Talkshow Markus Lanz: Wie sinnlos sind Debatten?

Mila Lemke
Freie Autorin
In der Talkshow von Markus Lanz diskutieren Bodo Ramelow, Hans Sigl, Eva Quadbeck und Sophia Flörsch. Foto: ZDF Screenshot

Nachdem die Talkshow von Markus Lanz in der ersten Hälfte dahinplätscherte und sich vor allem um die Frage drehte, ob ein Linker jetzt ein Guter sein kann, nahm sie in der zweiten Hälfte doch noch Fahrt auf. Dank sei dem Schauspieler Hans Sigl und der Formel-3-Pilotin Sophia Flörsch.

Wissenswertes aus der ersten Hälfte

Der erste linke Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, erklärt: “Es geht um die Wurst.” Besser gesagt: “Um die Bratwurst. Gebrüht oder nicht gebrüht. Um Bratwürste, die um die ganze Welt exportiert werden. Es geht um Rohstoffe.” Der linke Ministerpräsident denkt wirtschaftlich. Und die CDU freut sich darüber. “Wenn nur alle Linken so wären wie Bodo Ramelow”, heißt es dort. “Ein Linker, der auch bei der SPD sein könnte.” Ist das jetzt gut oder schlecht? Thüringen hat ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent. “Es ist okay”, sagt die Journalistin Eva Quadbeck von der “Rheinischen Post.” Sie ist erleichtert. Der Kommunismus hielt nicht wieder Einzug in den Osten.

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Und auch Bodo Ramelow sagt: “Mit der CDU kann man gut reden.” Der Frage aber, ob er mit ihr koalieren würde, weicht er aus. Erst am 27. Oktober muss er eine Entscheidung treffen, wenn die Umfragewerte der Parteien sich nicht ändern. Stimmt ja auch. Wieso sollte er sich jetzt verbrennen, wenn man noch hoffen kann, dass bis dahin “noch viel Wasser den Rhein entlangfließt” und den bevorstehenden Waldbrand verhindern. Da kann Lanz noch so oft nachfragen. Er schafft es nicht dem Politiker eine vorzeitige Antwort zu entlocken.

Und während Ramelow über Thüringen schwärmt und die Lederausstattung für den Lamborghini, die dort hergestellt wird, sieht Lanz noch einmal seine Chance eine Debatte in Gang zu bringen. Er wirft ein: “Trotzdem gibt es eine tiefe Verunsicherung. Warum?” Doch Quadbeck erklärt nichts Neues: Abgrenzungswunsch, Probleme bei der Pflege, der Wohlstand der Zukunft ist gefährdet, radikale Parteien werden gewählt. Hatten wir das nicht schon? 2018? Und 2017? Hat Lanz nichts anderes zu bieten als die gleichen Themen, das gleiche Weißbrot vom Vorjahr? Nur weil man es immer und immer wieder kaut, wird es nicht besser.

Wie eine Erlösung klingen da Lanz Satz, als er sagt: “An dieser Stelle können wir jetzt ganz tief einsteigen, aber dazu haben wir keine Zeit.” Puh noch mal Glück gehabt. Hans Sigl, Schauspieler aus der Serie „Der Bergdoktor“ will nämlich schon die ganze Zeit etwas loswerden. Und das so richtig. Endlich jemand, der die eigenen Gedanken ausspricht.

In der zweiten Hälfte wird es Spannend

“Wir wollen maximal den eigenen Arsch noch retten. Wenn wir wirklich an die Zukunft denken würden, an die Kinder, dann würden wir andere Dinge verfolgen – nicht so viel reden.” Wumm, das hat gesessen. Ob Lanz den Seitenhieb mitbekommen hat? In seiner Talkshow wird darüber geredet, ob andere miteinander reden. Das meinte Sigl als er sagte: “Eine Debatte ist ein leeres Gegeneinander.”

Sigl disutiert mit Lanz über die Sinnlosigkeit von Diskussionen. Foto: ZDF Screenshot

Vermutlich hat Lanz den Wink allerdings nicht verstanden, denn er fragt jetzt Sigl: “Woher kommt die Verzagtheit?” Sigl stellt die Frage anders: “Warum verstehen die Rechten und die Linken sich nicht?” Er erzählt, dass er nach einer Erklärung für seine Kinder suchte. Nur wie sollte er erklären, dass Parteien nicht miteinander diskutiert, um die bestmögliche Ergebnisse für ihr Land zu finden.

Kinder fragen nach und bekommen keine Antwort. Aus neugierigen Kindern werden langweilige Erwachsene. Und warum? “Ich sah einmal einen Aufsatz, in dem sich die Deutschlehrerin verewigen wollte”, meint Sigl. Schule ist auf Leistung getrimmt.

Lanz: “Ich korrigiere auch immer die SMS von meinem Sohn. Ich schreibe dann zurück: Da fehlen fünf Komma.”
Sigl: “Schlimm.”
Lanz: “Mein Sohn?”
Sigl: “Nein, Sie.”

Kein Wunder, dass Ramelow sich nie traute Liebesbriefe abzuschicken. Er ist Legastheniker. “Wer geht schon gerne zur Mutter und sagt: bitte korrigier mal”, erzählt der Politiker.

Lanz wechselt das Thema. Jetzt hat er den Seitenhieb vermutlich verstanden. Zum Glück berichtet die Formel-3-Pilotin Sophia Flörsch ein paar witzigen Details über ihren Unfall. Sie kann sich noch an alles erinnern. “Ich schneide gerade mein YouTube-Video”, erzählt die 18-Jährige. Wie knapp sie der Querschnittslähmung entging, erfuhr sie erst nach einer elfstündigen Operation. Deshalb kann sie auch in einem seichten Ton über den Aufprall in die Pressetribüne erzählen.

“Mein Kopf hat dieses Haus zerstört”, meint Flörch. Mit 276 Kilometer pro Stunde krachte sie in die Tribüne und brach sich zwei Halswirbelknochen “Sie wollten mir den Helm aufschneiden. Ich meinte: Macht das nicht. Ich habe den erst neu bekommen. Ich habe den Helm dann selber aufgemacht. Zu dem Zeitpunkt wusste ich ja noch nicht, dass er kaputt war.” Sympathisch. So lässt es sich doch Schlafen gehen.

Im Video: Die Meilensteine bei Lanz