Studie: Pressefreiheit weltweit auf niedrigstem Stand seit 13 Jahren

Proteste in Berlin

Die Pressefreiheit ist einer US-Studie zufolge im vergangenen Jahr weltweit auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren gefallen. Bedroht werde sie durch die Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf die Medien und Einschränkungen sowohl durch demokratische als auch autoritäre Regierungen, heißt es in einem am Freitag vorgelegten Bericht der US-Bürgerrechtsgruppe Freedom House.

Etwa 45 Prozent der Weltbevölkerung lebt demnach in Ländern ohne freie Medien, für 42 Prozent sind die Medien "teilweise frei" und gerade mal 13 Prozent haben es mit freien Medien zu tun.

In vielen Demokratien, einschließlich den USA, Polen, den Philippinen und Südafrika, hätten Politiker "die Glaubwürdigkeit unabhängiger Medien und auf Fakten beruhender Berichterstattung attackiert und damit die traditionelle Wächterrolle der Presse in freien Gesellschaften zurückgewiesen", erklärte Jennifer Dunham, die Leiterin der Studie.

Freedom House untersuchte in ihrem diesjährigen Bericht die Lage der Medien in 199 Staaten. Den USA bescheinigt die Gruppe, gegenüber der Presse "eines der tolerantesten Länder der Welt" geblieben zu sein. Bereits vor Trump habe es allerdings wegen finanzieller Engpässe und zunehmend parteiischer Postionen in der Branche Rückschritte gegeben. Trumps Klagen über angebliche Falschinformationen und seine Bezeichnung der Nachrichtenmedien als "Feinde des Volkes" hätten die Situation weiter verschlechtert.

Die Einschränkung der Pressefreiheit weltweit werde in dem Maße voranschreiten, wie die USA, EU-Staaten und andere Demokratien ihre Vorbildrolle verlören, erklärte Freedom House. Bereits jetzt versuche Russland, Nachrichten und soziale Medien in anderen Ländern zu manipulieren, insbesondere in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Auf den 14 obersten Plätzen der Freedom-House-Liste landen 13 europäische Länder. Die Spitzenreiter sind Norwegen, die Niederlande und Schweden. Auf den hintersten Plätzen liegen Nordkorea, Turkmenistan und Usbekistan. China, Äthiopien, Iran und Syrien schneiden ebenfalls sehr schlecht ab.

Der Türkei attestiert Freedom House einen Besorgnis erregende Verschlechterung und verweist auf zunehmende Zensur, die Schließung unabhängiger Medien sowie die Bedrohung und Inhaftierung von Journalisten. Auch in Polen sei die Entwicklung negativ. Hier gebe es eine zunehmende "Intoleranz der Regierung gegenüber unabhängiger oder kritischer Berichterstattung" sowie eine Einschränkung der Meinungsfreiheit bei Themen der polnischen Geschichte und Identität.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen