Steinmeier sieht Aufarbeitung von DDR-Unrecht als Aufgabe für Generationen

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Roland Jahn

Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Aufarbeitung der DDR-Diktatur auch mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung nichts von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung verloren. "Geschichte ist nie einfach vergangen - sie wirkt fort, sie prägt Menschen über Generationen hinweg", sagte Steinmeier Dienstag in Berlin laut Redetext bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den letzten Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn.

"Gerade in einer Zeit, in der die liberalen Demokratien, in der auch unsere Demokratie stärker angefochten werden, in der das Autoritäre neue Verführungskraft entfaltet, in einer solchen Zeit ist es umso wichtiger, Lehren aus den beiden deutschen Diktaturen zu ziehen", fügte der Präsident an. Das Wissen um die Geschehnisse sei "oft schmerzhaft". Aber dieses Wissen sei wichtig, "um wachsam zu bleiben" und die Demokratie zu schützen.

Die sogenannte Stasi-Unterlagenbehörde hatte im Juni ihre Arbeit offiziell beendet. Alle Dokumente des früheren DDR-Geheimdiensts wurden an das Bundesarchiv übergeben. Auch dort bleiben die Akten öffentlich zugänglich. Statt des Aktenbeauftragten gibt es nun einen Bundesbeauftragten für die Opfer der SED-Diktatur.

Jahn war der letzte Chef der Behörde, die nach der Wende 1990 gegründet worden war. Der Bürgerrechtler saß früher in der DDR selbst in Haft und wurde später zur Ausbürgerung gezwungen und in die Bundesrepublik abgeschoben. Dort war er als Journalist tätig. 2011 übernahm er die Leitung der Stasi-Unterlagenbehörde.

Steinmeier verwies bei der Verleihung auf die Rolle jüngerer Generationen bei der Aufarbeitung des Diktaturunrechts. "Neue Generationen stellen neue Fragen - das Interesse an der eigenen Familiengeschichte, an den Stasiakten von Familienmitgliedern ist in den vergangenen Jahren größer geworden, und das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte der Bundespräsident.

bro/cfm

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