Töten ohne Grund: Forscher rätseln über einen Baum, der sich völlig widernatürlich verhält

Lisa Schönhaar
birdcatcher tree

In der Natur ergibt alles einen Sinn. Tiere und Pflanzen folgen einem immer gleichen Muster, das für uns Menschen vielleicht nicht sofort durchschaubar ist, aber nur einem Zweck dient: Fortpflanzung.

Es gibt Pflanzen, die schicken ihre Samen durch die Lüfte, um sie zu verbreiten. Andere setzen auf Tiere, die Pflanzensamen fressen und sie schließlich an einem anderen Ort wieder ausscheiden. Es gibt sogar Pflanzen, wie etwa die südafrikanischen Silberbaumgewächse oder die australischen Myrtengewächse, die sehr feste, verholzte Früchte haben und auf ein Feuer angewiesen sind, um ihre Samenkapseln öffnen zu können.

Die Natur beherbergt auch schmarotzerische Parasiten, die für ihre Fortpflanzung andere Organismen umbringen. Doch es gibt eine Baumart, die Vögel tötet — ohne klar ersichtlichen Grund.

Pisonia heißt die Pflanze, die auf den tropischen Inseln des Indischen und Pazifischen Ozeans wächst, und Forschern bis heute Rätsel aufgibt. Wie „SciencAlert“ berichtet, sind die Samen der Pflanze besonders klebrig. Diese Art der Reproduktion ist nicht ungewöhnlich für manche Pflanzenarten. Die Samen bleiben an dem Fell oder Gefieder von Tieren hängen und werden so weitergetragen und verbreitet.

Doch die Pisonia scheint diesem Muster nicht zu folgen: Ihre Samen bleiben in so großer Anzahl an dem Gefieder von kleineren Vögeln wie etwa der Noddi-Seeschwalbe hängen, dass sie diese am Fliegen hindern. Als Folge werden die Vögel, die oftmals in den Bäumen nisten, entweder von Raubtieren am Boden gefressen oder sterben einen langsamen Tod in der Nähe des Baumes oder in seiner Baumkrone. Dabei wirken sie wie „makabere Christbaum-Ornamente“, so Jason Bittel von der „Washington Post“.

Die Häufigkeit, in der das passiert, hat dem Baum den makaberen Spitznamen „Birdcatcher Tree“ (Vogelfangbaum) eingebracht.

Der Forscher Alan Burger von der University of Victoria in Kanada untersuchte das widernatürliche Verhalten des Baums vor Ort. Mehr als zehn Monate lang führte er verschiedene Experimente durch, um herauszufinden, welchen Nutzen die Pisonia aus ihrer mörderischen Verhaltensweise zieht.

Burger ging zunächst von dem naheliegenden Gedanken auss aus, die verwesenden Körper der Vögel könnten womöglich als Dünger für die Samen dienen. Allerdings konnte er kein besseres Wachstum der Samen dadurch feststellen. Im Gegenteil: Die Exkremente der lebenden Vögel waren von größerem Nutzen für das Saatgut.

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Die Vermutung, die leblosen Körper könnten als eine Art Floß dienen, um die Samen über Gewässer zu transportieren, erwies sich ebenfalls als falsch — die Samen gingen schon nach kurzer Zeit auf dem Wasser ein. 

Bis heute konnten Forscher nicht herausfinden, welchem Zweck das Töten der Vögel dient. Pisonia gibt den der Menschheit bis heute Rätsel auf.

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