Strom- und Gaspreisbremse: Das müsst ihr tun, um von den Milliarden-Entlastungen zu profitieren

Private Haushalte und kleinere sowie mittlere Unternehmen zahlen ab Januar 2023 für 80 Prozent des im September prognostizierten Jahresverbrauchs zwölf Cent pro Kilowattstunde Gas. - Copyright: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst
Private Haushalte und kleinere sowie mittlere Unternehmen zahlen ab Januar 2023 für 80 Prozent des im September prognostizierten Jahresverbrauchs zwölf Cent pro Kilowattstunde Gas. - Copyright: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Die Bundesregierung nimmt Milliarden in die Hand, um Bürgerinnen und Bürger in der Energiekrise zu entlasten – mit einer ab Januar 2023 bis April 2024 geltenden Preisbremse für Gas und Strom sowie mit einer Soforthilfe im Dezember, um den besonders heizintensiven Wintermonat zu überbrücken. Wie die Maßnahmen im Einzelnen funktionieren, haben wir für euch nochmal zusammengefasst.

Wie profitiere ich von der Gaspreisbremse?

Private Haushalte und kleinere sowie mittlere Unternehmen sollen ab Januar 2023 für 80 Prozent des im September prognostizierten Jahresverbrauchs nur zwölf Cent je Kilowattstunde Gas zahlen – für Fernwärme liegt der Preis bei 9,5 Cent je Kilowattstunde. Wer allerdings mehr verbraucht, zahlt für jede weitere Kilowattstunde die üblichen Vertragspreise. Dem Vergleichsportal Verivox zufolge liegt der Preis im November dieses Jahres im Schnitt bei 17,79 Euro pro Kilowattstunde.

Für Verbraucher, die bereits mehr zahlen, gilt, dass die monatlichen Abschläge sinken, schreibt die "Rheinische Post". Das ist ebenso für Pflege-, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie für Betriebe mit einem Gasverbrauch unter 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr der Fall.

Wie profitiere ich von der Strompreisbremse?

Die Strompreisbremse funktioniert im Prinzip wie die Gaspreisbremse. Bis zu 80 Prozent des Verbrauchs werden demnach bei 40 Cent je Kilowattstunde gedeckelt. Im Normalfall berechne sich der Abschlag auf Basis des bisherigen Stromverbrauchs. Verbrauchen Stromkunden mehr als 80 Prozent des bisherigen Stromverbrauchs, fällt wie bei der Gaspreisbremse für jede weitere Kilowattstunde der neue Marktpreis an. Der liegt für Strom im Schnitt derzeit bei 48,16 Cent je Kilowattstunde.

Wie viel Geld spare ich durch die Strom- und Gaspreisbremse?

Gaspreisbremse: Gehen wir von einer vierköpfigen Familie aus, die im Jahr 15.000 Kilowattstunden Gas verbraucht hat, bisher acht Cent pro Kilowattstunde – also im Monat 100 Euro – bezahlt hat und zu den aktuellen Konditionen mit einem Preis von 22 Cent rechnen muss. Mit der Gaspreisbremse zahlt sie monatlich 175 Euro bei gleichbleibendem Verbrauch. Ohne Preisbremse wären es 175 Euro mehr.

Strompreisbremse: Wenn wir von einer Familie, die im Jahr 5000 Kilowattstunden Strom verbraucht und von einem aktuellen Marktpreis von 48 Cent je Kilowattstunde ausgehen, dann würde sie mit der 40-Cent-Preisbremse ungefähr 320 Euro im Jahr sparen. Das ergab eine Beispielrechnung des Vergleichsportals Check24. Die Bremsen sollen laut den am Dienstag aus Regierungskreisen bekannt gewordenen Plänen zwar erst ab März gelten, rückwirkend dann aber die Entlastungsbeiträge für Januar und Februar angerechnet werden.

Was muss man als Mieter und Vermieter tun, um von der Gas- und Strompreisbremse zu profitieren?

Um von den Preisbremsen zu profitieren, müssen Verbraucher nichts zu tun. Laut Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW ist vorgesehen, dass die Strom- und Gaspreisbremsen direkt den monatlichen Abschlag reduzieren. Um die Verrechnung kümmern sich die Versorger.

