Suche nach mehr als 170 Vermissten nach Gletscherabbruch in Indien fortgesetzt

Jalees ANDRABI
·Lesedauer: 2 Min.
Unglücksort im indischen Himalaya

Nach der offenbar durch einen Gletscherabbruch ausgelösten Sturzflut im indischen Himalaya ist die verzweifelte Suche nach mehr als 170 Vermissten am Dienstag fortgesetzt worden. Hunderte Einsatzkräfte arbeiteten nach Behördenangaben die ganze Nacht durch und entfernten tonnenweise Schutt und Schlamm aus einem verschütteten Tunnel, in dem Überlebende vermutet wurden. Nach der Sturzflut vom Sonntag wurden bislang 31 Todesopfer geborgen.

Bis zum Morgen gruben die Einsatzkräfte unterstützt durch einen riesigen Bagger im Licht von Flutlichtern 120 Meter des verschütteten Tunnels frei, wie die örtlichen Behörden im Onlinedienst Twitter mitteilten. Auch Hubschrauber mit hochauflösenden Kameras, die Bilder vom Untergrund machen können, sowie Suchhunde waren im Einsatz.

"48 Stunden sind vergangen und es ist ein Rennen gegen die Zeit geworden", sagte der am Rettungseinsatz beteiligte Militärangehörige Vivek Sahai. "Wir hoffen, sie überleben, aber es gab bislang keinen Kontakt."

Rettungskräfte standen am Eingang des Tunnels bereit, um bei Entdeckung von Überlebenden diese sofort behandeln zu können. "Die Arbeit geht Tag und Nacht weiter. Es wird keine Pause geben", sagte AS Rathod von der örtlichen Straßenbaubehörde. Auch Polizeisprecher Banudutt Nair sagte, die Einsatzkräfte gäben die Hoffnung nicht auf. Sie vermuteten Luftlöcher in dem Tunnel, in denen die vermissten Arbeiter überleben könnten.

Bei den meisten Vermissten handelt es sich um Angestellte zweier in dem Tal gelegenen Kraftwerke. Zwölf Menschen konnten aus dem verschütteten Tunnel gerettet werden, 34 weitere wurden noch in dem 2,7 Kilometer langen, U-förmigen Tunnel vermutet.

Nach dem Abbruch des Gletschers im indischen Teil des Himalaya-Gebirges war am Sonntag der Dhauliganga-Fluss zu einer Sturzflut angeschwollen. Die Wassermassen rissen Brücken und Straßenabschnitte mit. Zwei Kraftwerke wurden unter den Fluten und Gesteinsmassen begraben. Zahlreiche Dörfer im nördlichen Bundesstaat Uttarakhand wurden evakuiert.

Die Gletscher in der Region schrumpfen wegen des Klimawandels seit Jahren in hohem Tempo. Laut einer 2019 veröffentlichten Studie könnten bis zum Jahr 2100 zwei Drittel der Gletscher im auch als "dritter Pol" bezeichneten Himalaya schmelzen, wenn die weltweiten Treibhausgasemissionen nicht drastisch gesenkt werden.

Weitere mögliche Gründe für das Ausmaß des Unglücks sind der Bau von Dämmen und das Ausbaggern von Flussbetten. Der Untergrund wurde außerdem durch das Abholzen von Bäumen für den Bau von Straßen destabilisiert.

yb/ju