"Superspreader-Idioten treffen sich zum Rudelkuscheln": Oliver Welke knöpft sich Leipzig-Demo vor

Jürgen Winzer
·Lesedauer: 4 Min.

Was ist von einem mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Satire-Fomat zu erwarten? Klartext! Diesem Ruf wurde die "heute-show" mal wieder gerecht. Es ging vor allem den Virusleugnern und Querdenkern verbal an den Kragen.

Oliver Welke, Anchorman der "heute-show" (ZDF), begann am Freitagabend mit einer Überraschung: nämlich guten Nachrichten! Donald Trump abgewählt. Und: Ein Impfstoff ist in greifbarer Nähe, noch dazu von einer deutschen Firma. "Was ist nur mit 2020 los?" Aber schon die dritte "gute Nachricht", nämlich dass es gelungen sei, am 11.11. in Köln den Karneval zu verhindern und Schunkelversuche zu unterbinden, klang dann schon nicht mehr so dolle. Und damit war's das dann auch schon mit frohen Botschaften.

Schön, der Impfstoff scheint zu kommen. Von einer Firma, die ihren Sitz unter der Mainzer Adresse "An der Goldgrube 12" hat. Welke: "Manches kann man sich einfach nicht besser ausdenken." Die EU habe schon 300 Millionen Impfstoff-Dosen geordert - und 100 davon seinen "für uns" vorgesehen. Wow, Germany first! Wie aber mit dieser Menge umgehen? Wer soll geimpft werden dürfen und wer nicht?

Deutschland vor Teilung in geimpfte und ungeimpfte Zone?

Der Lösungsansatz der "heute-show": Querdenker bräuchten ja weder Impfstoff noch Intensivbetten - weil es Corona (aus ihrer Sicht) ja gar nicht gibt! Wenn man alle Verschwörungstheoretiker und Party-Honks sowie alle Attila-Hildmann-Jünger und natürlich "das Ehepaar Wendler" von der Impfliste streiche, bliebe mehr Impfstoff und Notfallequipment für jene, die den Ernst der Lage akzeptieren: In den letzten zwei Wochen hätte sich die Zahl der Corona-Intensivpatienten auf über 3.000 verdoppelt, es fehlten vor allem "jede Menge" Pfleger. Welke betonte: "Man kann und soll über die Verhältnismäßigkeit der Coronamaßnahmen streiten, das machen wir auch jede Woche." Aber die eigentliche Gefahr "bleibt doch das Virus."

Richtig sauer reagierte Welke auf diejenigen unter den Corona-Leugnern, die Mitbürger anpöbelten, weil diese sich an die festgelegten Regeln hielten. Klare Aussage: "Was für blöde Wichser! Behaupten, sich für Grundrechte einzusetzen und schreien dann irgendwelche Leute an, nur weil sie Masken tragen." Vielleicht helfe eine neue Teilung Deutschlands. In eine geimpfte und eine ungeimpfte Zone. "Und die Ungeimpften kriegen dann, sagen wir mal, Baden-Württemberg."

"Land der Dichter und Querdenker"

"Ein Rätsel" nannte Welke, wie die Großdemo in Leipzig gegen die Corona-Maßnahmen habe genehmigt werden können. Während Gastronomen und Kulturstätten schließen müssten, durfte sich dort der "übliche Mix aus esoterisch angehauchten Impfgegnern plus eine Prise Wutbürger samt Nazibegleitung" treffen. Welke: "Superspreader-Idioten treffen sich zum Rudelkuscheln." Deutschland, so das Fazit, sei zum "Land der Dichter und Querdenker" verkommen. Und das sei, so die Botschaft, zum Kotzen.

Auch wenn es ein "langer, harter Winter" werde, so gehe es dem Land doch andererseits nicht so schlecht. Jedenfalls habe sich der DAX, des reichen Deutschen liebstes Kind, wieder erholt, vor allem Dank der Geldinfusionen der Regierung. So sei es möglich geworden, dass BMW einerseits die halbe Belegschaft in Kurzarbeit schicke, gleichzeitig den Aktionären aber 1,6 Millionen Euro an Dividenden auszahlen könne.

Auch für Horst Seehofer gehört der Islam jetzt zu Deutschland!

Anderes Problem: Wie wehrt sich Deutschland gegen das erschreckende Comeback des islamistischen Terrors? Grenzkontrollen, wie Merkel und Macron meinten? Das würde aber an den 620 Gefährdern, die bereits in Deutschland leben, nichts ändern. Langfristig helfe gegen Radikalisierung, so Welke, nur "mehr Integration und weniger Parallelgesellschaft." Das hat sogar der Innenminister eingesehen. Horst Seehofer, der ehedem noch mit dem Bonmot "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" auffiel, verkündete, dass Deutschland nun seine eigenen Imame ausbilde und "für seine muslimischen Bürgerinnen und Bürger sorge." Welke: "Toll. Man muss es auch mal loben, wenn sich einer weiter entwickelt."

Angesichts von 4,5 Millionen Muslimen in Deutschland, die "selbstverständlich zu Deutschland gehören" und von denen die überwältigende Mehrheit Extremismus ablehne, sei es allemal besser, eigene Imame auszubilden, als dies "Recep Erdogan und seiner Ditib-Behörde" zu überlassen.

"Das einzige heilige Buch in Deutschland ist das Grundgesetz"

Allerdings gebe es Missverständnisse, was Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit hierzulande bedeute. "Man kann Karikaturen (über Religionen oder Personen) furchtbar finden, sich drüber aufregen oder sie - crazy Vorschlag - einfach nicht anschauen, aber das läuft hier unter Kunstfreiheit." Und die, so Welke, "würden wir gerne behalten." Das Schöne an Deutschland sei: "Wir haben hier Meinungs- und Religionsfreiheit."

Dies erläuterte auch Gernot Hassknecht. "Hier darf jeder glauben, was er will. Aber religiöse Gefühle sind keine juristische Grundlage." Überhaupt gebe es in Deutschland nur "ein heiliges Buch" - das Grundgesetz.

Donald Trump: Ein Psychopath, der Chaos stiften will

Das Thema sei ein ernstes, in Amerika sei das Verhalten des abgewählten Präsidenten Donald Trump dagegen "nur noch albern". Der "orangene Höhlentroll" boykottiere die Machtübergabe. Der "Psychopath" wolle nur noch Chaos stiften und bekomme die volle Unterstützung der "gehirngewaschenen Trump-Sekte", die früher auch "Die Republikaner" genannt wurden. Trump verbreite Lügen, sein Anwalt Schwachsinn. "Was für eine Trümmertruppe." Noch hat der Noch-Präsident seine Niederlage nicht eingestanden, da gibt es in den USA schon den ultimativen Alptraum: dass Trump 2024 nochmals antreten will.