Tag 2 im Dschungelcamp: “An euch haben wir bislang viel Freude“

Johannes Giesler
Freier Autor
„Weiter und weiter und weiter“ – die Dschungelsekte um Bastian Yotta chantet am Morgen ihre Wünsche in den Wald. Foto: MG RTL D

Brofight, eine Heulsuse, der Miracle-Morning, Spinnenalarm, Dschungelprüfung: Es ist viel los am zweiten Tag in der Dschungel-Irrenanstalt von RTL. So richtig ans Herz geht das alles aber noch nicht, dafür sind die Bewohner noch zu glatt.

Die Dschungel-Gladiatoren richten sich langsam ein im Camp. Sie wehren sich gegen die wilde Natur: GZSZ-Jonas (oder Felix) sieht eine Spinne angriffslustig zwischen den Betten herumkrabbeln, die ist “soooo riesig ist, grau mit einem Kreuz hinten drauf, mit ganz langen Beinen“, dass er heldenmutig einen Ranger ruft. “Digga. Alta. Ranger! Spinneee!“ Der rettet den Soap-Star auch sofort.

Doch wenig später, als Currywurst-Chris das gleiche versucht, weil neben seinem Bett eine Spinne hockt und kein Ranger angerannt kommt, er deshalb sogar mit dem Dschungeltelefon anruft, weil “kein Kackvogel“ von RTL kommt, winkt der Sender ab. Nö, die ist nicht gefährlich. “Wie könnt ihr das überhaupt sehen? Durch die Kamera? Wollt ihr mich verarschen?“ RTL lernt eben schnell, wie man Unmut verbreiten kann.

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Miracle-Morning und (fast) Brofight

Wobei der Chris diesen schon mitgebracht hat. Offensichtlich gibt es eine Vorgeschichte mit einem anderen Camp-Mitbewohner: dem selbsternannten Geld-Millionär, Amerika-Auswanderer, Buchautor, Instagram-Dreiviertel-Millionär, Snapchat-noch-nicht-ganz-so-erfolgreich-Star, Fitnesscoach und ehemaligem Adam-und-Eva-Gewinner-Teilnehmer Bastian Yotta (Gillmeier). Der auch noch kurz vor Dschungelantritt bei der Einreise nach Deutschland wegen des Vorwurfs von Steuerhinterziehung für einen Tag in Untersuchungshaft saß. Mit dem jedenfalls hapert es für Chris gewaltig im täglichen Umgang. Ein noch nicht ausgebrochener Rosenkrieg liegt da in der Luft, den wird RTL aber schon noch angezettelt bekommen. Zu allem Überfluss ist es dann auch noch Bastian, der die Terror-Spinne von Chris entfernt. “Christian, du bist safe. Ich habe dich gerettet.“ Der spart sich eine Volte, bricht dann aber wenig später aus, als es wieder vor der Tagebuch-Kamera sitzt: “Hat der Affe wieder seine Bühne bekommen. Der hat im Vorfeld gesagt, ich solle meinen Mops ficken. Dass meine Frau abgehauen sei, weil ich schwul sei und keinen hochkriege. Sowas sagt niemand zu mir, ohne sich zu entschuldigen. Ich kenne ihn und seine Situation. Den hätten sie mal besser in Frankfurt im Gefängnis lassen sollen.“

Zwei Campbewohner jagen Motten. Die Flatterviecher stellen sich dann eher als Schmetterlinge heraus. Nach beidem sollte man aber eigentlich nicht mit einem Stock schlagen. Foto: MG RTL D

Wobei ohne Bastian Millionen Fernsehzuschauer auf die bislang absurdesten Dschungelmomente hätten verzichten müssen: Die Miracle-Mornings. Auch am zweiten Tag scharen sich wieder die Jünger um den Muskelberg, der andächtig die Sektenmesse liest. “Es geht mir von Tag zu Tag, in jeder Hinsicht besser und besser und besser.“ Das chantet er allein, dann alle zusammen. Faszinierend. Teil zwei ist die Visualisierung: “Ich möchte heute mit einem glücklichen Lächeln einschlafen und wissen, dass ich alles gegeben habe. Und ich möchte, egal, wer in die Dschungelprüfung geht, dass wir zwölf Sterne holen.“ Tommi Pieper, die Synchronstimme des Außerirdischen Alf, sagt: “Ich freue mich über jeden Tag, wenn ich keinen Reis essen muss.“ Wahrscheinlich will er lieber Katze. GNTM-Model Gisele Oppermann: “Ich möchte einmal eine Prüfung bewältigen.“ (Dafür hat sie nachher noch Gelegenheit). Bachelor und Bachelor-in-Paradise-Kandidatin Evelyn Burdecki sagt: “Mein Ziel ist es heute, ein Schweinearschloch richtig aufzuessen, wenn noch eins kommt.“ Und so weiter, und so fort erzählt dann jeder von seinen Wünschen und Gepflogenheiten. Zum Abschluss noch die Tagesziele, wieder Bastian: “Ich bin dankbar, dass wir so eine hammergeile Truppe sind und uns alle so gut verstehen. Und ich bin dankbar, dass es noch kein Streit gegeben hat.“ Gemeinsam singen sie “Danke für diesen guten Morgen.“ Ein wirklich, wirklich surrealer Moment.

