Streit über Französisch-Pflicht für Bauarbeiter

Gut fünf Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist ein Streit über eine Französisch-Pflicht für Bauarbeiter entbrannt. Der Vorsitzende der Gewerkschaft CFDT, Laurent Berger, sprach am Donnerstag in Paris von einer "skandalösen" und "fremdenfeindlichen" Maßnahme. Regierungschef Bernard Cazeneuve beklagte, die Vorschrift diskriminiere ausländische Unternehmen.

Stein des Anstoßes ist die sogenannte Molière-Klausel, benannt nach dem berühmten Dichter des 17. Jahrhunderts. Damit schreiben einige Regionen und Départements vor, dass auf öffentlichen Baustellen Französisch gesprochen werden muss. Stammen die Arbeiter aus dem Ausland, ist ein Übersetzer Pflicht. Die Klausel gilt unter anderem in der Île-de-France rund um Paris, in der Normandie und im südlichen Elsass.

Die Befürworter stammen überwiegend aus dem konservativen Lager. Sie argumentieren, mangelnde Französischkenntnisse von Bauarbeitern seien ein Sicherheitsproblem. Hinter der "Molière-Klausel" steckt aber auch die Furcht vor Sozial-Dumping durch den Einsatz ausländischer Bauarbeiter, etwa aus Polen. Der Regionalpräsident der Normandie, Hervé Morin, sagte dazu, wenn Baufirmen bei öffentlichen Ausschreibungen "unnormal niedrige Preise" anböten, setzten sie in der Regel Subunternehmer aus dem Ausland ein.

Arbeitgeberpräsident Pierre Gattaz rief sein Land zur Offenheit auf. "Wenn wir so anfangen, machen wir danach die französischen Grenzen dicht und geben dann auch noch den Euro auf", warnte er.

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