Studie: Entscheidend für Normalisierung des Gaspreises ist Rückgang der Nachfrage

Günstiges Erdgas per Pipeline aus Russland wird auch in den kommenden Jahren nicht mehr oder nur beschränkt fließen - unter dieser Annahme dürften die aktuell hohen Gaspreise erst 2030 wieder das Niveau von 2018 erreichen, wenn die Nachfrage kräftig reduziert wird. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) für den Branchenverband Zukunft Gas. Ausbleibende Mengen aus Russland dürften demnach hauptsächlich durch LNG aus den USA ersetzt werden.

Der Importanteil von Erdgas aus Russland am deutschen Gasverbrauch betrug im Jahr 2021 etwa 55 Prozent - aktuell liegt er bei nahe null. Das EWI untersucht in seiner Studie die mittelfristige Entwicklung der Handelsflüsse und Großhandelspreise für Erdgas sowie den weltweiten Ausbau von Verflüssigungsanlagen für den Export von Flüssigerdgas (LNG) und den europäischen Ausbau von Regasifizierungsanlagen für den Import von LNG.

Gibt es keinen Gashandel zwischen Russland und der EU, werden die verbleibenden Pipelinekorridore in die EU stark ausgelastet, heißt es in der Studie. Über historische Liefermengen hinausgehend könne Gas nur in begrenztem Umfang aus alternativen pipelinegebundenen Bezugsquellen wie Norwegen, Aserbaidschan oder Algerien bezogen werden.

Norwegen könne seine Produktion voraussichtlich noch bis zum Jahr 2028 steigern, werde danach aber Produktionsrückgänge verzeichnen. Auch die Importe aus den nordafrikanischen Exportländern werden voraussichtlich abnehmen, weil deren heimische Nachfrage ansteige.

Das ausbleibende Gas werde in der EU vermutlich besonders durch LNG aus den USA ersetzt und in geringerem Maße aus Katar, heißt es weiter. Katar könnte seine Exporte nach Europa zwar steigern, ein Großteil der Erdgasmengen sei aber durch langfristige Lieferverträge an asiatische Importeure gebunden.

Die USA dagegen können laut Studie mehr liefern - das EWI erwartet, dass die Flüssiggasimporte im Vergleich zu 2021 ansteigen, und zwar auf bis zu 40 Prozent der Gesamtimporte der EU. LNG-Exporteure aus Kanada oder Australien bedienen demnach ebenfalls vor allem den asiatischen Markt.

Bis 2030 sei daher ein Ausbau der Anlagen nötig, die Gas zunächst verflüssigen und dann nach dem Transport per Schiff wieder regasifizieren, erklärte das EWI. Die Kapazität könnte laut Studie um mehr als zwei Drittel auf rund 440 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zulegen. Die Studienautoren warnen aber, dass "erhebliche Unsicherheiten bei der Realisierung solcher Investitionen bestehen", weil die Erdgasnachfrage in Europa vor dem Hintergrund seiner Klimaschuztanstrengungen "mittel- bis langfristig abnehmen wird".

Das EWI rechnet zumindest bis 2026 mit einer Zunahme von Regasifizierungskapazitäten in Europa - vor allem in Deutschland, den Niederlanden und Belgien sowie in Italien, das auch stark abhängig von russischen Lieferungen war. Über Anlagen in Italien könnten auch Kroatien und der Westbalkan mit LNG beliefert werden.

ilo/hcy