Zahl der Verletzten in Boston steigt auf mehr als 260

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Ort einer Bombenexplosion in Boston

Bei dem Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon vor einer Woche sind nach neuen Angaben der Polizei insgesamt 264 Menschen mit Verletzungen ins Krankenhaus gekommen. Damit korrigierten die Behörden ihre Angaben von ursprünglich etwa 180 Verletzten deutlich nach oben. Drei Menschen wurden bei dem Anschlag getötet

Bei dem Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon vor einer Woche sind nach neuen Angaben der Polizei insgesamt 264 Menschen mit Verletzungen ins Krankenhaus gekommen. Damit korrigierten die Behörden ihre Angaben von ursprünglich etwa 180 Verletzten deutlich nach oben. Für die Tat werden die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder Dschochar und Tamerlan Zarnajew verantwortlich gemacht, die beide seit einigen Jahren in den USA gelebt hatten.

Grund für den Anstieg der Verletztenzahl sei, dass sich Menschen, die bei der Attacke nur leicht verletzt wurden, erst jetzt zur Behandlung in den Krankenhäusern meldeten, teilte die Polizei mit. Am Dienstag hätten sich noch 51 Anschlagsopfer im Krankenhaus befunden, teilte die Bostoner Gesundheitsbehörde mit. Durch die beiden Explosionen im Zielbereich des Marathonlaufs waren am Montag vergangener Woche auch drei Menschen getötet worden, darunter ein achtjähriger Junge.

Bei einer dramatischen Fahndung wurde der 26-jährige Tamerlan in der Nacht zum Freitag getötet. Der 19-jährige Dschochar wurde am Abend darauf schwer verletzt festgenommen. Ihm droht nach einer Anklage wegen des Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe die Todesstrafe.

Ein simpler Rechtschreibfehler verhinderte möglicherweise eine rechtzeitige Überprüfung der späteren Attentäter. Der ältere der beiden, Tamerlan, habe wegen eines falsch buchstabierten Namens unbemerkt nach Russland reisen können, sagte der republikanische US-Senator Lindsey Graham. Der Überlebende der beiden Brüder, Dschochar Zarnajew, wurde unterdessen durch Videoaufnahmen vom Tatort schwer belastet.

Graham führte aus, die US-Bundespolizei FBI habe ihn darüber informiert, dass Dschochars älterer Bruder Tamerlan Zarnajew den russischen Behörden und ihren US-Kollegen wohl auch durch einen Rechtschreibfehler nicht aufgefallen sei. "Wir wissen nicht, ob er ihn selbst falsch buchstabiert hat", sagte der Senator - oder ob es die russische Fluggesellschaft Aeroflot war, mit der Zarnajew einst flog.

Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf eine knapp sechsmonatige Reise, die Tamerlan Zarnajew im Jahr 2012 in die russische Kaukasusrepublik Dagestan führte. Dort sei er "mindestens vier Mal ins Visier der Sicherheitskräfte geraten", erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von örtlichen Behördenvertretern. Grund waren Treffen mit einem jungen Mann, der Verbindungen zur islamistischen Untergrundbewegung unterhielt.

Ein US-Regierungsvertreter sagte dem Sender CNN, vorläufige Vernehmungen des schwer verletzten Dschochar Zarnajew am Krankenbett deuteten darauf hin, dass beide Brüder dem Profil "selbst-radikalisierter Dschihadisten" entsprächen. Demnach habe der 19-Jährige angegeben, dass sein älterer Bruder Tamerlan "den Islam vor Angriffen schützen wollte".

Ein FBI-Agent erklärte unter Eid, dass Videoaufnahmen vom Tatort die zahlreichen Indizien gegen das Bruderpaar weiter erhärten. Darauf seien die beiden elf Minuten vor der ersten Explosion zu sehen, wie sie die Boylston Street entlang der Marathon-Strecke in Boston ablaufen. Die Bilder zeigten zudem, wie Dschochar Zarnajew die zweite Bombe platziere und nach der ersten Detonation seelenruhig den Schauplatz des Anschlags verlasse.

Bei der Suche nach den genauen Hintergründen der Tat nehmen die Ermittler jetzt neben Telefonverbindungen und Banküberweisungen auch die Computer der Beschuldigten unter die Lupe.