Türkei schiebt siebenköpfige deutsche Familie nach Deutschland ab

IS-Kämpfer nach der Gefangennahme in Ostsyrien

Die Türkei hat am Donnerstag eine siebenköpfige deutsche Familie abgeschoben, der Verbindungen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen werden. Die sieben Deutschen seien nach Berlin ausgewiesen worden, teilte das türkische Innenministerium mit. Medienberichten zufolge kehrte die Familie aus dem niedersächsischen Hildesheim in einem gewöhnlichen Flug von Turkish Airlines nach Berlin-Tegel zurück.

Die Nachrichtenagentur DHA veröffentlichte ein Video, auf dem mehrere Männer und vier schwarz verschleierte Frauen aus einem Fahrzeug der türkischen Gendarmerie aussteigen und eine Treppe zu einem Flugzeug von Turkish Airlines hochgehen. Eine der Frauen hält offenbar ein Baby auf dem Arm. Der Flug sollte am späten Nachmittag in Berlin-Tegel eintreffen. Laut DHA wurden nur sechs Deutsche mit dem Flug abgeschoben.

Die Türkei hatte kürzlich angekündigt, mit der Ausweisung inhaftierter ausländischer IS-Anhänger in ihre Heimatländer zu beginnen. Am Montag wurde ein erster Deutscher abgeschoben, doch hatte er keine Verbindung zur IS-Miliz. Am Freitag sollen zwei deutsche Frauen folgen, deren Männer der IS-Miliz angehört hatten und die während der türkischen Offensive in Nordsyrien aus einem Gefangenenlager bei Ain Issa geflohen waren.

Bei den sieben Deutschen, die am Donnerstag nach Berlin abgeschoben wurden, handelt es sich um ein Paar aus dem salafistischen Milieu in Hildesheim mit fünf teils erwachsenen Kindern. Sie waren erst Anfang des Jahres in die Türkei ausgereist, offenbar um nach Syrien zu gelangen. Die Familie wurde jedoch von den türkischen Behörden festgenommen und in Erwartung ihrer Ausweisung in Abschiebehaft genommen.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, seiner Kenntnis nach bestehe kein IS-Bezug. Es stünden viele Organisationen zur Deradikalisierung und Reintegration bereit. Der CDU-Innenexperte Armin Schuster sagte der RTL-Mediengruppe, die Hildesheimer seien keine "hochkarätigen Gefährderfälle", doch auch "nicht ungefährlich". Die Behörden seien "routiniert darin, solche Personen in Empfang zu nehmen" und zu überwachen.

Auch die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Irene Mihalic, sagte dem SWR, der Fall sei grundsätzlich nichts Neues. Die deutsche Polizei und Justiz hätten bereits Erfahrung mit Rückkehrern aus dem IS-Umfeld. Der FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae warf der Bundesregierung dagegen vor, "nach wie vor ohne ein vernünftiges Sicherheitskonzept" dazustehen. Offenbar wolle die Große Koalition das Thema "einfach aussitzen".

Wie das türkische Innenministerium mitteilte, wurde am Donnerstag auch ein Brite in seine Heimat ausgewiesen. Laut der Zeitung "Hürriyet" will die Türkei zunächst 959 Verdächtige abschieben, darunter knapp 600 Iraker und Syrer, aber auch rund 30 Bürger europäischer Staaten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte seinerseits, dass sich insgesamt 1216 IS-Anhänger aus 40 Ländern in türkischer Haft befänden.

Ein mutmaßlicher US-Dschihadist, der seit Montag an der türkisch-griechischen Grenze festsitzt, sollte derweil in die USA abgeschoben werden. Der Prozess zur Ausweisung des "ausländischen terroristischen Kämpfers" habe begonnen, nachdem die USA seine Rückkehr sowie die Ausstellung eines Reisedokuments akzeptiert hätten, erklärte das türkische Innenministerium laut der Nachrichtenagentur Anadolu.