Tödlicher Sektenkult in Kenia: Menschenrechtskommission gibt Behörden Mitschuld

Der Tod von mehr als 400 Mitgliedern einer Sekte in Kenia hätte laut einer Untersuchung verhindert werden können, wenn die Behörden "glaubwürdige Berichte" über die Gefahren des Fastenkults ernst genommen hätten. (Yasuyoshi CHIBA)
Der Tod von mehr als 400 Mitgliedern einer Sekte in Kenia hätte laut einer Untersuchung verhindert werden können, wenn die Behörden "glaubwürdige Berichte" über die Gefahren des Fastenkults ernst genommen hätten. (Yasuyoshi CHIBA)

Der Tod von mehr als 400 Mitgliedern einer Sekte in Kenia hätte laut nationaler Menschenrechtskommission verhindert werden können, wenn die Behörden "glaubwürdige Berichte" über die Gefahren des Fastenkults ernst genommen hätten. Die Behörden hätten sich in dem Fall "Nachlässigkeiten" zu Schulden kommen lassen, erklärte die Menschenrechtskommission (KNCHR) am Freitag. Im vergangenen Jahr waren im Shakahola-Wald nahe der Stadt Malindi die Leichen von 429 Sekten-Anhängern entdeckt worden.

Der selbst ernannte Sektenanführer Paul Nthenge Mackenzie hatte seine Anhänger aufgerufen, sich zu Tode zu hungern, um "Jesus zu begegnen". Autopsien ergaben, dass der Großteil der Opfer im Shakahola-Wald verhungerte. Andere, darunter Kinder, schienen erwürgt, erschlagen oder erstickt worden zu sein. Nur 67 Erwachsene und 25 Kinder wurden nach Behördenangaben gerettet.

Die staatliche Menschenrechtskommission warf den örtlichen Behörden nun "grobe Pflichtverletzung und Nachlässigkeit" vor. "Sie haben es nicht nur versäumt, proaktiv vorzugehen, indem sie Beweise sammeln und entsprechend handeln, um das Shakahola-Massaker zu verhindern, sie haben es auch auf nicht zu rechtfertigende Weise versäumt, auf glaubwürdige und justitiable Berichte zu reagieren", sagte die KNCHR-Vorsitzende Roseline Odede bei einer Pressekonferenz in Nairobi.

Die Radikalisierung von Sektenführers Mackenzie, der früher Taxifahrer war, hätten die Behörden auch nicht genügend beachtet, kritisierte die Kommission weiter. So habe eine frühere Anhängerin von Mackenzie "verzweifelt" versucht, Alarm zu schlagen, ihre Warnungen seien aber in den Wind geschlagen worden. "Statt die Wahrhaftigkeit der genannten Aspekte zu untersuchen, wurde die Dame eingeschüchtert, nachdem ihr vorgeworfen wurde, haltlose Anschuldigungen vorzubringen", kritisierte Odede.

Die Kommission bedauerte, "dass keine Sanktionen bekannt sind gegen die Beamten, die ihre Pflicht verletzt haben, hunderte Menschen, darunter Kinder, zu schützen". Die Leidtragenden dieses Versäumnisses seien "jetzt entweder vermisst, tot oder schwer traumatisiert".

Mackenzie war im April 2023 festgenommen worden, im vergangenen Monat wurde er mit mehreren anderen Verdächtigen wegen 191-fachen Mordes angeklagt. Zuvor war bereits Anklage wegen Terrorismus, Totschlags sowie der Folter und Misshandlung von Kindern gegen ihn erhoben worden. Laut einem Untersuchungsbericht des Senats war gegen Mackenzie schon 2017 wegen extremer Predigten ermittelt worden, aber das Strafrecht habe ihn nicht "von seinen schrecklichen Aktivitäten abhalten können".

In der kommenden Woche will die kenianische Regierung damit beginnen, die exhumierten Leichen von Mackenzies Opfern an ihre Angehörigen zu übergeben.

yb/jes