Stiller Feiertag: Was an Karfreitag in Köln erlaubt ist und was nicht

52 Prozent der Deutschen stimmen für ein Tanz-Verbot.

Beibehalten oder abschaffen? Das Meinungsforschungsinstitut You-Gov hat in einer Umfrage unter 1037 Personen herausgefunden, dass die knappe Mehrheit der Deutschen für eine Beibehaltung der derzeitigen Tanzverbotes an Karfreitag stimmt.

52 Prozent votierten für das Verbot, 36 Prozent waren dagegen. Besonders ältere Menschen und Katholiken plädierten für das Verbot von Konzerten und Partys am Karfreitag.

Tanzverbot ist nur ein Verbot von vielen

Das Tanzverbot ist nur eine der Regeln, die an Karfreitag – einer der wichtigsten Feiertage von Katholiken und Protestanten – gelten. Die Stadt weist darauf hin, dass an diesem Feiertag keine öffentlichen Veranstaltungen erlaubt sind.

Darunter fallen auch Märkte, Sportveranstaltungen, Zirkusvorführungen und Volksfeste sowie Unterhaltungsveranstaltungen wie Theater, Opern, Musicals und Ähnliches. Öffnen dürfen dagegen Museen, der Zoo und Einrichtungen, die der Erholung dienen – etwa Saunen oder Fitnessstudios.

Das umstrittene Tanzverbot gilt bereits ab dem heutigen Gründonnerstag ab 18 Uhr. Es gibt allerdings auch eine Grauzone – etwa für Konzerte –, wenn sich die Veranstaltungen den Themen Trauer, Totengedenken oder innerer Einkehr widmen.

Johannes-Passion darf aufgeführt werden

Unstrittig ist wohl, dass die Aufführung der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach in der Philharmonie diese Kriterien erfüllen dürfte. Zudem finden aber ein paar weitere Konzerte statt: Im Stadtgarten wird am Freitag mit einem Jazzkonzert Musik von Hayden Chisholm, Burnt Friedman, Markus Stockhausen und Florian Weber die neue Publikumstribüne eröffnet. „Wir werden das prüfen“, sagte Uwe Kaven vom Ordnungsamt. „Der Spielraum ist eng gesteckt.“

Kavens Behörde ist dafür zuständig, dass die Ruhe an Karfreitag eingehalten wird. Im Großen und Ganzen scheint das ganz gut zu klappen. In den letzten Jahren habe die Stadt keine gravierenden Verstöße registriert. Dennoch werde die Kommune einige Teams durch die Stadt schicken, die Händler und Clubs kontrollieren sollen. „Den Fokus legen wir etwa auf die Szene am Ring.“

Bußgeld droht

Auch am Rheinboulevard werde geprüft, ob es Belästigungen durch Lärm oder Shisha-rauchende Besucher gibt. Verstöße gegen Verbote an Karfreitag können mit Bußgeldern bis zu 1000 Euro geahndet werden, Gewerbeverstöße können noch teurer werden: Wer seinen Laden unerlaubterweise an Karfreitag aufsperrt, muss mit einer Strafe bis zu 5000 Euro rechnen.

Gerade das Tanzverbot gerät in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik: So macht sich der Deutsche Hotel- und Gaststätten-Verband (Dehoga) für eine Einschränkung stark. „Die Regeln sind antiquiert und entsprechen nicht den Bedürfnissen der Bürger, gerade in den Großstädten“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes, Stephan Büttner.

Freizeitverhalten hat sich geändert

Besonders das Freizeitverhalten junger Menschen habe sich in den letzten Jahren verändert. Daher fordere sein Verband eingeschränkte Verbotszeiten an Karfreitag von 6 bis 22 Uhr. Gerade in Clubs werde in der Regel niemand belästigt, der nicht an den Veranstaltungen teilnehme.

