Türkei: Die sogenannte Spitzelliste ist eine perfide Strategie

Mit der Liste sät der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bewusst Zwietracht, meint Ulrich Kraetzer.

Spannungen gab es in der deutsch-türkischen Community schon immer – und die Konfliktlinien waren dieselben wie am Bosporus: Kurden wurden von nationalistischen "Grauen Wölfen" als "Separatisten" diskreditiert. Säkulare "Kemalisten" mussten sich von Fundamentalisten als "Ungläubige" beschimpfen lassen. Die Spannungen im deutschen "Exil", das für viele Türken längst zur Heimat geworden ist, blieben aber überschaubar. Viele Hauptstädter mit türkischen Wurzeln haben sich für die Streitereien schlicht nicht mehr interessiert.

Seit Recep Tayyip Erdogan ist das anders. Mit seiner "Stolzer-Türke-oder-Terrorist"-Rhetorik hat der türkische Präsident die Konflikte neu entfacht. Mit voller Absicht. Denn die Eskalation diente ihm dazu, einen "Kampf gegen den Terror" auszurufen. Dieser muss als Vorwand herhalten – damit Erdogan als "starker Mann in unsicheren Zeiten" seine Machtfülle ausdehnen kann.

Mit dieser Strategie macht Erdogan auch an den türkischen Grenzen nicht halt. Denn noch bis Sonntag können auch Türken, die in Deutschland leben, abstimmen, ob der mächtige Präsident noch mehr Macht erhalten soll. Ganz bewusst, und nicht versehentlich oder aus Naivität, haben die Handlanger seines Geheimdienstes den deutschen Behörden deshalb die "Spitzelliste" mit den Namen (vermeintlicher!) "Terroristen" zugesteckt.

Mit dieser Liste, auf der nicht nur 25, sondern sogar 60 Berliner stehen, wie die Polizei am Sonnabend mitteilte, hat das Erdogan-Regime auch hierzulande Zwietracht gesät. Denn auch ...

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