Studie: Kannibalismus unter Vorzeit-Menschen zur Ernährung nicht sehr ergiebig

Die verbreitete Annahme, die Vorfahren der heutigen Menschen könnten sich zum Zwecke der Ernährung gegenseitig verspeist haben, ist für einen britischen Forscher nicht sehr überzeugend: Bären und Pferde haben weit höhere Kalorienwerte, der vergleichsweise magere Mensch sei nicht sonderlich nahrhaft, heißt es in einer Studie des Archäologen James Cole von der Universität Brighton. Cole vertrat die Ansicht, "dass Akte des Kannibalismus nicht nur durch ein Nahrungsbedürfnis erklärt werden können".

Auf das Kilogramm umgerechnet liefern Pferde, Bären und Wildschweine drei Mal so viele Kalorien wie Menschen, wie Cole in den "Scientific Reports" darlegt. Das sei auch durch den höheren Fettanteil anderer Arten bedingt. Ein Bär hat demnach einen fast 20 Mal höheren Nährwert als ein Mensch, ein Pferd einen sechs Mal höheren. Hinzu komme, dass "der Mensch intelligenter ist und ein komplexeres Verhalten an den Tag legt - es muss schwerer gewesen sein, sechs Menschen zu töten als ein Pferd".

Archäologische Funde zeigen, dass die Vorfahren des modernen Homo sapiens zu Kannibalen werden konnten. So wurde nachgewiesen, dass Sehnen gekonnt von den Knochen getrennt wurden, um Muskelfilets herauszuschneiden; Arm- und Beinknochen wurden zerbrochen, um das Mark herauszuholen; an den Knochen gab es Einkerbungen von menschlichen Zähnen. Beispiele gibt es vom Homo antecessor, der vor einer Million Jahren in Spanien lebte ebenso wie vom Homo erectus vor 680.00 Jahren in Frankreich, selbst vom Neandertaler und vom Homo sapiens.

Unsere Vorfahren hätten vermutlich eine "ebenso komplexe" Einstellung zum Kannibalismus gehabt "wie wir modernen Menschen", sagte Cole. "Es ging nicht nur um das Fleisch." Andere Handlungsmotive seien die Abgrenzung der territorialen Hoheit, rituelle Aspekte, psychische Störungen und die Art der Kriegsführung gewesen. In der Mazycka-Höhle in Polen wurden drei menschliche Schädel gefunden, die erst rund 15.000 Jahre alt sind. Sie dienten als Trinkgefäße.

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