Syrien setzte angeblich Bomben mit tödlichem Gas ein

NGO berichtet von sechs Toten in Homs

Syrische Regierungstruppen haben nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten im Kampf gegen Rebellen in Homs Bomben mit einem tödlichen Gas eingesetzt. Nach Berichten von Oppositionellen in der zentralsyrischen Stadt seien sechs Rebellen am Sonntag gestorben, nachdem sie ein geruchloses Gas und weißen Rauch eingeatmet hätten, erklärte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. In der Gegend habe sich Gas ausgebreitet, nachdem Regierungstruppen Sprengsätze geworfen hätten, die weißen Rauch absonderten, sobald sie eine Mauer trafen.

Laut der Beobachtungsstelle wurden die Gasbomben bei Straßenkämpfen eingesetzt. "Denjenigen, die das Gas einatmeten, wurde übel und sie bekamen starke Kopfschmerzen", erklärten die Aktivisten weiter. Manche hätten Schwindelanfälle oder epileptische Krämpfe bekommen. Möglicherweise handele es sich um ein bislang noch nie eingesetztes Gas. Der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Telefon, "es handelt sich nicht um eine chemische Waffe, aber wir wissen nicht, ob sie international verboten ist oder nicht".

Die Beobachtungsstelle rief das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) auf, dringend spezialisierte Ärzte nach Homs zu schicken, um Verletzten zu helfen und einen Bericht über das Gas zu verfassen. Auch das Rebellennetzwerk Lokale Koordinierungskomitees (LCC) berichtete vom Einsatz von Gasbomben durch die Regierungstruppen in Homs. Das Gas führe zu großen Atembeschwerden und einer Verengung der Iris, erklärten die Komitees.

Zuvor hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow gewarnt, ein Einsatz chemischer Waffen wäre für die syrische Führung "politischer Selbstmord". Syriens Präsident Baschar al-Assad machte der russischen Führung gegenüber laut Lawrow wiederholt die Zusage, dass der Einsatz von Chemiewaffen in dem Konflikt nicht angeordnet werde.

Derweil kündigte der Emir von Kuwait an, dass Ende Januar eine Geberkonferenz für Syrien stattfinden werde. Er habe UN-Generalsekretär sein Einverständnis damit übermittelt, dass diese Konferenz in seinem Land ausgerichtet werden solle, um humanitäre Hilfe für das syrische Volk zu organisieren, erklärte Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah am Montag. Die Vereinten Nationen hatten vor wenigen Tagen einen Hilfsappell über rund 750 Millionen Euro gestartet, um den syrischen Flüchtlingen und weiteren Syrern, die vom Konflikt betroffen sind, zu helfen.

Derweil nahm der internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi Gespräche mit dem von der syrischen Führung tolerierten, oppositionellen Nationalen Koordinierungskomitee für den Demokratischen Wandel (NCB) auf. Brahimi traf in Damaskus NCB-Chef Hassan Abdel Asim, der unter anderem von Mohammed Abu Kassem von der Tadamun-Partei begleitet wurde. Das NCB vereint arabische Nationalisten, Kurden, Sozialisten und Marxisten. Die Gruppierung ist strikt gegen eine Militärintervention von außen. Das NCB ist nicht an den Syrischen Nationalrat (SNC) angebunden, die größte und repräsentativste Oppositionsgruppe Syriens.

Derweil bekräftigten die örtlichen Koordinierungskomitees (LCC) der Aufständischen, Assad und "alle politischen, militärischen und sicherheitspolitischen Verantwortlichen" müssten abtreten. Sie lehnten "jeden Plan ab, der den Pfeilern dieses Regimes Immunität gäbe, weil das alle Chancen auf eine politische Versöhnung zerstören würde", erklärten die LCC.

In der Nähe von Damaskus töteten Rebellen nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte einen Geheimdienstoffizier. Derweil nahm die Armee erneut Viertel im Süden von Damaskus unter Beschuss, in denen sich Aufständische verschanzt haben. Im Nordwesten des Landes eroberten Aufständische das Dorf Harem in der Provinz Idlib. Sie hätten nach mehreren Monaten der Belagerung die Kontrolle über die Ortschaft übernommen, erklärte die Beobachtungsstelle.

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