"Tag der Störung" in Tel Aviv: Massenproteste fordern Freilassung der Geiseln

"Tag der Störung" in Tel Aviv: Massenproteste fordern Freilassung der Geiseln

Tausende Israelis haben einen Massenprotest veranstaltet und Straßen in Tel Aviv blockiert. Sie haben die Protestaktion als "Tag der Störung" bezeichnet.

Aus Anlass des neunmonatigen Beginns des Gaza-Krieges begann die Kundgebung um 6:29 Uhr Ortszeit, genau zu dem Zeitpunkt, als die Hamas ihre ersten Raketen abfeuerte, bevor sie am 7. Oktober Israel angegriffen hat. Bei dem Angriff töteten Hamas-Mitglieder rund 1.200 Menschen und nahmen 250 weitere als Geiseln.

In Sprechchören forderten die Protestierenden die israelische Regierung auf, mehr zu tun, um einen Waffenstillstand zu vereinbaren und die Freilassung der Geiseln zu erwirken, die noch immer von der Hamas in Gaza als Geiseln gehalten werden.

"Fair und Eitan wurden am 7. Oktober aus dem Kibbuz Nir Oz entführt, unter Netanjahus Aufsicht. Jetzt ist er dafür verantwortlich, neun Monate lang hat er Zeit vergeudet. Wir fordern jetzt eine Einigung. Das ist der einzige Weg", sagte die Demonstrantin Dalia Kushnir-Horn, deren Schwester zu den von der Hamas entführten Menschen gehörte.

In Tel Aviv kommt es wöchentlich zu Massenprotesten dieser Art, die auch eine politische Dimension haben. Viele Demonstranten fordern Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf, Neuwahlen auszurufen und zurückzutreten.

Demonstranten schwenken israelische Flaggen während einer Demonstration in Tel Aviv anlässlich des neunmonatigen Beginns des Gaza-Krieges, 7. Juli 2024.
Demonstranten schwenken israelische Flaggen während einer Demonstration in Tel Aviv anlässlich des neunmonatigen Beginns des Gaza-Krieges, 7. Juli 2024. - Leo Correa/Copyright 2024 The AP All rights reserved

Sie werfen ihm vor, sein politisches Überleben über das Leben der israelischen Geiseln zu stellen.

Unterdessen sind Israel und die Hamas einem möglichen Waffenstillstandsabkommen näher gekommen, nachdem die Hamas ihre Forderung nach einer vollständigen Beendigung des Krieges aufgegeben zu haben scheint.

Beide Seiten haben sich oft gegenseitig die Schuld für die mangelnden Fortschritte bei den Waffenstillstandsverhandlungen gegeben. Es gibt allerdings immer noch erhebliche Lücken.

Eine der Hauptforderungen der Hamas war eine dauerhafte Einstellung der Kämpfe und der vollständige Rückzug des israelischen Militärs aus dem Gazastreifen. Israel hingegen stimmte nur vorübergehenden Kampfpausen grundsätzlich zu und erklärte, seine Priorität sei "die vollständige Vernichtung der Hamas".

Nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums, das bei seiner Zählung nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterscheidet, hat die israelische Vergeltungsoffensive mehr als 38.000 Palästinenser getötet.

Etwa 120 Geiseln werden im Gazastreifen weiterhin gefangen gehalten. Im Rahmen eines Waffenstillstandsabkommens sind im November mehr als 100 Geiseln freigelassen worden.

Israel ist zu dem Schluss gekommen, dass mehr als 40 der verbleibenden Geiseln tot sind. Es ist zu befürchten, dass die Zahl mit dem fortschreitendem Krieg noch weiter steigen wird.