Tönnies bricht sein Schweigen: "Voll in die Hose gegangen"

SPORT1

Am Tag seiner offiziellen Rückkehr in das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden beim FC Schalke 04 hat Clemens Tönnies noch einmal Stellung zu seiner Skandal-Rede und der folgenden dreimonatigen Auszeit bezogen.

Diese habe ihm "schon viele Gedanken gebracht: Über das, was ich gesagt habe insgesamt, darüber, wie ich es eigentlich gemeint habe, und wie es insgesamt aufgenommen wurde", erklärte Tönnies in einem Video-Interview auf dem YouTube-Kanal der Königsblauen.


Der 63-Jährige betonte: "Ich habe es ganz bestimmt nicht böse gemeint. Ich habe es nicht beleidigend gemeint oder verletzend. Deswegen bin ich auch sofort angetreten und habe mich entschuldigt - und tue das jetzt noch mal: Wenn ich jemandem wehgetan haben soll oder wenn sich jemand verletzt gefühlt hat, dann bitte ich ihn aufrichtig um Entschuldigung, weil ich nicht der bin, der trennt, sondern eher der bin, der vereint."

Tönnies mit Rassismus-Eklat bei "Tag des Handwerks"

Beim "Tag des Handwerks" in Paderborn hatte Tönnies Anfang August mit rassistischen Aussagen für einen Eklat gesorgt.

"Warum gehen wir eigentlich nicht her und geben das Geld dem Gerd Müller, unserem Entwicklungsminister, und der spendiert jedes Jahr 20 große Kraftwerke nach Afrika?", hatte Tönnies dort gefragt und erklärt: "Dann hören die auf, die Bäume zu fällen, hören auf, wenn's dunkel ist, wenn wir sie nämlich elektrifizieren, Kinder zu produzieren."


Anschließend hagelte es reihenweise Kritik unter anderem von Ex-Profis, Politikern und Fans. Viele davon kritisierten unter anderem, dass sich Tönnies auch in einer anschließenden Erklärung nie bei den Menschen entschuldigt habe, die er mit seinen Aussagen beleidigt hatte.

Ehrenrat von Schalke 04 verordnet Tönnies Auszeit

Trotz zahlreicher Rücktrittsforderungen entschied der Schalker Ehrenrat jedoch, dem Aufsichtsratsvorsitzenden lediglich eine dreimonatige Auszeit aufzuerlegen.

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"Es war eine harte Zeit, das muss ich ganz klar sagen", klagte Tönnies nun über jene Auszeit: "Ich hätte es nicht erwartet, dass ich wirklich ein Stück weit leide, nicht dabei zu sein, mich in eine angeordnete Abstinenz zu bewegen, draußen zu sein."

Er sei "von der Wucht der Reaktionen total erschlagen" gewesen: "Ich habe einen Fehler gemacht, ja - und ich stehe für diesen Fehler ein."

In den vergangenen Monaten habe er viele Gespräche geführt und auch sich selbst hinterfragt. Wenn er anderen Menschen seine Aussagen erklärt habe, seien ihm viele in seiner Argumentation gefolgt, berichtete Tönnies nun.


Er habe sich in all den Gesprächen jedoch nie rechtfertigen wollen, seine verbale Entgleisung hätte ihm angesichts seiner Erfahrung mit Medien und vor Publikum nicht passieren dürfen. "Es sollte eine besondere Bedeutung bekommen - und es ist voll in die Hose gegangen", meinte Tönnies rückblickend über seinen Auftritt in Paderborn.

Schalke-Boss Tönnies: "Mir geht es um Afrika"

Zugleich stellte er in dem Video-Interview klar: "Mir geht es um Afrika. Ich bin fest überzeugt, und da sehe ich uns alle in Europa insbesondere in der Pflicht, etwas für Afrika zu tun. Das habe ich auch damit gemeint."

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Er sei "derjenige, der bei jeder Anti-Rassismus-Kampagne als allererstes oder mit als allererstes das Plakat hochhält und sagt: Das darf auf Schalke keinen Einzug halten!"

Die ganze Gesellschaft müsse sich viel mehr gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen - und sollte das gewollt sein, wäre er dabei "gerne eines der Gesichter und stehe in erster Reihe, weil ich ganz einfach sage: Das ist etwas, das brauchen wir im Jahr 2019 oder bald 2020 nicht mehr."