"Tatort": Ein Fall für Herz und Haar. Oder so.

Boerne bei der Schießprüfung. Alle Kipphasen erledigt.

Eine blauhaarige Überraschungstochter, Giftmais und Stummelschwanz-Makaken. Passt nicht zusammen? Macht nichts. Münster darf das.

Es ging hauptsächlich um Haare, in diesem Münsteraner Tatort. Die einen hatten keine, die anderen blaue, wieder andere bringt das Geschäft mit dem Haarwuchs am Ende in den Knast. Man könnte ihn wirr und ungekämmt nennen, diesen Tatort, gleichzeitig war er aber auch flauschig, wollte ans Herz gehen.

Der heimliche Star: Das ist das blauhaarige Mädchen aus dem “Tatort” vom Sonntag

Der Fall ist folgender: Ein Investigativ-Journalist stößt auf unsaubere Machenschaften und wird kurz später erschossen. Worum genau es ging, das weiß der Zuschauer nicht. Er vermutet aber schnell und ohne wirklichen Grund, dass es sich um einen Futtermittel-Skandal gehandelt haben muss. Ein weiterer Mann stirbt: Er fällt aus dem Fenster seiner Wohnung. Hat er die Futtermais-Datenbank gehackt? Das ist auch am Ende nicht ganz klar.

Kipphasen, Losungen, Fangschüsse – mit unserem Jägerlatein waren wir schnell am Ende

Dann geht es noch um Boernes Jagdprüfung, sein schütter werdendes Haar, ein Wundermittel gegen androgenetische Alopezie und um Thiels vermeintliche Tochter. Außerdem dabei: Ein im Darknet georderter Auftragskiller, der sich dreimal von dieser Tochter austricksen lässt und schließlich vor einen Lastwagen mit Dixieklos läuft. Der Kitt zwischen all diesen (Achtung!) an den Haaren herbeigezogenen Themensträngen, sind zwei Frauen.

Damals und heute: “Tatort”-Ermittler im Wandel der Zeit

Leila (Janina Fautz), blaues Haar, Anfang 20, ist auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater. Erste Station: Investigativ-Journalist Jens Offergeld (Christian Maria Goebel). Die Szene ihres Kennenlernens ist beinahe rührend, allerdings kommt er (wie wir später lernen) auf Grund seiner Vasektomie als Vater nicht in Frage und wird dann ja auch umgebracht. Nächster Kandidat: Kommissar Frank Thiel, bei dem sie sich kurzerhand auf der Couch einquartiert. Außerdem schnüffelt sie in Thiels Ermittlungen herum und erpresst die Mörder ihres Nicht-Vaters.

Rätselhaft: Ist Leila (rechts) Thiels Tochter? Rätsel gelöst: Nein, ist sie nicht.

Die andere Frau ist Freya Freytag (Jeanette Hain), Vorsitzende der Münsteraner Jagdgesellschaft 1961 e.V.. Sie nimmt Boerne die Jagdprüfung ab und hat zudem ein Zaubermittel gegen vorzeitigen Haarausfall entwickelt. Nachdem die junge Leila – oder wie Boerne sie nennt: Frau Schlumpf – allerdings zum Ende hin einen als Pinguin-Schlüsselanhänger getarnten USB-Stick findet, den Offergeld ihr vor seinem Tod gab, stellt sich raus: Der eigentliche Skandal dreht sich gar nicht um ukrainischen Giftmais, sondern um eben dieses Haarwuchsmittel, das bei den Makaken-Tests tödlich wirkte.

Die skandalösesten Momente in der “Tatort”-Geschichte

Damit dieser Tatort nicht nur Haar, sondern auch Herz bedient, lernen wir am Rande noch ein bisschen was über Thiels Familie (Vater in Goa, Sohn auch weg) und, dass er so eine Überraschungstochter, blaues Haar hin oder her, eigentlich ganz schön fänd. Bei Flaschenbier und Tiefkühl-Pizza mit Ketchup kommen die beiden sich näher – am Ende ist er dann doch nicht ihr Vater, sondern der ermordete Journalist Jens Offergeld.

Vorsicht mit Vasektomien, liebe Männer

Was wir lernen: Vorsicht, Männer! Vorsicht mit Haarwuchsmitteln und Vasektomien. Manchmal halten die nicht so viel, wie versprochen.

Was wir außerdem lernen, in diesem Tatort: Journalisten trinken gerne Alkohol. Thiel: „Die meisten Journalisten kommen nach einer Flasche Rotwein erst so richtig in Fahrt.“- Nadeshda: „Die saufen aber auch zur Inspiration“ Und: Boerne verliert zwar sein Haar, nicht aber den sportlichen Ehrgeiz:  „Wissen Sie, wie viele Liegestütze ich kann? Alle.“

Es ist ein wenig wirr. Man hätte diesen Tatort gern gekämmt. Aber da wir die Münsteraner mögen, verzeihen wir ihnen noch jeden Knoten. (ah)

Fotos: WDR/Thomas Kost, WDR/Martin Menke

Axel Prahl und Jan-Josef Liefers wurden beim Dreh zu diesem “Tatort” übrigens von “Verstehen Sie Spaß?” erwischt: 

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