Türkischer Präsident zu Überraschungsbesuch in Tunesien

Erdogan und sein tunesischer Kollege Saïed (re.)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Mittwoch überraschend Tunesien besucht. Er habe mit seinem tunesischen Kollegen Kaïs Saïed über den Konflikt in Libyen gesprochen, sagte Erdogan vor Journalisten in der Hauptstadt Tunis. Ziel sei es, in Libyen möglichst schnell einen Waffenstillstand zu erreichen und "den politischen Prozess wieder in Gang zu bringen".

Tunesien teilt sich eine lange Grenze mit dem nordafrikanischen Krisenstaat Libyen. Das türkische Parlament hatte kürzlich grünes Licht für ein umstrittenes Militärabkommen mit der international anerkannten Regierung in Tripolis gegeben. Der Vertrag ebnet den Weg für eine noch stärkere Rolle der Türkei in Libyen, wo seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos herrscht.

Am Sonntag hatte Erdogan erklärt, er werde die Militärunterstützung für Libyen überprüfen und gegebenenfalls ausweiten. Die Türkei liefert den libyschen Regierungstruppen im Kampf gegen die Truppen von General Chalifa Haftar bereits Panzer und Drohnen. Einen Einsatz türkischer Kampftruppen in Libyen sieht das Militärabkommen allerdings nicht vor.

Haftars Truppen versuchen seit Monaten mit Gewalt die Macht in der Hauptstadt Tripolis zu übernehmen. Der General wird dabei von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten unterstützt.