Strompreisentwicklung 2022: So teuer wird der Strom in Deutschland

Der Strompreis befindet sich weiterhin auf einem Rekordhoch. - Copyright: coldsnowstorm via Getty Images
Der Strompreis befindet sich weiterhin auf einem Rekordhoch. - Copyright: coldsnowstorm via Getty Images

Nicht nur die Gaspreise steigen rasant an. Verbraucher müssen sich in Zukunft auch auf höhere Stromrechnungen einstellen. Anfang September kostete dem Verivox-Verbraucherpreisindex zufolge eine Kilowattstunde Strom bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden knapp 52 Cent – über 20 Cent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Streichung der EEG-Umlage bremst das Rekordhoch der Strompreise nicht.

Darum sind die Strompreise so hoch

Dem "Strom-Report" zufolge begünstigen vor allem drei Faktoren den beachtlichen Preisanstieg. Ein wichtiger Faktor ist die Entwicklung des Strompreises an der Strombörse. Die Großhandelspreise steigen hier seit Monaten rasant an. Angetrieben werden die hohen Preise durch den angeschlagenen Gasmarkt. Lieferungen bleiben durch die Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg gering oder fallen wie aktuell bei der Gas-Pipeline Nord Stream 1 komplett aus. Der Gaspreis steigt und dadurch auch die Kosten der Stromgewinnung aus dem fossilen Brennstoff.

Aufgrund der Lieferengpässe muss Gas als Energiequelle in Deutschland vorübergehend ersetzt werden. Da erneuerbare Energieträger nicht genügend Strom erzeugen, um das Loch zu stopfen, wird auch auf veraltete Energieerzeuger wie Braunkohle zurückgegriffen. Für die entstandenen Emissionen müssen Unternehmen CO₂-Abgaben leisten. Die Zertifikate hierfür kosten bis zu 100 Euro pro Tonne. Diese Mehrkosten werden an die Endkunden weitergegeben und üben sich ebenfalls auf den Strompreis aus.

In diesen Bundesländern ist der Strompreis am höchsten

Hinzu kommt auch, dass die Netzentgelte in diesem Jahr im Bundesdurchschnitt um knapp drei Prozent gestiegen sind. Die Netzentgelte setzen sich aus den Preisen der vier Übertragungsnetzbetreiber zusammen. Das sind in Deutschland Tennet, TransnetBW, 50Hertz und Amprion. Die Betreiber haben im vergangenen Jahr die Erhöhungen der Netzentgelte mit den Investitionen ins Stromnetz sowie allgemein steigenden Kosten begründet. Am stärksten sind die Netznutzungsentgelte dem "Strom-Report" zufolge in den Bundesländern Bremen (elf Prozent), Hamburg (acht Prozent) sowie Mecklenburg-Vorpommern (sieben Prozent) gestiegen. Den geringsten Anstieg verzeichneten demnach mit einem Prozent die Bundesländer Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Generell sind die Energiekosten in den neuen Bundesländern etwas höher als in den alten Bundesländern. Das liegt vor allem daran, dass hier weniger Menschen leben und es mehr ländlichere Regionen gibt. Dadurch steigen die Gebühren der Netzentgelte. Im "Strom-Report" heißt es zu den Netzentgelten: „Sie werden aus der Anzahl der Stromkunden im Netzgebiet umgelegt. Das heißt, in ländlichen Gebieten werden die Kosten auf viel weniger Schultern verteilt, als in der Stadt.“ Der Unterschied zwischen Ost und West wird zudem mit der Modernisierung der Netze in den östlichen Bundesländern begründet. Die Bundesregierung hat 2017 bereits eine Vereinheitlichung der Netzentgelte beschlossen, wodurch die Preise zwischen Ost und West angenähert werden sollen.

So dürfte sich der Strompreis weiter entwickeln

Die Netzentgelte haben je nach Region einen Anteil von bis zu einem Viertel am gesamten Strompreis. Ein Großteil des Strompreises geht mittlerweile jedoch auf die Anbieter zurück. Diese sind verantwortlich für die Erzeugung, den Transport sowie für den Vertrieb. Auch die Marge der Anbieter ist im Strompreis mit inbegriffen. Durch die hohen Erzeugungskosten steigen die Ausgaben der Stromunternehmen, die diese wiederum an die Endverbraucher weitergeben. Dadurch ist ihr Anteil an der Zusammensetzung des Strompreises im Vergleich zu früher gestiegen.

Der staatliche Anteil am Strompreis liegt ungefähr bei einem Viertel. Hier fällt unter anderem die Stromsteuer von 2,05 Cent pro Kilowattstunde und die Mehrwertsteuer von 19 Prozent an. Außerdem müssen Stromnetzbetreiber an die Gemeinden und Städte Konzessionsabgaben zahlen, sobald öffentliche Wege genutzt werden. Der Preis hängt hier von der Infrastruktur vor Ort und der Einwohnerzahl ab.

Einen kleineren Anteil am Strompreis haben die Offshore-Netzumlage, die Paragraf 19 StromNEV-Umlage sowie die KWK-Umlage. Die EEG-Umlage wurde gestrichen, sodass der Strompreis um etwa vier Cent sinken kann. Das Geld wird nun vom Bund aus dem Sondervermögen des "Energie- und Klimafonds" gezahlt. Doch auch in den nächsten Monaten wird der Strompreis aller Voraussicht nach eher weiter steigen, da der Ukraine-Krieg und die Lieferengpässe Preistreiber sind. Zudem haben die großen Stromanbieter Ende vorigen Jahres noch nicht die Preise stark erhöht. Das dürfte nun nachgeholt werden. Zeichnet sich beim Strom die gleiche Entwicklung wie beim Gas ab, müssen Kunden mit einer Verdreifachung des aktuellen Preises rechnen.

Offen ist, wie sich die geplante Strompreisbremse auswirken kann. Je nachdem, welcher Verbrauch zu einem Festpreis festgelegt wird, könnte die Preise tatsächlich wieder sinken. Das Problem daran: Viele Unternehmen, die an der Stromerzeugung beteiligt sind, dürften damit auch weniger Einnahmen haben, was ihre ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation eher verschärft. Selbst Fachleute trauen sich aktuell nicht zu, die Wirkung der Bremse daher zu prognostizieren.