Syrien nimmt die Türkei bei Waffenruhe in die Verantwortung

Die Stadt Ariha in der Provinz Idlib am Freitag

Syrien hat die Türkei für den Erfolg einer neuen Waffenruhe in der nordwestsyrischen Region Idlib in die Pflicht genommen. Die Feuerpause sei "ein Test für die türkischen Absichten", sagte Syriens Unterhändler bei Friedensgesprächen in Kasachstan, Baschar Dschaafari, am Freitag. Das Abkommen zur Waffenruhe hänge davon ab, ob Ankara seinen Verpflichtungen nachkomme und für eine "Entwaffnung der Terroristen" sorge, bekräftigte Dschaafari.

Die syrische Regierung von Präsident Baschar al-Assad hatte am Donnerstag einer Waffenruhe für die Rebellenbastion Idlib zugestimmt. Als Bedingung wurde nach Angaben der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana der Abzug der Rebellen aus der entmilitarisierten Zone um Idlib genannt.

Eigentlich gilt für die Region bereits seit dem vergangenen September eine Waffenruhe. Eine damals im russischen Sotschi von der Türkei und Russland ausgehandelte Vereinbarung sah zudem die Schaffung einer entmilitarisierten Zone um Idlib vor, doch wurde das Abkommen nie vollständig umgesetzt.

Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mitteilte, hätten die Luftangriffe auf Idlib nach Verkündung der Waffenruhe aufgehört. Bei gegenseitigem Artilleriebeschuss sei allerdings ein Zivilist getötet worden. "Eine vorsichtige Ruhe herrscht seit kurz vor Mitternacht", sagte der Direktor der in London ansässigen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, der Nachrichtenagentur AFP.

In der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan fanden am Donnerstag und Freitag Syrien-Verhandlungen mit Vertretern Russlands, der Türkei und des Iran statt. Syrien wirft den Rebellen vor, Regierungsstellungen "aus von der Türkei kontrollierten Gebieten" unter Beschuss zu nehmen.

Der größte Teil der Provinz Idlib sowie einige Bezirke von Hama, Aleppo und Latakia stehen unter Kontrolle des syrischen Al-Kaida-Ablegers Hajat Tahrir al-Scham. Assads Truppen und ihre russischen Verbündeten fahren seit Ende April eine neue Offensive gegen die Dschihadisten und Rebellen in Idlib. Durch die Kämpfe wurden nach UN-Angaben mehr als 400.000 Menschen vertrieben.

Seit dem Beginn des Kriegs in Syrien im Jahr 2011 sind 370.000 Menschen getötet und Millionen weitere vertrieben worden.