Stoffwechselerkrankung: Eine Krankheit mit tausend Gesichtern

Zu den bekanntesten Stoffwechselkrankheiten zählt Diabetes. (Bild: ddp)

Damit hatte niemand gerechnet: BVB-Superstar Mario Götze muss wegen einer Stoffwechselstörung auf unbestimmte Zeit pausieren. Doch was versteht man eigentlich unter einer Stoffwechselerkrankung und wie wird sie behandelt? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick!

Was ist eigentlich eine Stoffwechselerkrankung?

Heute sind mehr als 700 angeborene Stoffwechselerkrankungen bekannt. Das berichtet das „Zentrum für angeborene Stoffwechselerkrankungen“ des Universitätsklinikums Heidelberg. Was diese Erkrankungen eint, ist, dass sie ohne rechtzeitige Behandlung schwerwiegende Folgen wie Organschäden oder Störungen der körperlichen oder geistigen Entwicklung haben, die bis zum Tod führen können. Bei frühzeitiger Diagnosestellung seien viele Stoffwechselerkrankungen heute aber gut behandelbar. Viele Stoffwechselerkrankungen können aber auch erst im Erwachsenenalter ausbrechen oder durch Vergiftungen, Bakterien oder Viren ausgelöst werden.

Bei Stoffwechselstörungen sind entweder zu viele oder zu wenige so genannte Botenstoffe, beziehungsweise biochemische Substanzen, im Körper vorhanden. Dies führt zu einem Ungleichgewicht, was mehr oder weniger dramatische Folgen haben kann. Stoffwechselerkrankungen reichen von einer Fettverwertungsstörung über Harnsäureüberlastung, Belastung durch Mineralien oder Salze bis hin zu Zuckererkrankungen.

An welcher Stoffwechselerkrankung leidet Fußballspieler Mario Götze?

Über das genaue Krankheitsbild des BVB-Spielers Mario Götze gibt es kein offizielles Statement. Der Diplom-Sportwissenschaftler Ralf Ohrmann erklärte gegenüber „Bild“, dass die Symptome des 24-Jährigen auf verschiedene Stoffwechselerkrankungen hinweisen würden, eine allgemein metabolische Myopathie aber am wahrscheinlichsten sei.

Wie sein Klub mitteilte, leidet Mario Götze an einer Stoffwechselerkrankung. (Bild: ddp)

Der Myoadenylat-Desaminase-Mangel ist eine Stoffwechselstörung der Muskulatur, die zur verminderten Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit führt. Wie das „Friedrich-Baur-Institut“ an der neurologischen Klinik und Poliklinik München berichtet, zählen zu den Symptomen belastungsbedingte Muskelschwäche, Krämpfe, Muskelschwund und eine Erhöhung des Muskelenzyms Creatin-Kinase in sehr unterschiedlicher Ausprägung.

Therapie: Bewegungstherapie, gegebenenfalls ergänzt durch physiotherapeutische Maßnahmen, Einnahme des Zuckers D-Ribose

Schätzungsweise leiden in Deutschland bis zu sechs Millionen Menschen an Diabetes. (Bild: ddp)

Was sind die bekanntesten Stoffwechselerkrankungen?

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

In Deutschland leiden nach Angaben der „Deutschen Diabetes Hilfe“ sechs Millionen Menschen an Diabetes. Dabei wird zwischen Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 unterschieden.

Diabetes Typ 1

Die Stoffwechselkrankheit Diabetes Typ 1 tritt vor allem im Kindes- und Jugendalter auf und ist eine Autoimmunerkrankung. Die körpereigene Insulinproduktion wird vom eigenen Immunsystem angegriffen, dadurch entsteht ein so genannter absoluter Insulinmangel.

Therapie: lebenslange Insulin-Injektionen

Diabetes Typ 2

Diese Stoffwechselerkrankung tritt meist erst nach dem 40. Lebensjahr auf. Der Unterschied zu Diabetes Typ 1: Der Körper ist zwar weiterhin imstande, Insulin zu produzieren, die Körperzellen verlieren jedoch ihre Empfindlichkeit für das Hormon. Dadurch wird mehr und mehr Insulin ausgeschüttet, es gelangt aber immer weniger Zucker in die Körperzellen.

Therapie: Ernährungsumstellung, gegebenenfalls Tabletten oder im seltenen Fall Insulin-Injektionen

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Auch weit verbreitet sind Erkrankungen der Schilddrüse. (Bild ddp)

Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunktion

Bei diesen Stoffwechselerkrankungen werden entweder zu viele oder zu wenige Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin produziert. Mehr als 95 Prozent der Überfunktionen werden durch die Autoimmunerkrankung „Basedowsche Erkrankung“ ausgelöst und heilen in den meisten Fällen ohne eine entsprechende Therapie nicht aus.

Therapie: Medikamente wie Schilddrüsenblocker, Betablocker, Radiojodtherapie, Operation

Auch der Schilddrüsenunterfunktion liegt meist eine Autoimmunerkrankung zugrunde – die Schilddrüse wird vom eigenen Körper als fremdes Gewebe angesehen, es werden Antikörper produziert. Betroffen sind hiervon vor allem Frauen ab dem 40. bis 50. Lebensjahr.

Therapie: gegebenenfalls lebenslange Einnahme von Tabletten mit synthetisch hergestelltem Thyroxin

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Was kann ich bei dem Verdacht auf eine Stoffwechselkrankheit oder im Krankheitsfall tun?

Weil die Symptome der verschiedenen Stoffwechselerkrankungen genauso vielfältig sind wie mögliche Behandlungen, sollten Sie sich stets zuerst an Ihren Hausarzt wenden!

Hilfe für Neugeborene und Kinder mit Stoffwechselerkrankungen bietet das „Zentrum für angeborene Stoffwechselerkrankungen“ des Universitätsklinikums Heidelberg. Spezialisiert auf seltene Stoffwechselerkrankungen ist das Berliner Charité.

Die „Deutsche Diabetes“-Hilfe bietet ein gemeinsames Dach für Experten und Betroffene und stellt auf der Internetseite wertvolle Ratgeber und Tipps zur Verfügung. Zahlreiche Informationen und Hilfen rund um Schilddrüsenerkrankungen finden Sie beim “Deutschen Schilddrüsenzentrum“.