Erneut Hubschrauber der syrischen Armee abgeschossen

1 / 2
Ein syrischer Milizenkämpfer mit einem Wrackteil des Hubschraubers

Inmitten der wachsenden Spannungen zwischen Ankara und Damaskus ist im Nordwesten Syriens am Freitag erneut ein Hubschrauber der syrischen Armee abgeschossen worden. Der feindliche Angriff habe sich nahe Orum al-Kobra ereignet, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf Militärkreise. Aktivisten machten die türkische Armee verantwortlich, später reklamierte aber das protürkische Rebellenbündnis Nationale Befreiungsfront den Abschuss für sich. Derweil rückten die syrischen Regierungstruppen weiter gegen die verbliebenen Milizen-Hochburgen vor.

Sana berichtete, der Angriff sei aus einem Gebiet verübt worden, "wo von der Türkei unterstützte bewaffnete terroristische Gruppen stationiert" seien. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, der Raketenangriff sei von der türkischen Armee verübt worden und habe die beiden Hubschrauberpiloten getötet. Später bekannte sich die mit der Türkei verbündete Nationale Befreiungsfront in einer Erklärung im Messengerdienst Telegram zu dem Angriff.

Bereits am Dienstag war in der umkämpften nordsyrischen Provinz Idlib ein Militärhubschrauber der Regierungstruppen abgeschossen worden. Dabei starben ebenfalls die beiden Piloten und auch in diesem Fall schrieb die Beobachtungsstelle den Angriff der Türkei zu. Türkischen Medien zufolge steckten aber protürkische Rebellen dahinter.

Im Nordwesten Syriens, wo sich die letzten Bastionen der islamistischen und dschihadistischen Milizen befinden, spitzt sich derzeit die militärische Konfrontation zwischen der türkischen Armee und den syrischen Streitkräften zu. Der syrische Machthaber Baschar al-Assad ist entschlossen, die Region wieder unter seine Kontrolle zu bringen, und wird dabei von Russland unterstützt.

Nach tödlichen Angriffen auf türkische Stellungen in Idlib drohte Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch mit Angriffen "überall" in Syrien, sollten die türkischen Soldaten erneut unter Beschuss geraten.

Die syrischen Regierungstruppen rückten am Freitag weiter gegen die Milizen-Hochburgen vor. Assads Streitkräfte eroberten nach heftigen Gefechten eine Militärbasis im Westen der Provinz Aleppo zurück, die vor sieben Jahren an die Milizen gefallen war, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Auf dem Stützpunkt waren auch türkische Truppen stationiert. Diese hatten sich den Angaben zufolge jedoch bereits am Donnerstag zurückgezogen.

Laut dem Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, wollen Assads Truppen einen "Sicherheitsgürtel" rund um die Autobahn einrichten, die Aleppo mit Damaskus verbindet und die vergangene Woche von den Regierungstruppen vollständig eingenommen wurde. Dafür müssten sie laut Rahman die Orte Orum al-Kubra und Kafr Naha erobern.

Die Truppen befänden sich derzeit nur zwei Kilometer von Orum al-Kobra entfernt, sagte Rahman. Außerdem seien sie bis auf fünf Kilometer auf die Stadt Atareb vorgerückt.

Acht Zivilisten starben am Freitag nach Angaben der Beobachtungsstelle bei Bombenangriffen, darunter drei Kinder. Fünf der Todesopfer starben demnach bei russischen Luftangriffen auf das Dorf Maarata nahe Atareb.

Assads Truppen kontrollieren inzwischen mehr als 70 Prozent des Landes und wollen insbesondere die Provinz Idlib vollständig zurückerobern. Mehr als die Hälfte der Provinz sowie Teile der angrenzenden Provinzen Hama, Aleppo und Latakia werden derzeit noch vom früheren Al-Kaida-Ableger Hajat Tahrir al-Scham (HTS) und anderen islamistischen Milizen kontrolliert. Seit Dezember sind nach UN-Angaben mehr als 800.000 Menschen aus der umkämpften Region Idlib geflohen.

Vier europäische Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, darunter Deutschland, forderten am Freitag ein sofortiges Ende der Militäroffensive in Idlib. Insbesondere die syrischen Regierungstruppen und ihre Verbündeten müssten ihre Angriffe stoppen, einer dauerhaften Waffenruhe zustimmen und die Zivilbevölkrung schützen, erklärten die nicht-ständigen Sicherheitsratsmitglieder Deutschland, Estland und Belgien sowie die Vetomacht Frankreich.