Franzosen für Dienstag erneut zu Massenprotesten aufgerufen

Frankreich: Neuer Aufruf zu Massenprotesten am Dienstag

Im Streit um die Rentenreform erhöhen die französischen Gewerkschaften den Druck auf Präsident Emmanuel Macron: Sie riefen für den kommenden Dienstag zu neuen Streiks und Massenprotesten auf. Auch am Wochenende müssen Reisende mit massiven Störungen des Zug- und Flugverkehrs von und nach Frankreich rechnen.

Die Gewerkschaften seien entschlossen, die Aktionen branchenübergreifend weiterzuführen, sagte eine Vertreterin der Gewerkschaft FSU nach einem Treffen von jeweils vier großen Gewerkschaften und Jugendorganisationen in Paris. "Der Ball liegt nun im Feld der Regierung", betonte die Gewerkschaft CGT.

Die Gewerkschaften erhöhen damit den Druck, bevor die Regierung die Details der umstrittenen Rentenreform vorstellt, die ein zentrales Wahlkampfversprechen von Präsident Macron ist. Die Gewerkschaften befürchten massive Einschnitte.

Ursprünglich sollte Premierminister Edouard Philippe die Pläne zur Wochenmitte vorstellen, nach Angaben aus der Regierung ist dies nun aber erst gegen Ende der Woche zu erwarten. Die Ministerin für soziale Sicherheit, Agnès Buzyn, sagte, die Regierung habe die "Wut der Franzosen verstanden". Sie lud die Sozialpartner für Montag zu Beratungen ein.

Am Donnerstag waren nach Behördenangaben mehr als 800.000 Menschen gegen die Rentenreform-Pläne auf die Straße gegangen, die Gewerkschaft CGT zählte 1,5 Millionen Teilnehmer. Zugleich legte ein Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahm. Die Proteste waren deutlich größer als die gegen Macrons Reformkurs auf dem Höhepunkt der "Gelbwesten"-Krise vor rund einem Jahr.

Fortgesetzte Streiks bei der französischen Bahn, an Flughäfen und im Pariser Nahverkehr führten auch am Freitag zu erheblichen Beeinträchtigungen für Berufspendler und Reisende. Auch Verbindungen nach Deutschland waren erneut betroffen.

Nach Angaben der staatlichen Bahngesellschaft SNCF fielen 90 Prozent der Schnellzugverbindungen und 70 Prozent der Regionalzüge aus. Auch die internationalen Verbindungen mit dem Thalys und dem Eurostar waren erneut gestört. Nach Angaben der SNCF beteiligten sich rund neun von zehn Lokführern an dem Streik.

Die Fluggesellschaft Air France strich 30 Prozent der Inlandsflüge und fast zehn Prozent der Mittelstreckenflüge. Die Behörde für Zivilluftfahrt hatte die Fluggesellschaften aufgerufen, ihr Angebot um mindestens 20 Prozent zu kürzen. Auch die Airlines Transavia, Easyjet und Ryanair annullierten Flüge.

Auch die Mehrheit der Pariser Metros verkehrte nicht. Der Streik im Pariser Nahverkehr soll bis einschließlich Montag dauern. Viele Menschen wichen auf ihr Auto, das Fahrrad oder Motorräder aus. Im Großraum der französischen Hauptstadt bildeten sich Staus von zusammengerechnet 350 Kilometern Länge.

Zwei Polizeigewerkschaften riefen ihre Mitglieder auf, den "Minimaldienst" in den Dienststellen fortzusetzen. Neben der Polizei hatte sich zuvor auch die Feuerwehr an dem Generalstreik beteiligt. Auch Lehrer an Grund- und weiterführenden Schulen legten erneut die Arbeit nieder. Zudem blockierten Arbeiter fünf französische Treibstofflager. Kraftstoff-Engpässe drohten aber vorerst nicht, betonte das Umweltministerium.

Präsident Macron hat sich zu den Protesten und Streiks bisher nicht geäußert. Aus seinem Umfeld hieß es aber, er wolle an seinem Reformkurs "ruhig und entschlossen" festhalten. Der 41-jährige Staatschef will Sonderrenten für mehr als 40 Branchen abschaffen, das System vereinheitlichen und das hohe Defizit der Rentenkassen abbauen.