deutschland nicht mehr möglich sei.

Nach den Worten von Grünen-Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter muss Deutschland seine Maßnahmen für den Klimaschutz verbessern. Er sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Studien zeigen, dass Ereignisse wie die verheerenden Hitzewellen in Nordamerika oder die Flutkatastrophe in Deutschland durch die Klimakrise wahrscheinlicher und heftiger werden. Wir müssen in allen Bereichen beim Klimaschutz draufsatteln.» Das EU-Klimapaket sei ein guter Startpunkt.

VIDEO: Steinmeier: Kampf gegen Klimawandel kann Extremwetter verhindern

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