„Der Stolz eines Mannes ist seine Waffe“ - Waffenhändler packt über seine schwierige Kundschaft aus

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(Symbolbild)Bild: dpa

Mehrere brutale Messerangriffe haben in den vergangenen Wochen Politik und Gesellschaft schockiert. Die Tatwaffe scheint in Deutschland immer beliebter zu werden. Ein Berliner Waffenhändler erzählt, wie er die Debatte erlebt und wer in seinem Laden zum Messer greift.

Eine Kalaschnikow als Accessoire für das perfekte Hochzeits-Outfit? Solche besonderen Kundenwünsche erlebt Pavel Sverdlov nicht selten. In einem Interview mit dem „Spiegel “ berichtet der Berliner Waffenhändler von seiner Kundschaft. Die Kalaschnikow, so erzählt er, wollte zum Beispiel ein Mann mit syrischen Wurzeln bei ihm erwerben. Der wollte mit der Waffe, nach einem Brauch aus seiner Heimat, bei der besagten Hochzeit in die Luft schießen – zur Feier des Tages.

„Ein unbewaffneter Mann ist kein Mann“

Sverdlovs Waffengeschäft befindet sich in Friedrichshain, scharfe Hochkaliber-Waffen wie Kalaschnikows verkauft er dort laut „Spiegel“, nicht. Dafür aber eine Tatwaffe, die in den letzten Wochen und Monaten erneut eine große Debatte in Deutschland angestoßen hat: das Messer.

Seit dem Messerangriff eines afghanischen Flüchtlings auf einen Polizisten in Mannheim und den jüngsten Fällen in Wolmirstedt und Stuttgart diskutiert die Politik wieder verstärkt über den Umgang mit Messerkriminalität. Die Gewalt mit der Klinge steigt– das zeigen die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts.

Ein Trend, den Waffenhändler Sverdlov in seinem Laden so unmittelbar nicht feststellen kann: „Ich verkaufe nicht mehr Messer als früher“, sagt er dem „Spiegel“. Die meisten seiner Kunden seien Jäger, Wanderer oder Sammler. Doch er erzählt auch von einer anderen Gruppe: „Männer zwischen 18 und 30 und mit, ich sage mal, orientalischem Hintergrund.“ Bei ihnen gehöre es zur Kultur, eine Waffe zu tragen. Aussagen wie „Ein unbewaffneter Mann ist kein Mann“, oder „der Stolz eines Mannes ist seine Waffe“, höre er oft.

„Die Wahrheit ist: Die Messerkriminalität ist männlich, jung und migrantisch”

Junge Männer mit migrantischem Hintergrund sind laut der Kriminalstatistik des BKA bei Messerattacken überrepräsentiert. „Die Wahrheit ist: Die Messerkriminalität ist männlich, jung und migrantisch”, äußerte sich der Vorsitzende der CDU in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, jüngst im Podcast von „Table.Briefings“ zu dem Thema. Der Politiker fordert eine Strafverschärfung im Umgang mit migrantischen Straftaten.

Man müsse die Fakten nüchtern betrachten und ohne Schaum vor dem Mund diskutieren:  „Wir müssen das Strafrecht in der Frage nachschärfen”, so Hagel. Gleichzeitig appellierte er an die Bundesregierung, die Liste der sicheren Herkunftsstaaten zu erweitern, um die Rückführung von abgelehnten und straffällig gewordenen Asylbewerbern zu ermöglichen.

Personen, die alle Freiheitsrechte und Möglichkeiten im Land erhielten, aber dennoch wiederholt straffällig würden, müssten das Land verlassen, erklärte der CDU-Politiker. Die illegale Zuwanderung solle nicht nur begrenzt, sondern beendet werden.

Polizeipräsidentin: Nichtdeutsche überrepräsentiert

Ähnlich äußerte sich auch Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik in einem Interview mit „n-tv“: „In den vergangenen Jahren sehen wir bei der Gewaltkriminalität einen Anstieg insgesamt, wie auch bei den nicht-deutschen Straftätern in der Hauptstadt“, so Slowik.  „Dabei sind Nichtdeutsche überrepräsentiert. Zugespitzt formuliert: Nach unseren Zahlen ist die Gewalt in Berlin jung, männlich und hat einen nicht-deutschen Hintergrund. Das gilt auch für Messergewalt.“

Aber nicht jeder hält die Zahlen des BKA für so aussagekräftig: „Damit Messerangriffe in der Statistik auftauchen, müssen sie angezeigt werden“, so der Kriminologe Dirk Baier jüngst in einem Gespräch mit FOCUS online . „Es kann sein, dass es gar nicht mehr Messergewalt als in den Vorjahren gibt – solche Angriffe aber immer häufiger der Polizei gemeldet werden. “

Kriminologe: „Zentral ist nicht der Ausländerstatus“

Bei schwerer Körperverletzung wisse man aus Untersuchungen, dass es ein Dunkelfeld gäbe:  „Nur etwas mehr als die Hälfte der Taten wird angezeigt. Das könnte auch bei Messerangriffen der Fall sein.“ Das müsste man zumindest mitbedenken, wenn man über Kriminalstatistiken spricht.

Außerdem warnt der Experte davor, nur die Herkunft und Religion der Täter zu berücksichtigen: „Die sehr pauschale Aussage, Gewaltkriminalität sei etwas Importiertes, bringt uns nicht weiter“, so Baier. Es spielten auch Faktoren wie Erziehung, Milieu und Geschlecht bei der Entstehung von Kriminalität eine Rolle. „Wenn wir differenzieren, sehen wir: Zentral ist nicht der Ausländerstatus. Es sind eigentlich immer Sozialisationserfahrungen, die mit Kriminalität einhergehen.“

Waffenhändler Pavel Sverdlov jedenfalls findet es laut seinem Interview im Spiegel „traurig“, dass Messer durch die jüngsten Vorfälle nun „öffentlich verteufelt werden.“ Wer ein Messer trage, müsse verantwortungsvoll damit umgehen.