Stürze in Skigebieten: Apple-Geräte senden falsche Notrufe

In mehreren Skigebieten in den USA sind Notrufzentralen mit falschen Notrufen beschäftigt. Die werden von Apple-Geräten automatisch verschickt, weil die Besitzer*innen beim Skifahren stürzen und Sensoren in iPhones und Apple Watches das als schwerwiegenden Unfall erkennen.

Das iPhone 14 kann einen Unfall erkennen und automatisch den Notruf informieren
Das iPhone 14 kann einen Unfall erkennen und automatisch den Notruf informieren. Foto: Reuters / Carlos Barria

71 Notrufe – automatisch gesendet von iPhones und Apple Watches – gingen am vergangenen Wochenende in Notrufzentralen nahe eines Skigebietes im US-amerikanischen Summit County ein. Nur: Es gab wohl keinen einzigen schwerwiegenden Unfall.

Im Falle eines Unfall: Apple-Geräte rufen automatisch Rettungsdienst

Apple-Geräte haben ausgefeilte SOS-Funktionen. Dazu zählt die sogenannte „Crash-Detection“, die einen Unfall erkennt und automatisch via Wi-Fi-Anruf, Satellitenverbindung oder Mobilfunk den Notruf wählt.

Laut Apple-Webseite wurde die Funktion entwickelt, um Autounfälle zu erkennen und sofort darauf zu reagieren. Zuerst erscheint eine Nachricht auf dem Bildschirm des Mobilgerätes: „Sie haben offenbar einen Unfall erlitten. Ihr iPhone wird den Notruf wählen, wenn Sie sich nicht melden.“ Nach einer 20-sekündigen Wartezeit, in der Nutzer*innen den Vorgang abbrechen können, schickt das Apple-Gerät dann den Notruf an die nächste Notrufzentrale. Eine Roboterstimme gibt die Koordinaten des Standorts durch.

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Die Funktion kann durchaus sinnvoll sein, wenn der Unfall schwerwiegend war und Betroffene nicht bei Bewusstsein oder aus anderem Grund nicht in der Lage sind, selbst den Notruf zu wählen. Durch den automatischen SOS-Ruf kann wertvolle Zeit gewonnen werden, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wie unter anderem Digital Trends berichtet, hat die Funktion bereits Leben gerettet.

Anrufe binden Ressourcen

Ein Problem entsteht jedoch, wenn das Apple-Gerät fälschlicherweise einen Unfall erkennt, der automatische SOS-Ruf nicht abgebrochen und deshalb grundlos ein Notruf abgesetzt wird. Das ist laut der Colorado Sun am vergangenen Wochenende in mehreren Skigebieten im US-Bundesstaat Colorado geschehen – 71 Mal. So oft wurden offenbar Stürze beim Ski- oder Snowboardfahren fälschlicherweise als schwerwiegende Unfälle erkannt. Und weil die Träger*innen der Geräte nicht den SOS-Ruf abbrachen, sendeten diese zahlreiche Notrufe ohne Grund los.

Jeder einzelne falsche Notruf bindet Ressourcen, wie die Leiterin einer nahegelegenen Notrufzentrale im Interview erzählt. Denn: Man müsse jedes Mal zurückrufen. Sollte sich niemand melden, weil Smartphones oft tief in den Taschen lägen, würde ihr Team zusätzlich den Standort überprüfen. Liege dieser auf einer Skipiste, erst dann würde man den Notruf ignorieren, weil vor Ort ebenfalls medizinisches Personal im Einsatz sei. Weiter sagt sie: „Diese automatischen Anrufe kosten unsere Mitarbeiter*innen, aber auch Polizist*innen und die Patrouillen auf den Pisten eine Menge Zeit. Ich glaube, unter all diesen automatischen Anrufen war kein einziger Notfall.“ Sie fordert daher, die Menschen müssten sich mehr mit ihren Smartphones auseinandersetzen, da mit dieser Funktion ein gewisses Maß an Verantwortung einhergehe.

Update soll Problem beheben

Deshalb hat sich auch der Leiter einer weiteren Notrufzentrale in der Nähe, auch mit ihm hat die Colorado Sun gesprochen, mit Apple in Verbindung gesetzt: „Schon im vergangenen Herbst haben wir über das Problem gesprochen. Mit wurde gesagt, es sei bekannt und dass bereits an einer Lösung gearbeitet werde. Sie planen im ersten Quartal des Jahres ein Update ausspielen zu können.“ Bislang habe sich allerdings nichts geändert, denn die Zahl falscher Notrufe würde auf einem gleichbleibend hohen Niveau verharren. Doch auch wenn die falschen Notrufe stören, hätten sie sich noch nicht auf die Einsatzfähigkeit der Rettungsdienste ausgewirkt.

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