Nach Anschlag: Taliban greifen IS-Kämpfer in Kabul an

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Wenige Stunden nach einem Anschlag auf eine Trauerfeier in der afghanischen Hauptstadt Kabul haben Einheiten der militant-islamistischen Taliban Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) attackiert.

Terroristen einer sogenannten Schläferzelle des IS-Khorasan - wie sich der IS in Afghanistan und Pakistan nennt - seien in einem Haus in Kabul gefangen worden, schrieb Taliban-Mitglied Muhammad Dschalal in der Nacht zu Montag auf Twitter. Drei IS-Terroristen seien durch ihre eigenen Sprengstoffgürtel "neutralisiert" worden.

Stundenlange Gefechte

Zwei Anwohner sagten der Deutschen Presse-Agentur, sie hätten stundenlang den Klang schwerer Gefechte gehört. "Wir können es immer noch hören, aber wir wissen nicht, was vor sich geht." Eine Reihe von Häusern sei durch die Kämpfe beschädigt worden. Mehrere Gebäude stünden in Flammen, beispielsweise Benzin- und Gasgeschäfte.

Talibankämpfer am Sonntag in Kabul (Bild: Bilal Guler/Anadolu Agency via Getty Images)
Talibankämpfer am Sonntag in Kabul (Bild: Bilal Guler/Anadolu Agency via Getty Images)

Zuvor war in Kabul nahe der Trauerfeier für die Mutter eines hochrangigen Taliban-Funktionärs ein Bombenanschlag verübt worden. Der Sprecher des Taliban-Innenministeriums, Kari Said Chosti, sagte, mehrere Zivilisten seien bei der Explosion nahe dem Tor der bekannten Eidgah-Moschee ums Leben gekommen. Anderen Berichten zufolge soll es mindestens zwölf Tote und mehr als 32 Verletzte gegeben haben. Angeblich sollen mehrere führende Mitglieder der Islamisten an der Trauerfeier teilgenommen haben. Es war die erste Bombenexplosion in Kabul, die offenkundig eine Veranstaltung hochrangiger Taliban zum Ziel hatte.

IS scheint aktiver zu werden

Zunächst erklärte sich niemand für den Anschlag verantwortlich. Der IS hat seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August eine Reihe von Anschlägen auf die Taliban für sich reklamiert. Am Freitag hatten IS-Kämpfer Mitglieder der Taliban in der nördlichen Parwan-Provinz angegriffen. Beobachtern zufolge scheint es, als werde der IS in immer mehr Gegenden aktiv.

Der IS war in Afghanistan Anfang 2015 offen in Erscheinung getreten. Er will dort und auf pakistanischem Gebiet eine "Provinz" namens IS-Khorasan etablieren und hat wiederholt Anschläge vor allem auf schiitische Muslime und deren Einrichtungen verübt. Die USA und afghanische Sicherheitskräfte griffen seine Stellungen in vergangenen Jahren mitunter mehrmals wöchentlich an. Mit den ebenfalls sunnitischen Taliban ist der IS trotz großer ideologischer Nähe verfeindet.

Die Taliban hatten nach dem Abzug der internationalen Nato-Truppen, allen voran des US-Militärs, weite Teile des Landes zügig erobert. Am 15. August zogen sie kampflos in die Hauptstadt ein. Bereits von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 hatten die Taliban weite Teile des Landes beherrscht. Ihre Herrschaft gründete auf Unterdrückung und drakonischen Strafen, vor allem Frauen wurden systematisch diskriminiert und massiv in ihren Rechten beschnitten.

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