Stiller Moment - und plötzlich kämpfen die VOX-"Löwen" mit den Tränen

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"Das ist so eine romantische Idee": Carsten Maschmeyer, der sich sonst gerne an Geschäftszahlen und Marktpotenzialen festbeißt, zeigt sich sichtlich bewegt in der Gründershow. Die Evertree-Urne gefällt ihm gut, einsteigen ins Unternehmen wollte er aber nicht. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)
"Das ist so eine romantische Idee": Carsten Maschmeyer, der sich sonst gerne an Geschäftszahlen und Marktpotenzialen festbeißt, zeigt sich sichtlich bewegt in der Gründershow. Die Evertree-Urne gefällt ihm gut, einsteigen ins Unternehmen wollte er aber nicht. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

"Löwen" mit Herz: Wer die Investoren der VOX-Gründerreihe bislang für kalt und berechnend gehalten hatte, musste sich nach der Folge vom Pfingstmontag eines Besseren belehren lassen: Zwei Geschwister, die selbst großen Schmerz erfahren hatten, sorgten für einen Moment der Demut in der Show.

Und dann wurde es ganz still in der Sendung. Dann nämlich, als Carsten Maschmeyer, der sonst so selbstsichere, oft auch polternd raue Risiko-Kapitalgeber, plötzlich ruhig wurde und mit leicht gebrochener Stimme die poetische Produkt-Aufschrift auf den stilvollen "Evertree"-Verpackungen vorlas. Von toter Asche, aus der neues Leben entsteht, war da die Rede. Und von einem Baum, der grünt - und nicht nur Schatten spendet, sondern auch für Hoffnung steht.

Im schön verpackten Karton verbarg sich dabei eines der ungewöhnlichsten Produkte, das jemals den Weg in die "Höhle der Löwen" gefunden hatte: eine vollkommen abbaubare Friedhofsurne aus Bio-Granulat. Und das Versprechen, das die beiden Geschwister Helena und Andreas Hohnke, zwei sehr unkonventionelle Startup-Unternehmer aus Düsseldorf, ihrem verstorbenen Vater mit auf den Weg gegeben hatten.

Grün ist die Hoffnung: Die Geschwister Helena und Andreas Hohnke aus Düsseldorf wollen mit ihrer biologisch abbaubaren "Evertree"-Urne das Bestattungswesen revolutionieren. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)
Grün ist die Hoffnung: Die Geschwister Helena und Andreas Hohnke aus Düsseldorf wollen mit ihrer biologisch abbaubaren "Evertree"-Urne das Bestattungswesen revolutionieren. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

Wenn aus Asche neue Hoffnung grünt

Hinter "Evertree" verbirgt sich der Wunsch zweier Kinder, die sich mit der Vorstellung von Endlichkeit nicht zufriedengeben wollten, nach etwas Bleibenden. Bei ihrer Urne soll aus der Asche eines verstorbenen Menschen (oder Tieres, auch das ein ernstes Thema für viele Trauernde) ein Baum wachsen und sie so in lebendiger Erinnerung halten. "Die Evertree-Urne spendet Trost und zwar in der schwersten Stunde eines Menschen", sagt Gründerin Helena Hohnke.

Und zugleich soll sie ein Zeichnen setzen. "Sie schützt aktiv das Klima, weil wir dadurch viele Bäume auf der ganzen Welt wachsen lassen wollen. Wir möchten aus Friedhöfen Wälder machen", sagt sie. Je nach Bodenbeschaffenheit löst sich die Evergreen-Urne im Boden nach rund sechs bis zwölf Monaten komplett auf. Zurück bleibt ein Trieb, der nach und nach zu einem stattlichen Baum anwachsen soll. Fünf entsprechende Baum-Samensorten haben die Gründer aktuell im Angebot.

Trendthema: Selbermachen! Jasper Kolb will mit seiner Digital-Vermittlung "The Makery", bei der man handwerkliche und kreative Workshops buchen kann, die Menschen vor allem in der Großstadt vernetzen. Er ging mit einem Georg-Kofler-Deal aus der Sendung, dem Kolb letzlich 21 Prozent am Unternehmen für 250.000 Euro verkaufte. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)
Trendthema: Selbermachen! Jasper Kolb will mit seiner Digital-Vermittlung "The Makery", bei der man handwerkliche und kreative Workshops buchen kann, die Menschen vor allem in der Großstadt vernetzen. Er ging mit einem Georg-Kofler-Deal aus der Sendung, dem Kolb letzlich 21 Prozent am Unternehmen für 250.000 Euro verkaufte. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

Sichtlich bewegte, stark gerührte Löwen

Kein Wunder, dass die "Löwen" auf ihren Sesseln dann plötzlich ganz still saßen und sich - zunächst jedenfalls - das übliche Nachbohren und Feilschen um Markt-Potenziale, Geschäftszahlen und Gewinn-Margen - verkniffen. "Es ist einer der bewegendsten Pitches, wenn nicht der bewegendste Pitch, den ich je hier bei der 'Höhle der Löwen' gesehen haben", sagte Carsten Maschmeyer - und sprach seinen Kollegen aus dem Herzen. Mit großer Rührung hatte etwa auch Dagmar Wöhrl zu kämpfen. Sie hatte selbst in ihrem Leben schon schwere Schicksalsschläge zu verkraften.

