Talk bei Lanz über Kriminelle, Betrüger und ihre Tricks

Mila Lemke
Freie Autorin
In der Talkshow von Markus Lanz diskutierten Stephan Zantke, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Rudi Cerne und Martin Engelmann über Betrugsfälle, Vorratsdatenspeicherung und die Maya. Foto: ZDF Screenshot

Statt seinen Talkshowkollegen diese Woche hinterher zu eifern, lud Markus Lanz Gäste zu den Themen Technik und Justiz ein. Es fiel kein einziges Mal das Wort „Brexit“. Sehr angenehm und um einiges interessanter als sich noch einmal zu fragen, wer jetzt eigentlich Schuld am Austritt Großbritanniens hat. Zu Gast waren unter anderem Richter Stephan Zantke und die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie erzählten von realen Fällen und diskutierten über die Vorratsdatenspeicherung.

Konsequentere Strafen

Stephan Zantke wurde berühmt, als er einem Flüchtling, der auf Nazideutschland schimpfte, fragte: „Wenn Sie Deutschland so scheiße finden, warum sind Sie dann hier?“ Er hatte eine blonde Frau mit blauen Augen als Nazihure bezeichnet, in seiner Asylunterkunft randaliert und nach Kindern eine Bierflasche geworfen. Vorgeschlagen für dieses Vergehen wurde eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten. Zantke gab ihm das Doppelte. Vor allem die versuchte Körperverletzung stieß dem Richter auf. Doch bis jetzt wurde die Strafe nicht vollzogen, der Flüchtling ist untergetaucht.

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„Hätte man ihn nicht direkt aus dem Gerichtssaal zur Haft abführen können?“, fragt Lanz. Er habe oft als Bürger das Gefühl, dass es zwar Gesetze gäbe, diese aber keine Anwendung fänden. Nein hätte man nicht, klärt Zantke auf, denn das Urteil war noch nicht rechtskräftig. Er wünsche sich aber auch eine konsequentere Anwendung des Rechts. Und untermauert diesen Wunsch mit einer Anekdote.

Einmal verhandelte er den Fall eines Drogendealers. Dieser brachte Marihuana aus Holland nach Deutschland. Mehrmals war er deshalb schon vor Gericht, dreimal bekam er Bewährung. Selbst beim vierten Mal fragte die Verteidigung noch, ob die Strafe nicht zu Bewährung ausgesetzt werden kann. „Ernsthaft?“, fragt Zantke ungläubig. Auch die ehemalige Bundesministerin für Justiz Sabine Leutheusser-Schnarrenberger findet: „Wir müssen den Strafrahmen ausschöpfen und nicht nur Symbolpolitik machen.“

Die Macht der Daten

Um die Schuldigen hinter Gitter zu bringen, wünscht sich Zantke eine längere Datenspeicherung. Momentan können Daten in der Regel bis zu einem Monat aufbewahrt werden. Vor allem in der Drogenkriminalität können so ehemalige Delikte aufgrund des Beweismangels nicht bestraft werden. Aber auch um Mörder nachträglich noch zu finden, sind gespeicherte Daten wichtig. In Stuttgart fand die Polizei eine Leiche, die seit mehreren Wochen bereits im Verwesungsstadium war. Damals wurden die Daten noch bis zu einem halben Jahr gespeichert. So konnte der Täter, ein britischer Staatsbürger, zur Rechenschaft gezogen werden.