Vermieter müssen die reduzierten Gaskosten "im Rahmen der Heizkostenabrechnung für die laufende Abrechnungsperiode an den Mieter weitergeben", zitierte der "Spiegel" aus dem Gesetzentwurf für die Gas- und Strompreisbremse.

Wie funktioniert der Dezember-Abschlag?

Um die Zeit bis zur Erstattung der Gaspreisbremse zu überbrücken, hat der Bund eine Einmalzahlung geplant. Demnach müssen Mieter die vereinbarte Voraus- oder Abschlagszahlung nicht mehr leisten. Die Höhe des Dezember-Abschlags orientiert sich an dem Jahresverbrauch, den der Versorger für September 2022 prognostiziert hat – nur eben geteilt durch zwölf. Zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher die Abschläge doch, sind die Energielieferanten verpflichtet, die gezahlten Beträge in der nächsten Rechnung zu berücksichtigen.

Vermieter sollen die Rechnung mit der nächsten jährlichen Betriebskostenabrechnung an die Mieter weitergeben. Damit profitierten diese von der Entlastung zu dem Zeitpunkt, in dem sie die gesamte Preissteigerung des Jahres 2022 durch eventuelle Nachzahlungen tragen müssten.

Wie bekomme ich das Geld aus der Dezember-Hilfe?

Gaslieferanten können entweder die Lastschrift aussetzen oder den Abschlag bis spätestens bis zum 31. Dezember, überweisen. Zahlt ein Verbraucher den Abschlag trotzdem, muss der Lieferant den Betrag nicht sofort erstatten, sondern kann ihn auch mit der nächsten Rechnung berücksichtigen.

Bei Fernwärme ist es anders geregelt. Hier müssen die Anbieter die Soforthilfe bis zum 31. Dezember zahlen, indem sie entweder auf die Abbuchung des Abschlags verzichten oder den Betrag direkt an ihre Kunden zahlen. Mieter erhalten die Erstattung über ihren Vermieter in der Regel erst über die Nebenkostenabrechnung im Jahr 2023.

Was kosten die Gas- und Strompreisbremse die Bundesregierung?

Die Strompreisbremse für Haushalte und kleinere Unternehmen kostet voraussichtlich zwischen 23 und 33 Milliarden Euro. Für die Gaspreisbremse schätzt die Bundesregierung Kosten von über 30 Milliarden Euro.

Die Kosten sind abhängig von der weiteren Entwicklung bei Preisen und Verbrauch. Der weitaus größte Teil dieser Entlastungen soll über einen "Abwehrschirm" von etwa 200 Milliarden Euro finanziert werden, für den der Bund neue Schulden machen muss.

Was plant darüber hinaus die EU?

Die Europäische Kommission arbeitet angesichts der Energiekrise an einem festen Gaspreisdeckel am Großhandelsplatz TTF. Wenn der Preis am TTF einen vorher festgelegten Höchstwert erreicht und gleichzeitig die Preise am Weltmarkt für Flüssiggas (LNG) übersteigt, sollte der EU-Deckel greifen. Das geht aus einem Entwurf hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Der Preis für den Deckel steht allerdings aktuell noch nicht fest. Um Engpässe bei der Versorgung zu vermeiden, sollte der Preisdeckel zudem regelmäßig überprüft und jederzeit außer Kraft gesetzt werden können, heißt es in dem Papier. Dem Entwurf zufolge würde der Deckel den Preis für Gas betreffen, das einen Monat im Voraus gehandelt wird.

Deutschland hatte zuvor Kritik an der EU-Preisbremse geäußert. Auf dem Treffen der EU-Energieminister im Oktober in Prag hat Deutschland, gemeinsam mit den Niederlanden, einen Kompromiss vorgelegt. In einem sogenannten "Non-Paper", das der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vorliegt (FAZ), schlagen die beiden Länder einen Zehn-Punkte-Plan vor, um die Gaspreise auch ohne einen Preisdeckel in Schach zu halten. Ein Preisdeckel würde die Gefahr bergen, dass möglicherweise nicht mehr genug Gas geliefert werde und die Nutzung rationiert werden müsse, habe nach Angaben der "FAZ" in dem Papier gestanden.

Mit Material der DPA / cb