Türkische Gemeinde: Erdogan-Gegner werden in Deutschland eingeschüchtert

Referendumsgegner vor der türkischen Botschaft in Berlin

Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat beklagt, dass Gegner der Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und der von ihm gewünschten Verfassungsreform auch hierzulande eingeschüchtert würden. "Gegner des Referendums werden als Vaterlandsverräter oder sogar Terroristen denunziert", sagte der Gemeinde-Vorsitzende Gökay Sofuoglu der "Heilbronner Stimme" (Samstagsausgabe). Gleichwohl sieht er derzeit einen Vorsprung der Gegner des Präsidialsystems, mit dem Erdogan seine Machtbefugnisse erweitern will.

Insbesondere türkische Unternehmer und Akademiker in Deutschland hätten Angst, sich öffentlich gegen das Referendum zu positionieren, sagte Sofuoglu weiter. Sie fürchteten wirtschaftliche Konsequenzen in ihrer Heimat. Dennoch gebe es aber eine breite Bewegung aus unterschiedlichen Gruppen für ein "Nein" bei dem Referendum im April über die Verfassungsreform. "In der Öffentlichkeit hier werden vor allem die Veranstaltungen der AKP wahrgenommen", sagte Sofuoglu, "aber das Nein-Lager in Deutschland ist sehr stark."

Die Nazi-Vergleiche und andere Provokationen Erdogans und seiner Minister wertete Sofuoglu als Akte der Verzweiflung. "Erdogan hat große Angst, das Referendum zu verlieren", sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde. Bislang habe der türkische Präsident Wahlen immer gewonnen, "indem er Feindbilder geschürt hat". Mit seinen Nazi-Vergleichen und anderen Ausfällen gegen Deutschland und die Niederlande sei er aber zu weit gegangen und auch in Deutschland werde "seine Strategie durchschaut".

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