Studie: Warum psychische Probleme im Job so oft tabu sind

·Freie Autorin
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Wer sich bei der Arbeit psychisch nicht wohl fühlt, behält das in den meisten Fällen für sich. Warum das so ist und wie es sonst um das Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz steht, hat eine Studie des Karrierenetzwerks LinkedIn und des Meinungsforschungsinstituts YouGov untersucht.

Psychische Belastungen werden am Arbeitsplatz häufig totgeschwiegen. (Symbolbild: Getty Images)
Psychische Belastungen werden am Arbeitsplatz häufig totgeschwiegen. (Symbolbild: Getty Images)

Rückenschmerzen, Kopfweh, Kreislaufprobleme – bei körperlichen Beschwerden haben nur wenige Berufstätige Hemmungen, diese offen am Arbeitsplatz zu kommunizieren. Schließlich geht es um die Gesundheit. Umso merkwürdiger ist es, dass das nicht für psychische Probleme gilt. Denn hier herrscht im Job oft ein großes Schweigen, wie das Karrierenetzwerk LinkedIn gemeinsam mit YouGov in einer repräsentativen Studie über psychische Gesundheit herausfand.

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Befragt wurden für die Studie insgesamt 2.018 deutsche Arbeitnehmer mit und ohne Führungsverantwortung, die einer Bürotätigkeit nachgehen. Davon hat mehr als ein Drittel schon eine psychische Erkrankung oder ein Burnout erlitten. 67 Prozent gehen davon aus, dass die Fälle sogar weiter steigen werden. Und trotzdem ist das Thema bei den Firmen ein großes Tabu. 39 Prozent der Betroffenen trauen sich nicht, offen darüber am Arbeitsplatz zu reden.

Angst vor dem Karriereknick

Der Hauptgrund für das große Schweigen ist die Angst vor beruflichen Nachteilen. Die haben 43 Prozent der Studienteilnehmer. Doch die Furcht vor dem Karriereende geht sogar noch weiter: 46 Prozent geben an, dass sie schon einmal falsche Angaben über ihre psychischen Probleme gemacht und stattdessen körperliche Beschwerden vorgeschoben haben. Burnouts und ähnliche Leiden haben einen negativen Beigeschmack und ein gewisses Stigma, sodass es Betroffenen sichtlich schwer fällt, offen darüber mit Kollegen oder Führungskräften zu sprechen. Das gibt in der Studie jeder Vierte so an. Aber wie lässt sich das Schweigen brechen?

“Klima des Vertrauens“ schaffen

Die Psychologin Nora Blum, die ebenfalls an der Studie beteiligt ist, ist für mehr Bewusstsein und Toleranz: “Das Schaffen von Wissen und Bewusstsein über Risikofaktoren ist entscheidend.“ 

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Zusammen mit einem offenen, tabufreien Umgang können so leichte bis mittlere psychische Belastungen gut abgefangen werden.“ Dafür sollten Arbeitgeber ein “Klima des Vertrauens“ schaffen und proaktiv auf ihre Mitarbeiter zugehen.

Anmerkung der Redaktion: Psychische Erkrankungen können mit professioneller Hilfe gelindert und sogar geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.

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