Tarifkonflikte verschärfen sich im ersten Halbjahr 2021 deutlich

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GDL-Mitglieder auf einer Demonstration im Jahr 2014 (AFP/ODD ANDERSEN)

Die Tarifkonflikte zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften sind in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich schärfer ausgefallen als noch im Vorjahr. "Die Konfliktbereitschaft hat im ersten Halbjahr 2021 spürbar zugenommen", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Nach zurückhaltenden Tarifverhandlungen im ersten Corona-Jahr 2020 sei 2021 die Lohnentwicklung wieder in den Mittelpunkt der Tarifverhandlungen gerückt.

Die Lohnforderungen der Gewerkschaften lagen demnach zwischen vier und 5,3 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. "Im Fokus stand und steht nun stärker, wie die Leistungen der Beschäftigten während der Pandemie angemessen honoriert werden können", hieß es weiter in der Studie. Da die verschiedenen Branchen jedoch unterschiedlich durch die Pandemie betroffen waren, "ergeben sich vor allem dort Spannungen, wo die Unternehmen auf ihre schlechte wirtschaftliche Situation hinweisen, die Gewerkschaften aber nicht länger zum Lohnverzicht bereit sind".

Bei den Tarifabschlüssen zeigten sich die Gewerkschaften dann aber laut der Studie "eher zurückhaltend". So verzichteten viele Arbeitnehmerbünde auf prozentuale Gehaltserhöhungen und akzeptierten stattdessen Corona-Prämien, die teils sogar erst 2022 ausgezahlt werden.

Für den Rest des Jahres rechnen die IW-Experten nicht mit Entspannung: So sei die Situation in den Tarifverhandlungen der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) mit der Deutschen Bahn (DB) festgefahren, ebenso wie im Einzelhandel und im Bankgewerbe. Auch die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst bergen demnach Konfliktpotenzial.

Angesichts der hohen Inflationsrate sei außerdem weiterhin mit höheren Lohnforderungen der Arbeitnehmer zu rechnen. "Damit dürfte sich der im ersten Halbjahr beobachtbare Trend einer zunehmenden Konfliktbereitschaft auch im zweiten Halbjahr 2021 fortsetzen", erklärten die Experten.

Das arbeitgebernahe IW analysierte im Rahmen seines "Konfliktmonitorings" 14 zentrale Tarifverhandlungen im ersten Halbjahr 2021. In der Erhebung werden regelmäßig die Tarifverhandlungen in 20 Branchen aus allen Bereichen der Volkswirtschaft ausgewertet. Die Konfliktintensität - vom IW errechnet aus verschiedenen Eskalationsstufen wie Streikankündigungen, Urabstimmungen und Warnstreiks - erreichte im ersten Halbjahr 2021 demnach einen Punktestand von 8,4 und damit beinahe den langjährigen Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2020 (neun Punkte).

Im Jahr 2020 hatte die durchschnittliche Konfliktintensität lediglich 2,3 Punkte betragen, da sich die Gewerkschaften im Rahmen der Corona-Pandemie insbesondere auf Beschäftigungssicherung konzentriert hatten. 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, hatte die Konfliktintensität laut IW bei 10,3 Punkten gelegen.

fho/ilo

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