"Lüstern und taumelnd": Kirche fordert stillende Mutter auf, sich "zu bedecken"

Einer Mutter wurde es untersagt, in der Kirche zu stillen. (Symbolbild: Getty Images)

Der Anblick ihrer Brüste mache Männer “lüstern und taumelnd” – aus diesem Grund wurde es einer jungen Mutter untersagt, in einer Kirche zu stillen. Mittlerweile haben sich die Verantwortlichen entschuldigt.

Über eine Facebook-Nachricht wurde die dreifache Mutter Amy Marchant (29) von einem Mitglied der Naz Church in Brighton dazu aufgefordert, künftig diskreter zu sein. Der Grund: Die junge Mutter war dabei beobachtet worden, wie sie ihr einjähriges Kind stillte, als sie in der Kirche auf ihre vierjährigen Zwillinge wartete, die gerade die Sonntagsschule besuchten. Über den Vorfall wurde in der Zeitung “Livingston Daily“ berichtet.

“Die Absenderin schrieb, einige Leute würden sich unwohl fühlen, weil ich stille und sie gab mir drei Möglichkeiten: Ich solle mich bedecken oder in einen der privaten Räume in der Kirche stillen”, erzählt Marchant, Therapeutin für psychische Gesundheit, Yahoo Lifestyle. “Ich war schockiert, denn wir waren seit zwei Jahren Gast in dieser Kirche und ich hatte in der Vergangenheit ohne Probleme stillen können.“

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Marchant nahm als Reaktion ein Facebook Live-Video auf, in dem sie über ihre Erfahrung sprach und schrieb: “So werden Frauen zum Schweigen gebracht.“ In dem Video erklärt sie unter Tränen: “Ich sehe wegen dieser Diskriminierung ständig Frauen, die schweigen und nicht mehr stillen…Ich habe mich entschieden, mich diesem Problem anzunehmen und jede Frau, die in Zukunft durch diese Kirchentüren tritt, zu unterstützen, damit sie so etwas nie durchmachen muss.“

Zwei Wochen später traf Marchant sich mit dem Pfarrer, um die Angelegenheit zu besprechen und ihre Rechte laut der geltenden Gesetze von Michigan klarzustellen – diese erlauben, dass Frauen ohne Strafe öffentlich stillen dürfen. Marchant erzählte Yahoo Lifestyle jedoch, dass der Pfarrer „streitlustig“ war, „besonders, was die Still-Gesetze betrifft und darauf bestand, dass ihr Vorgehen „Männer lüstern und taumelnd“ machen könne.

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Pfarrer Ben Walls, der nicht auf Yahoo Lifestyles Bitte um ein Kommentar reagierte, erzählte „Livingston Daily“: „Wir haben nichts gegen Stillen und befürworten es. Wir verstehen, dass sie sehr verletzt war. Die Demütigung und der Schmerz, der dadurch verursacht wurde, dass sie gebeten wurde, sich zu bedecken oder einen dieser Räume zu nutzen, tut uns sehr leid. Wir entschuldigen uns, das war nicht die Absicht.“

„Wir haben nichts gegen das Stillen in der Kirche“, fügte er hinzu. „Das war nicht das Problem. Aber beide Brüste waren komplett entblößt. Aus ihrer Sicht ist es natürlich, das wissen wir, aber wir hatten das Gefühl, dass dies für die Jungs und Männer unangemessen war. Schmerz, Demütigung und Schande waren nicht beabsichtigt.“

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Marchant bestreitet, dass ihre Brüste vollständig entblößt waren. „Wie auch immer, ich habe mich entschieden, in dieser Angelegenheit zu kämpfen, denn es sollte keine Rolle spielen, ob die Brüste einer Mutter entblößt sind, während sie ihr Kind stillt“, erklärt sie Yahoo Lifestyle. Im Juli traf die Mutter Walls ein zweites Mal, dieses Mal mit ihrem Anwalt Bill Amadeo und Barbara Robertson vom Breastfeeding Center in Ann Arbot, in der Hoffnung, eine öffentliche Entschuldigung zu erhalten und ein Zugeständnis der Kirche, die Kirchengemeinde über die Rechte stillender Mütter besser zu unterrichten.

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Marchant sagt jedoch, dass dieses Treffen ebenso unproduktiv war. Sie hat die Naz Church verlassen, ist aber zuversichtlich, dass ihre Erfahrung anderen helfen wird, die ähnliche Diskriminierung erleben. „Ich möchte Mütter wissen lassen, dass Veränderungen möglich sind“, sagt sie Yahoo Lifestyle. „Frauen versuchen einfach nur, ihre Kinder zu füttern.“

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