Eine generelle Aufhebung des Tanzverbotes an Karfreitag verlangt die humanistische Giordano-Bruno-Stiftung. In einer Gesellschaft, in der es zunehmend mehr konfessionslose Menschen gebe, würden mit den Verboten die Rechte der Bürger verletzt, betonte Sprecher Michael Schmidt-Salomon. Aus diesem Grund glaubt auch der Jurist Fabian Wittreck vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster, dass es künftig weniger Verbote an den stillen Feiertagen geben werde.

In diese Richtung weise zumindest ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das jüngst eine Tanzveranstaltung in München erlaubt habe. Wittreck rechnet mit mehr Ausnahmeregelungen, die der religiösen Vielfalt in der Gesellschaft Rechnung tragen. Letztlich würden stille Feiertage möglicherweise auf bestimmte Bereiche wie Gotteshäuser und Gebetszeiten reduziert.

Einkaufen

Supermärkte und Einzelhandelsgeschäfte müssen sonn- und feiertags geschlossen bleiben. Eine Ausnahme gilt in der Kölner Innenstadt an wenigen Sonntagen. Die verkaufsoffenen Sonntage müssen mit Anlässen wie Festen, Märkten oder ähnlichen Veranstaltungen verbunden werden.

Kioske, Blumenhändler oder Bäcker genießen Sonderrechte – und dürfen sonntags fünf Stunden lang öffnen. Weitere Ausnahmen gelten auch für den Flughafen Köln/Bonn und die zentralen Bahnhöfe in der Stadt. Hier dürfen die Geschäfte und Märkte Artikel des Reisebedarfs anbieten. In der Nähe des Doms dürfen außerdem – auf Antrag – Souvenirs verkauft werden.

Fleisch essen zwar viele Menschen in Deutschland an Karfreitag nicht, Fisch legen aber viele von ihnen gerne auf den Grill. Apropos Grillen. Das ist an Karfreitag natürlich erlaubt. (mbo)

Massagen

Ausgenommen von den Sonntagsarbeitsverboten sind alle Tätigkeiten, die zur Erholung in der Freizeit dienen, wie zum Beispiel der Betrieb von Fitness-Centern, Bräunungsstudios und Saunen. Bei Massageangeboten prüft die Stadtverwaltung genauer: Wellness-Massagen sind erlaubt, medizinische Angebote dagegen nicht. (mbo)

Lastwagen

Lastwagen haben sonn- und feiertags Pause. Die Straßenverkehrsordnung regelt, dass Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht auf deutschen Straßen von 0 bis 22 Uhr nicht fahren dürfen. Es gibt Ausnahmen: Lkw, die frische Lebensmittel wie Milch oder Fleisch transportieren, dürfen rollen, da sonst die Supermärkte nicht versorgt würden. (mbo)

Umzüge

Umzüge, die von Firmen durchgeführt werden, sind an Sonn- und Feiertagen verboten. Das erfährt spätestens, wer beim Ordnungsamt versucht, eine Absperrung für den Umzugswagen zu beantragen. Kleinere Arbeiten seien aber erlaubt, so Engelbert Rummel, Chef des Ordnungsamtes. Fraglich ist natürlich, ob man sich bei seinen neuen Nachbarn beliebt macht, wenn man am Ruhetag einzieht. (mbo)

Filmdreh

Eine Ausnahme bei ihrer strengen Regelung von Sonn- und Feiertagsarbeit macht die Stadt regelmäßig bei Filmproduktionen: „Da sind wir sehr großzügig mit unseren Sondergenehmigungen“, sagt Ordnungsamtsleiter Engelbert Rummel. Köln wolle eine internationale Filmstadt sein – und müsse diesen Arbeiten daher wohlwollend gegenüberstehen. (mbo)

Gartenarbeit

An Sonn- und Feiertagen sind alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten verboten, die die Ruhe stören. Bei erlaubten Arbeiten sollen unnötige Geräusche vermieden werden. Das gilt auch für Arbeiten im privaten Garten. Der Einsatz von Motorsägen und anderen lauten Geräten wird außerdem durch die Geräte- und Maschinenlärmschutz-Verordnung des Bundesimmissionsschutzgesetzes untersagt. (mbo)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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