Studie zeigt: Hunde können Wärme "riechen"

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 2 Min.

Eine Untersuchung zeigt, kalte Hundenasen sind besonders Temperatur-sensibel. Sie können damit auf Entfernung Wärme wahrnehmen.

Das Rhinarium, der Nasenspiegel, eines Hundes ist ein durch Schleimhaut gebildeter Bereich um die Nasenlöcher. Hier sitzt vermutlich eine Art Infrarotsensor. (Symbolbild: gettyimages / Jennifer A Smith)
Das Rhinarium, der Nasenspiegel, eines Hundes ist ein durch Schleimhaut gebildeter Bereich um die Nasenlöcher. Hier sitzt vermutlich eine Art Infrarotsensor. (Symbolbild: gettyimages / Jennifer A Smith)

Das wichtigste Sinnesorgan des Hundes ist seine Nase: Sie dient der Suche nach Nahrung und Artgenoss*innen, sie warnt vor Gefahren und kann sogar Krankheiten beim Menschen erschnüffeln. Sie ist für ihre vielfältigen Aufgaben bestens ausgestattet – mit bis zu 300 Millionen Riechzellen.

Jetzt haben Forschende Hinweise darauf gefunden, dass die Hundenase noch eine weitere besondere Fähigkeit besitzt: Eine Art Infrarotsensor, mit der sie kleinste Temperaturänderungen wahrnehmen kann. Ein Team um die Verhaltensforscherin Anna Bálint von der Eötvös Loránd Universität in Budapest und der schwedischen Universität Lund hat dazu eine aktuelle Studie in dem Journal Scientific Reports veröffentlicht.

Hunde können Wärmestrahlung wahrnehmen

Dabei sind sie der Frage nachgegangen: Wieso sind Hundenasen eigentlich kalt? In der Studie findet sich dazu das Foto einer Wärmebildkamera, es zeigt: Der gesamte Hundekopf ist warm, besonders der Bereich um die Augen und die Zunge. Viel kühler ist hingegen die Nase. Der Verdacht der Forschenden: Dadurch könnte die Nase besonders Temperatur-sensibel sein.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagt Bálint zu den Ergebnissen: „Ja, Hunde können Wärmestrahlung von anderen Tieren wahrnehmen.“ Was erklärt, wieso die Tiere auch dann noch erfolgreich jagen können, wenn sie eingeschränkt sehen, hören oder riechen können.

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Dazu haben die Forschenden drei Hunde – auch ihre Namen Kevin, Delfi und Charlie wurden in der Studie genannt – darauf trainiert, Wärme anzuzeigen. Den Tieren wurden anschließend zwei identische Objekte präsentiert, mit nur einem Unterschied: eines war so warm wie die Umgebungstemperatur, das andere auf 31 Grad Celsius erwärmt. Was der Oberflächentemperatur eines fellbesetzten Säugetiers entspricht. Es war damit elf bis 13 Grad Celsius wärmer als die „neutrale“ Umgebungstemperatur.

Alle drei Hunde konnten, aus mindestens 1,6 Meter Entfernung, mit hoher Erfolgsrate das warme Objekt erkennen. Die richtigen Ergebnisse lagen zwischen 68 und 80 Prozent.

Gehirnscans zeigen: Nase reagiert auf Wärme

In einem zweiten Schritt wurden andere Hunde, insgesamt 13, mit einem Magnetresonanztomographen untersucht. Darunter Golden Retriever, Border Collies, Australian Shepherds und Mischlinge. Auch ihnen wurden wieder die beiden unterschiedlich warmen Objekte präsentiert. Dazu sagt Bálint: „Wir haben damit untersucht, ob wir Hirnareale finden, die aktiver werden, wenn wir den Tieren das wärmere Objekt zeigen.“ Und tatsächlich: Die Scans zeigten dann eine erhöhte Aktivität an – und zwar in dem Teil des Gehirns, der für Reize der Nase zuständig ist.

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