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Dschungelprüfung im Kanal Fatal

Zum Dschungelopfer wird wohl Gisele, die von den Zuschauern wieder zur Prüfung gewählt wird: “Die haben mir kein Vertrauen geschenkt. Die wollen mich verlieren sehen. Ich habe vor jedem Krimskrams hier Schiss. Deswegen habe ich damit gerechnet.“ Zum Glück gibt es nochmal ein Drive-In-Coaching im Vorbeigehen mit Bastian, der es für dringend nötig erachtet: “Gisele is a little bit lost. She is nicht stabil. She is a little bit broken. Sie braucht eine helfende Hand.“ Seine helfende Hand klingt dann so: “Stell dir vor, das ist eine Geisterbahn, für die du Eintritt bezahlt hast. Du wirst erschrecken. Aber mach einfach immer weiter. Weiter. Immer weiter. Weiter. Weiter…

Weiter, immer weiter.

Weiter.“

Die Prüfung heißt dann: Kanal Fatal. Eine Kanalisationsröhre mit allerlei Gekrabbel und Gekrauche. Gisele hat noch eine Frage: “Ich würde gern meine Hose ausziehen. Damit nichts reinkrabbelt. Ich habe auch einen Bikini drunter.“

“Wir bei RTL sind die Letzten, die da nein sagen“, sagt Moderator Daniel Hartwig.

Also halbnackt in die Röhre.

Gisele traut sich nicht. In der kanalisationsähnlichen Röhre wartet allerlei Ungeziefer auf sie. Am Ende sind es dennoch fünf Sterne. Foto: MG RTL D

“Oh mein Goooott.“ Kröten. Spinnen. Ratten. Schlammkrabben. Mehlwürmer. Kakerlaken. Selbst ein Krokodil zischt da mal laut. Gisele traut sich nicht, die Tiere wegzuschieben und die Sterne einzusammeln.

“Willst du es nicht ein wenig versuchen, man will ja auch etwas über sich hinauswachsen?“, fragt Sonja Zietlow.

“Oh mein Goooott.“

“Sag mal, Dschungelcamp hast du aber schonmal geschaut, oder?“

“Nein.“

Die uneingelösten Versprechen

“Bist du etwa wegen des Geldes hier? Oder wegen der Herausforderung?“ An dieser Stelle ein kurzer Einschub: Es ist schon beeindruckend, wie schonungslos RTL mittlerweile die Moderationen für Zietlow und Hartwig schreibt. Da wird mit Wucht die Fernsehillusion zerstört, die sich (natürlich besonders) das Dschungelcamp früher auch selbst gegeben hat. In etwa, dass die Kandidaten nach Herausforderungen suchen, ihre Grenzen ausloten und sich neu erfinden wollen. Klar war schon immer Geld eine Motivation und die Bühne mit Millionen Zuschauern, um die eigene Bekanntheit zu pushen. Aber das Narrativ von der “Herausforderung“ gab den Kandidaten etwas Rest-Würde. Durch die klinische Offenlegung der Gründe, wieso die Kandidaten tatsächlich durch Schleim tauchen und Hoden essen, macht die Kandidaten auf einem neuen Level lächerlich. Die haben es sich ja so ausgesucht und kennen das Format – mag man da einwenden. Dennoch steigert die unverblümte Aussprache der Motivation nochmal die Exponiertheit der Stars und Sternchen.

Am Schluss sind es übrigens fünf Sterne für Gisele. Hartwig: “Ich glaube, sie sehen wir morgen wieder.“ Damit sollte er Recht behalten. Die Zuschauer wählen sie erneut.

Zum Abschluss noch die uneingelösten Versprechen der Staffel von RTL: Chris und Bastian, zudem die frisch beendete Liebelei zwischen Evelyn und Domenico (eine andere Frau bekam plötzlich ein Kind von ihm, das ist jetzt seine Familie) und Sexpertin Leila Lowfire, die noch gar nicht zum Zuge kam. Es ist also noch nicht ganz Sozialporno, aber der ein oder andere voyeuristische Seelenblitzer war schon dabei. Es geht sich “gut“ an, in dieser Staffel. Das fasst Moderator Hartwig so zusammen, als er die Dschungelprüfung für den kommenden Tag ankündigt: “Na, ihr Langweiler!!! Ach nee, das ist eine Moderation aus dem letzten Jahr. An euch haben wir bislang viel Freude!“

Alle Infos zu “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” im Special bei RTL.de

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