Studenten-Proteste gegen Ernennung eines Universitäts-Rektors durch Erdogan

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Studenten-Proteste an der Bogazici-Universität in Istanbul

Mehrere hundert Studenten der renommierten Bogazici-Universität haben am Montag gegen die Ernennung eines neuen Rektors durch Staatschef Recep Tayyip Erdogan protestiert. Die Studenten riefen "Wir wollen keinen ernannten Rektor" und "Er wird gehen, wir bleiben!", wie eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der Protest richtete sich gegen den 50-jährigen Melih Bulu, der am Freitag von Erdogan als Leiter der Bogazici-Universität, zu Deutsch Bosporus-Universität, in Istanbul eingesetzt wurde.

An den Protesten beteiligten sich insgesamt rund tausend Menschen. Zwei Demonstranten seien von der Polizei am Rande der Proteste in Gewahrsam genommen worden, berichtete eine Unterstützergruppe über den Kurnachrichtendienst Twitter. In früheren Jahren wurden die türkischen Hochschulrektoren intern gewählt, aber nach dem Putsch-Versuch von 2016 hatte sich Erdogan den Zugriff auf die Hochschulen gesichert.

Bulu gehörte bislang nicht zum Personal der Bogazici-Universität. Er hatte 2015 versucht, mit Hilfe von Erdogans Regierungspartei AKP ein Parlamentsmandat zu erringen. An der Bogazici-Universität, an der die Veranstaltungen auf Englisch abgehalten werden, hat sich über die Jahre eine starke linksgerichtete Studentengemeinde versammelt.

Im Jahr 2018 wurden mehrere Studenten festgenommen, weil sie an einer Demonstration gegen eine türkische Militär-Offensive in Syrien teilgenommen hatten. Erdogan beschimpfte sie als "Verräter" und "Terroristen".

Die Bogazici-Universität blickt auf eine lange Vergangenheit zurück. Sie wurde 1863 unter dem Namen Robert College als erste amerikanische Universität außerhalb der USA gegründet. 1971 wurde sie nach dem Bosporus-Fluss umbenannt, an dem sie im europäischen Teil Istanbuls liegt.

ao/noe