"Das ist so eine romantische Idee", lobte Maschmeyer die Gründer überschwänglich. "Das ist einmalig." Allerdings sprach er einen ganz wesentlichen Punkt dann doch an: "Sie brauchen keinen Venture Capitalist." Und eigentlich ist das Urnen-Geschäft zwar ein sehr nobles, groß gedachtes. Aber eben doch kein x-beliebiges Business. Und es gibt - wenn man sich denn nun unbedingt auf die übliche Geschäftslogik einlassen möchte - echte Hindernisse.

Tabuthema: Scheuerstellen auf der Haut. Denise Hahn kämpfte selbst wie eine Löwin, um einen Geldgeber für ihr noch sehr junges Kosmetik-Unternehmen "Summersaver" zu finden. Letztlich schlug Ralf Dümmel zu. Er kaufte 20 Prozent an der Firma - für 250.000 Euro. (Bild: TVNOW / Frank W. Hempel)
Tabuthema: Scheuerstellen auf der Haut. Denise Hahn kämpfte selbst wie eine Löwin, um einen Geldgeber für ihr noch sehr junges Kosmetik-Unternehmen "Summersaver" zu finden. Letztlich schlug Ralf Dümmel zu. Er kaufte 20 Prozent an der Firma - für 250.000 Euro. (Bild: TVNOW / Frank W. Hempel)

"Ich habe mich immer für den Tod interessiert"

Dagmar Wöhrl, die sich stark im Tierschutz engagiert, wollte letztlich doch nicht bei Evergreen einsteigen. Aber sie versprach den Unternehmern praktische Hilfe. Sie wolle ihre Kontakte im Kreis von Tier-Bestattern und Tier-Krematorien aktivieren. "Danke, dass Sie sich dieses Themas angenommen haben", sagte sie - sichtlich bewegt. "Ich werde zum Telefon greifen." Als Investorin wollte sie allerdings nicht handeln - so wie letztlich auch die anderen, innerlich erkennbar aufgewühlten und alle prinzipiell wohlwollend gestimmten "Löwen".

Bis auf einen mutigen Ausreißer: "Ich habe mich immer für den Tod interessiert", meinte plötzlich Familien-Unternehmer Nils Glagau. Er erzählte, wie stark ihn auf früheren Reisen beschäftigt hatte, dass etwa in Mexiko auf Friedhöfen Feste gefeiert werden. Eben genau deshalb, weil die Angehörigen den Kontakt zu den Verstorbenen nicht abreißen lassen wollten. Dass er den Geschwistern mit ihrem ehrbaren Anliegen zu einem ganz großen Geschäft verhelfen würde, wollte er dann auch gar nicht versprechen. Darum schien es diesmal auch gar nicht zu gehen.

Eine Mini-Geldbörse, die man wie ein Pflaster auf die nackte Haut kleben kann? Sachen gibt's! Das sogenannte "Bodywallet" soll es möglich machen. Doch die Entwicklung warf viele Fragen auf. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)
Eine Mini-Geldbörse, die man wie ein Pflaster auf die nackte Haut kleben kann? Sachen gibt's! Das sogenannte "Bodywallet" soll es möglich machen. Doch die Entwicklung warf viele Fragen auf. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

Schwarzer Humor löst die Stimmung

Und doch wollte sich Glagau verpflichten. Er ging auf die (behutsam formulierte) Forderung der Evertree-Erfinder ein und sicherte ihnen 75.000 Euro für 33 Prozent der Firmenanteile zu. "Ich würde gerne dabei sein", versicherte der Investor. Er wolle mit den Gründern "viele Bäume auf diesem Planeten pflanzen und wachsen sehen". Es war ein ganz besonderer Moment. Natürlich waren auch die Unternehmer gerührt. "Es ist eine große Freude und eine Ehre", sagte Andreas Hohnke und kämpfte wie zuvor schon seine Schwester mit den Tränen.

Wie fängt man Momente der großen Rührung, die echt sind, aber mit etwas bösem Willen auch als kitschig empfunden werden könnten, im Fernsehgeschäft wieder ein? Na klar: Mit einem Schluss-Gag! Und den hatte dann der frisch gebackene Urnen-Unternehmer Nils Glagau parat. Er stellte seinen "Löwen"-Kollegen schon mal frotzelnd Sonderkonditionen in Aussicht, falls sie privat vorausschauend selbst schon in eine eigene Urne investieren wollten. "Ihr seid ja so langsam in dem Alter", scherzte Glagau.

Vielleicht lag's auch an der aufreizenden lässigen, latent arroganten Art der Gründer: Aber für die "Bodywallet"-Pflaster wollten die "Löwen"-Investoren dann doch kein Geld ausgeben. Axel Kosuch (links) und Christian Schranz hätten eigentlich 100.000 Euro für zehn Prozent an ihrer Firma haben wollen. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)
Vielleicht lag's auch an der aufreizenden lässigen, latent arroganten Art der Gründer: Aber für die "Bodywallet"-Pflaster wollten die "Löwen"-Investoren dann doch kein Geld ausgeben. Axel Kosuch (links) und Christian Schranz hätten eigentlich 100.000 Euro für zehn Prozent an ihrer Firma haben wollen. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)