Talk-Zoff um Christine Lambrecht: Journalistin beklagt "frauenfeindliche Kampagne"

Im Gegensatz zu Robin Alexander erkennt Sabine Rennefanz in der Berichterstattung über Christine Lambrecht eine "frauenfeindliche Kampagne". (Bild: ARD)
Im Gegensatz zu Robin Alexander erkennt Sabine Rennefanz in der Berichterstattung über Christine Lambrecht eine "frauenfeindliche Kampagne". (Bild: ARD)

Die derzeitige Kritik an Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht sei nicht immer sachlich, findet die Journalistin Sabine Rennefanz. Im Studio bei Sandra Maischberger kam es deshalb zum Schlagabtausch. Einig war sich die Runde im Lob für Außenministerin Annalena Baerbock, in das sogar Friedrich Merz einstimmte.

Der Helikopter-Mitflug des Sohnes von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist in aller Munde - auch im Studio bei Sandra Maischberger. So erklärte Talkshow-Dauergast Robin Alexander am Mittwochabend, dass die Mitnahme wohl "rechtlich okay" gewesen sei. Ministerinnen und Ministern sei es erlaubt, sich ohne dienstlichen Anlass begleiten zu lassen, solange die Reise aus eigener Tasche bezahlt werde.

Nichtsdestotrotz sei die Debatte um den Flug nachvollziehbar, betonte der Journalist: "Wenn man bedenkt, was gerade in der Ukraine los ist, dass eine Menge deutscher Soldaten ins Baltikum geschickt werden, dass die Ministerin anders als der Kanzler Weihnachts- und Osterurlaub macht, und dann noch der Sohn im Bundeswehr-Helikopter Instagram-Fotos macht - ob das politisch die richtige Botschaft ist?"

Er selbst verstehe Christine Lambrecht nicht, betonte Alexander. "Eigentlich hätte ich gedacht, dass sie dieses Amt annimmt und zeigt, dass sie sich um die Soldaten kümmert." Dem sei bislang jedoch nicht so gewesen, urteilte der stellvertretende "Welt"-Chefredakteur - und erhielt prompt Gegenwind von Sabine Rennefanz: "Das sind doch zwei unterschiedliche Dinge, die da vermengt werden." Die "Tagesspiegel"-Kolumnistin ärgerte sich über eine "frauenfeindlich Kampagne", die derzeit gegen Lambrecht im Gange sei. Rennefanz wies dabei auch auf die Wortwahl von Sandra Maischberger hin, immerhin hatte diese zuvor von der sogenannten "Helikoptermutter-Affäre" gesprochen.

"Es wird sich darüber lustig gemacht, wie sie spricht, wie sie sich kleidet", bemängelt Sabine Rennefanz den Umgang mit Christine Lambrecht. Robin Alexander widerspricht: ""Kann es sein, dass es in diesem Fall einfach nichts mit dem Geschlecht zu tun hat?" (Bild: ARD)
"Es wird sich darüber lustig gemacht, wie sie spricht, wie sie sich kleidet", bemängelt Sabine Rennefanz den Umgang mit Christine Lambrecht. Robin Alexander widerspricht: ""Kann es sein, dass es in diesem Fall einfach nichts mit dem Geschlecht zu tun hat?" (Bild: ARD)

"Kann es sein, dass es in diesem Fall einfach nichts mit dem Geschlecht zu tun hat?"

"Das wird jetzt überall von 'Bild' bis 'taz' benutzt. Es wird sich darüber lustig gemacht, wie sie spricht, wie sie sich kleidet", kritisierte Rennefanz. Diese "unangenehme" Art der Berichterstattung stehe stellvertretend dafür, "wie mit Frauen umgegangen wird", kritisierte die Autorin. Christine Lambrecht habe zudem einen besonders schweren Stand als Verteidigungsministerin in einer Ausnahmesituation wie der jetzigen.

Während Rennefanz für ihre Worte Applaus aus dem Publikum erntete, widersprach Alexander der Journalistin: "Kann es sein, dass es in diesem Fall einfach nichts mit dem Geschlecht zu tun hat?" Immerhin sei im ARD-Talk zuvor sehr wohlwollend über Annalena Baerbock gesprochen worden.

Tatsächlich hatten sich sämtliche Gäste des Abends positiv über die Arbeit der Bundesaußenministerin geäußert. Der Komiker Bernhard Hoëcker etwa mutmaßte zu Beginn der Sendung, Baerbock wäre besser für das Kanzleramt geeignet als Olaf Scholz. Der Grund: "Ich habe das Gefühl, zu wissen, was sie denkt und was sie sagt. Das habe ich bei der aktuellen Kanzlerbesetzung nicht immer." Im Gegensatz zu Baerbock nutze Scholz "sehr viele Worte, und man muss sich sehr viel Mühe geben, um zu wissen, was er eigentlich gemeint hat", so Hoëcker. Dem pflichtete Sabine Rennefanz bei und monierte, der Kanzler hinterlasse "eine kommunikative Lücke".

Die Diskussion um Christine Lambrecht habe nichts mit ihrem Geschlecht zu tun, glaubt Robin Alexander - schließlich werde die ebenfalls weibliche Außenministerin Annalena Baerbock derzeit nicht kritisiert. (Bild: ARD)
Die Diskussion um Christine Lambrecht habe nichts mit ihrem Geschlecht zu tun, glaubt Robin Alexander - schließlich werde die ebenfalls weibliche Außenministerin Annalena Baerbock derzeit nicht kritisiert. (Bild: ARD)

Merz zieht den Hut vor Baerbock: "Chapeau!"

Auch Robin Alexander lobte die Ministerin für ihren Besuch in der Ukraine. "Ich war am Anfang bei diesem Reisen skeptisch. Ich bin aber nicht mehr meiner Meinung", räumte er ein. Der Symbolcharakter gegenüber der ukrainischen Bevölkerung sei enorm: "Wenn da jemand kommt wie Frau Baerbock und zeigt, ich leide mit, ich sehe, was euch passiert, dann wissen die Menschen: Wir werden hier nicht wieder unter den historischen Tisch gekehrt."

Sogar der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, der eher selten warme Worte für die Grünen-Ministerin findet, zeigte sich beeindruckt von Baerbock: "Chapeau!" Den Vorwurf der Symbolpolitik könne er hingegen nicht nachvollziehen - auch nicht im Hinblick auf seinen eigenen Besuch in Kiew vor wenigen Tagen. "In der Politik ist vieles symbolisch. Gerade aus Deutschland heraus einmal zu zeigen, dass wir auch als Opposition zu diesem Land stehen, war mir wichtig. Und dazu stehe ich auch."

Sogar Friedrich Merz zeigt sich beeindruckt von Annalena Baerbock: "Chapeau!"  (Bild: ARD)
Sogar Friedrich Merz zeigt sich beeindruckt von Annalena Baerbock: "Chapeau!" (Bild: ARD)
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