"Tatort": Borowski und die Klischeemaschine

Alles wird gut: Borowski hat jetzt ein Smartphone.

Dass es in die digitalen Tiefen geht, merkt man beim Tatort „Borowski und das dunkle Netz“ gleich in der ersten Szene. Ein Mann mit Wolfsmaske betritt ein Fitnessstudio, zieht eine Pistole mit Schalldämpfer und das Bild schaltet in die Ego-Shooter-Perspektive. Ist gerade modern, hat sich wohl jemand in der ARD-Tatortredaktion sagen lassen und deshalb machen sie das jetzt so. Das kann ja nur großartig werden.

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Der Mann mit der Wolfsmaske, schießt, nein, ego-shootert sich also durch das Fitnessstudio und sucht nach einem grauhaarigen Mann, von dem er ein Foto mitgebracht hat. Als er ihn findet, schießt er ihn in den Kopf und macht ein Foto von der Leiche. Sie können also sehen: der Wolf ist professionell im Tötungsbusiness unterwegs. Dunkle Mächte am Werk also. Nach dem Mord geht der Täter zurück in das Motel, in dem er wohnt. Als ihn die Rezeptionistin anspricht, nimmt er die Maske ab und murmelt ein paar unzusammenhängende Sätze. Das, und die wirren Stimmen, die immer wieder dann eingespielt werden, wenn er gerade irr in den Spiegel glotzt, sagen dem Zuschauer subtil: hier hat einer ein ernstes psychisches Problem.

Damals und heute: “Tatort”-Duos im Wandel der Zeit

„Das dunkle Netz“ aus dem Titel dieses Tatorts bezieht übrigens sich auf das Darknet, jenen Teil des Internets, der kaum von staatlicher Seite zu überwachen ist und deshalb immer wieder auch Schauplatz für allerlei illegale Geschäfte ist. Dunkle Mächte, die auch noch im Internet agieren? Da kommt ordentlich was zu auf Borowski und Brandt.

Borowski hat jetzt ein Smartphone

Dem sind sie, das wird vom Drehbuch gleich aggressiv klargemacht, aber durchaus gewachsen: Borowski hat jetzt (Achtung!) ein Smartphone. Damit er das auch voll für die Ermittlungen nutzen kann, hilft ihm Brandt, seine Spracherkennung einzustellen. Borowski nennt sie Sabine und fragt sie im Laufe des Falls immer wieder nach wichtigen Dingen. „Wie wird das Wetter, Sabine?“, „Kannst du aufheiternde Musik spielen?“ – sowas eben. Sie übernehmen den Fall, obwohl der in die Zuständigkeit des plakativ sexistischen LKA-Chefs Eisenberg und des schnucklig freundlichen Staatsanwalts Austerlitz fallen würden. „Mord ist Mord“, phrasendrischt Borowski – und los geht’s.

Die besten “Tatort”-Ermittler aller Zeiten

Hilfe bekommen sie von der Cybercrime-Einheit des LKA. Deren Chef war nämlich der Tote. „Keine Nerds, sondern echte Polizisten“ würden da arbeiten, verkündet der LKA-Chef. Hier soll man als Zuschauer lachen, denn die zwei verbleibenden Beamten sind natürlich Nerds – zumindest, was man sich bei der ARD darunter vorstellt. Einer, ein junger Mann mit dem Namen Cao, trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck “π-mp”, was ausgesprochen “Pimp” heißt. Mathewitz komm raus. Der andere, Dennis, stottert. Sie haben einen Knopf in ihrem Büro, mit dem sie über das Internet Pizza bestellen und Fahndungserfolge feiern sie mit High-Five.

Pizzabutton und High Fives: Nerds a là ARD

Während des Besuchs bei der Familie des Toten malt sein kleiner Sohn ein Bild, auf dem sein Vater mit einem anderen Mann zu sehen ist, den der Junge der „Jäger“ nennt. Die dunkle Macht hat einen Namen.

Dass der Mann mit der Wolfsmaske nicht der Jäger ist, findet der Zuschauer heraus, als er im Motel eine Webseite aufruft, über die er im Darknet Morde als Dienstleistung anbietet und das Bild des Toten an einen Chatpartner mit dem Namen „Orion“ schickt. Orion, der Jäger, schon klar. Dass der Uralt-Computer der Rezeptionistin, an dem er das macht, mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit keinen TOR-Browser installiert hat, ignorieren wir an der Stelle einfach mal. Er bekommt jedenfalls einen zweiten Auftrag.

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Mithilfe des Internets und der Cybercrime-Einheit gelingt es Borowski und Brandt schließlich, ihn im Motel zu stellen. Auf seinem Computer findet Borowski das Foto des kuschlig-netten Staatsanwalts Austerlitz. Um ihn zu schützen, stellen sie seinen Tod nach, was aber wenig hilft, weil er vergiftete Pralinen in der Post bekommen hat. Er landet auf der Intensivstation. Der Mörder erhängt sich in seiner Gefängniszelle. Und wer ist der Jäger?

Der Jäger in der Falle

Nach mehreren falsch Verdächtigten und weiteren Toten besucht schließlich Sarah Brandt den wieder aus dem Krankenhaus entlassenen kuschligen Staatsanwalt. Der hat ihr während des gesamten Films angeboten, die neue Chefin der Cybercrime-Einheit zu werden. In seinem Haus, das voller Jagdtrophäen und Fallen (!) hängt, findet sie schließlich einen Computerraum, der wie das Versteck eines James-Bond-Bösewichts aussieht.

„Du bist der Jäger“, sagt Brandt und der kuschlige Staatsanwalt lacht irre. Er habe bei einer der letzten Ermittlungen der Cybercrime-Einheit das Passwort für eine fette Bitcoinbrieftasche gefunden. Die will er zu Geld machen, deshalb hat er alle umgebracht. Es folgt eine Jagd durch das dunkle Haus, die damit endet, dass Brandt den Jäger mit einer Bärenfalle erschlagen muss. Borowski kommt zu spät, weil Sabine ihn nicht zur richtigen Adresse führt. Botschaft des Films: Technik ist im besten Fall dumm und im schlechtesten Fall böse.

Was für ein Mist. Bei so viel Klischee à la ARD hätte man ausschalten und stattdessen lieber zwei Stunden im Darknet surfen sollen. (jl)

Fotos: Screenshot/ARD

Ungewöhnlicher Auftritt: Im letzten “Tatort” zeigte sich dieser Star ungeschminkt:

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