TÜV Süd sieht keine "juristische Verantwortung" für Dammbruch in Brasilien

Der TÜV Süd hat eine juristische Verantwortung für den verheerenden Dammbruch in Brasilien vor rund einem Jahr zurückgewiesen. Das Unternehmen sei der Überzeugung, dass es "keine juristische Verantwortung für dieses Unglück" treffe, erklärte die Sprecherin einer vom TÜV Süd beauftragten Agentur am Samstag. Sie fügte hinzu, das Unternehmen werde sich "entschieden gegen Schadensersatzklagen verteidigen".

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ermittelt die für große Wirtschaftsverfahren zuständige Staatsanwaltschaft München I aufgrund einer Strafanzeige vom Oktober 2019 gegen den TÜV Süd. Ein Team der Staatsanwaltschaft und der Polizei solle dafür im Frühjahr vor Ort untersuchen, warum der Staudamm zerbarst und welche Rolle dabei der TÜV Süd spielte, berichtete die Zeitung am Samstag; die Zentrale des inzwischen weltweit tätigen Prüfunternehmens befindet sich in München.

Ermittelt wird demnach gegen einen deutschen Ingenieur wegen mehrerer mutmaßlicher Delikte, darunter fahrlässige Tötung und Bestechung. Gegen einen Compliance-Manager des TÜV Süd laufe zugleich ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, das den Konzern viel Geld kosten könnte, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" weiter.

Fünf Mitarbeiter der brasilianischen Filiale des TÜV Süd sowie elf Vertreter des Baukonzerns Vale sind in Brasilien wegen vorsätzlicher Tötung und schwerer Umweltverstöße angeklagt. Der Gerichtshof des Bundesstaats Minas Gerais ließ am Freitag die Klage zu, der Prozess dürfte bald beginnen.

Das Zertifizierungsunternehmen erklärte am Samstag, das "schreckliche Unglück vom 25. Januar 2019" habe es tief betroffen gemacht, seine Gedanken seien "weiterhin bei den Opfern und ihren Angehörigen". Eine detaillierte Stellungnahme lehnte es mit Hinweis auf die "laufenden Verfahren" jedoch ab.

Der Dammbruch im Vale-Bergwerk Córrego do Feijão nahe der Kleinstadt Brumadinho war eines der schwersten Unglücke in der Geschichte Brasiliens. 13 Millionen Kubikmeter Bergbauschlamm ergossen sich damals in die Umgebung, 270 Menschen kamen ums Leben.