Doch die Vorratsdatenspeicherung ist auch ein Eingriff in die Privatsphäre der Bürger. Leutheusser-Schnarrenberger gibt zwar zu, dass sie im Einzelfall etwas bringen kann. „Wenn ich mich aber für Grundrechte entschieden habe, wo ich abwägen muss, dann gibt es Grenzen“, sagt sie. Und diese Grenzen sind für sie beispielsweise dann erreicht, wenn Polizisten mit Body-Cams ausgestattet werden. Denn was passiert mit den Daten, wenn sie erst einmal erhoben sind? „Sie landen auf einer Amazon Cloud“, erzählt Leutheusser-Scharrenberger. Anscheinend gibt es keine andere Möglichkeit, sagt sie. Hört sich nicht vertrauenserweckend an. Aber immerhin sind sie auf einem deutschen Server. „Damit wir die Kontrolle darüber haben“, sagt Leutheusser-Schnarrenberger. Jedenfalls lässt sich das wachsende Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung nicht durch mehr Datenüberwachung ausräumen.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger findet die Datenspeicherung ist ein Eingriff in die Privatsphäre und der darf nicht zu weit gehen. Foto: ZDF Screenshot

Betrug im Internet

Doch woher kommt die Unsicherheit überhaupt? Schließlich gelten deutsche Straßen als äußerst sicher. Kriminalität findet nicht nur in der realen Welt statt. Betrugsfälle über Telefon oder via Internet häufen sich. ZDF-Moderator Rudi Cerne kennt sich mit solchen Fällen aus. Er präsentiert die Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst.“ Und ab Samstag, den 23. März läuft „Vorsicht Falle“ wieder an, in der Betrugsdelikte nachgestellt werden.

Cerne erzählt über Fake-Shops. Oft sehen die Seiten seriös und täuschend echt aus, doch die gekauften Schuhe werden nie geliefert. Das Geld ist weg. Meist trifft es diejenigen, die im Internet bestellen, um ihr weniges Geld zu sparen. Gehen sie vor Gericht, müssen sie die arglistige Täuschung nachweisen. Dazu brauchen sie einen Rechtsanwalt und auch das ist teuer. „Es ist ein Teufelskreis nach unten“, meint Cerne.

Wichtig ist es deshalb vorsichtig zu sein. Das gilt vor allem für Senioren, denn ausländische Call Center telefonieren älter klingende Namen systematisch ab. Auch Inge Hauf aus Günzburg bekam einen Anruf. Doch Betrüger versuchten schon einmal, die Seniorin mit dem Enkeltrick reinzulegen. Beim zweiten Mal war sie deshalb vorbereitet und drehte den Spieß um. Während sie mit der vermeintlichen Sabine eine Geldübergabe vereinbarte, rief sie die Polizei. Als sie dann bei der Kirche den Täter trifft, nehmen die Beamten diesen fest. Scherzhaft sagt Cerne: „Die wollen nur dein Bestes. Dein Geld.“

Die Mayas

Nachdem Lanz in die Abgründe der Menschheit geblickt hat, lässt er den Abend mit den Aufnahmen des Fotografen Martin Engelmann ausklingen. Der reiste zu einer Volksgruppe der Maya, den Lakandonen. Sie bewahrten die alten Traditionen, zum Beispiel das Trinken eines Kanus voller Alkohol im Dienste der Götter. Die Zeremonie endet erst, wenn das Boot leer ist. „Und alle hackedicht sind“, fügt Lanz hinzu. Erst vor rund 100 Jahren traf diese Volksgruppe der Maya auf die digitale Welt. „Ein Kulturschock, vor allem für viele Ältere“, meint Engelmann.

„Sie wurden von der Steinzeit ins digitale Zeitalter teleportiert“, bestätigt Lanz. Sah man auf einem Foto von Engelmann einen Jungen noch im traditionellen weißen Gewand der Maya, ist er drei Jahre später schon mit Shirt und Jacke gekleidet. „Man hat das Gefühl im Paradies angekommen zu sein, allerdings mit Ablaufdatum“, erzählt Engelmann ein wenig enttäuscht. Der westliche Lebensstil ist mit seiner Bequemlichkeit zu attraktiv. Doch wer kann es nicht verstehen, wenn man 365 Tage im Jahr in einer feuchten Hütte vor einem selbst gemachten Feuer sitzt und weiß, dass andere in ihrer Wohnung eine Badewanne haben. „Da würde ich auch die Badewanne wollen“, sagt Lanz.

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