Steinmeier und Macron diskutieren in Berlin mit Jugendlichen über den Frieden

Frank-Walter Steinmeier und Emmanuel Macron

Zum Auftakt seines Besuchs in Berlin hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Jugendlichen aus aller Welt über den Frieden diskutiert. Es gehe darum, "über unsere gemeinsame Geschichte" und Kultur nachzudenken und daran zu arbeiten, sagte Macron am Sonntag bei der Abschlussveranstaltung der internationalen Jugendbegegnung "Youth for Peace - 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg, 100 Ideen für den Frieden".

Denn die Jugend könne nicht die Zukunft aufbauen, "wenn sie nicht weiß, woher sie kommt", fügte Macron hinzu. Er lobte die Ideen, die den beiden Staatsoberhäuptern beispielhaft als Ergebnisse der viertägigen Begegnung präsentiert wurden, als "sehr konkret". Bei einem Vorschlag geht es darum, eine "Friedenslinie" quer durch Europa entlang der wichtigsten Mahnmale und Erinnerungsorte der beiden Weltkriege zu ziehen. Er könne sich vorstellen, gemeinsam mit Steinmeier die Jugendlichen an einigen dieser Orte zu treffen, schlug Macron vor.

Steinmeier äußerte seinen "großen Wunsch", dass "wir den Frieden in Europa dauerhaft sichern". Der Bundespräsident fügte bedauernd hinzu, es sei "schonmal einfacher gewesen", gemeinsam aus der Geschichte zu lernen. Gerade deswegen appellierte er an die anwesenden Jugendlichen, an ihren Forderungen festzuhalten, auch wenn deren Verwirklichung "in Zeiten, in denen nationalistische Strömungen zunehmen", leider schwieriger geworden sei. "Wir vertrauen auf Euch", dass die Krisen Europas, von denen wir heute reden, nicht die gesamte europäische Zukunft bestimmen", gab er den "Botschaftern des Friedens" mit.

Eingangs hatte Steinmeier zur Begrüßung gesagt, es berühre ihn, "dass heute so viele junge Menschen hier sind", um das Versprechen zu erneuern: "Nie wieder Krieg". Das "Friedenswerk Europa" brauche täglichen Einsatz und neue, frische Ideen, mahnte Steinmeier. Europa sei in vielen Konfliktgebieten der Welt ein "einmaliges Beispiel für Frieden und Wohlstand". "Von diesem Europa wird zurecht erwartet, dass es mit einer Stimme die Politik des Friedens unterstützt."

Insgesamt 500 junge Menschen aus 48 Ländern hatten seit Mittwoch in Workshops über ihre Vorstellungen debattiert. Organisiert wurde die internationale Jugendbegegnung vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und Partnerorganisationen.

Anschließend fuhren Macron und Steinmeier zur Neuen Wache, der zentralen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Dort legten sie gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Daniel Günther (beide CDU), Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Vosskuhle, Kränze nieder.

Danach wollte Macron als erster französischer Staatschef seit gut 18 Jahren im Bundestag sprechen. In seiner Rede wollte er nach Angaben des Elysée-Palastes die deutsch-französische Aussöhnung würdigen und aktuelle Themen wie den Brexit und seine Pläne für eine EU-Reform ansprechen. Im Anschluss wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Macron empfangen, geplant war ein gemeinsames Pressestatement.